Prora und Baumwipfelpfad

 

11. Febru­ar 2018
Heu­te sieht es ein biss­chen trü­be aus, aber es scheint sich auf­zu­hel­len. Bevor wir nach Ber­lin zurück­fah­ren, wol­len wir unbe­dingt den ange­prie­se­nen Baum­wip­fel­pfad erkun­den. Die­ser liegt bei Pro­ra, ein Grund auch die­sem Ort einen Besuch abzu­stat­ten. Nach einem guten Früh­stück dre­hen wir zunächst noch eine klei­ne Run­de durch den Kur­ort Binz. Ich möch­te noch die bekann­te Bäder­ar­chi­tek­tur im Foto fest­hal­ten.

Jetzt ist alles geschafft. Wir star­ten in Rich­tung Pro­ra, einem Orts­teil der Gemein­de Binz. Pro­ra ist zum einen ein geschichts­träch­ti­ger Ort und zum ande­ren unglaub­lich lang­ge­zo­gen. Wo sol­len wir abbie­gen? Wo kann man par­ken? Uns ver­schlägt es an das nörd­li­che Ende, wo sich eine Jugend­her­ber­ge befin­det. Das Gelän­de ist weit­räu­mig ein­ge­zäunt. Der Zugang erfolgt durch eine mit einer Schran­ke gesi­cher­ten Ein­fahrt. Da die Schran­ke weit geöff­net und kei­ne Men­schen­see­le weit und breit zu ent­de­cken ist, pas­sie­ren wir und fah­ren auf einen rie­si­gen, aber lee­ren Park­platz. Wir bli­cken auf ein Bau­werk, das kein Ende neh­men will.

In Pro­ra bau­te die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on Kraft durch Freu­de (KdF) direkt am Ost­see­strand eine vier­ein­halb Kilo­me­ter lan­ge monu­men­ta­le Feri­en­an­la­ge. Die Bau­ar­bei­ten began­nen 1936 und wur­den 1939 nach Beginn des 2. Welt­krie­ges ein­ge­stellt. Die unvoll­endet geblie­be­ne Anla­ge besteht aus acht anein­an­der­ge­reih­ten bau­glei­chen Häu­ser­blocks. Hier soll­ten 20.000 Men­schen gleich­zei­tig Urlaub machen. Nach dem Krieg wur­den die Gebäu­de als Kaser­ne genutzt. Heu­te erfolgt schritt­wei­se eine dezen­tra­le Nut­zung als Jugend­her­ber­ge, Hotel, Eigen­tums­woh­nun­gen, Muse­um.
Inzwi­schen hat sich auch die Son­ne durch den die­si­gen Him­mel gekämpft. Ihr hel­les, oran­ge­far­be­nes Licht sug­ge­riert Wär­me. Aber der fri­sche Wind belehrt sofort eines Bes­se­ren: Es ist Win­ter! Die Jacken hoch geschlos­sen, Müt­ze, Schal und Hand­schu­he, so hal­ten wir es eine gan­ze Wei­le am Strand aus. Die Wel­len schla­gen mun­ter an das Ufer und trans­por­tie­ren unter ande­rem auch viel klei­ne­re Stei­ne auf den fei­nen Sand­strand. Das ist ein treff­li­ches Revier, um nach einem Hüh­ner­gott zu suchen. Mar­t­he ist ein Glücks­pilz. Sie fin­det einen sehr schö­nen Hüh­ner­gott und ist ganz hap­py; trotz nas­ser Stie­fel und Hand­schu­he.  

Hüh­ner­gott – das ist ein Feu­er­stein mit einem Loch. Er soll ein Glücks­brin­ger sein. Als Talis­man, so der Glau­be, wen­det er böse Geis­ter, Gefah­ren und Unheil ab.

  
Jetzt wird es span­nend, mehr als uns lieb ist. Als wir das Gelän­de wie­der ver­las­sen wol­len, ist die Schran­ke geschlos­sen. Nichts zu machen und kein Mensch in der Nähe. Angeb­lich öff­net sie sich nach dem Ein­wurf von vier Euro. Doch es ist kein Klein­geld zur Hand. Was nun? Wir kom­men wir her­aus? Irgend­wo kom­men wir an ein Tor, das nicht ver­schlos­sen ist. So gelan­gen wir in den Bereich der Eigen­tums­woh­nun­gen, aber nicht auf die Stra­ße. Erst mit freund­li­cher Unter­stüt­zung einer Ein­woh­ne­rin, öff­net sich für uns das Tor zur Stra­ße. Ob da der Hüh­ner­gott schon gewirkt hat?

Ehe­ma­li­ges Forst­haus


Heu­te ist der Andrang über­schau­bar. Wir kön­nen pro­blem­los das Auto auf dem kos­ten­pflich­ti­gen Park­platz abstel­len. Nach dem Kauf der Ein­tritts­ti­ckets bestei­gen wir den Ein­stiegs­turm. Er führt hin­auf auf einen Hoch­pfad quer durch die Kro­nen der Buchen. An acht Infor­ma­ti­ons­sta­tio­nen des Lern­pfa­des kann man sein Wis­sen tes­ten und Neu­es ler­nen. Das nut­zen wir aus­gie­big. So erfah­ren wir viel über Tie­re und Pflan­zen, ins­be­son­de­re über die Buchen. Ein Bei­spiel: Eine aus­ge­wach­se­ne Buche pro­du­ziert täg­lich Sauer­stoff für drei Men­schen (1200 Liter). Sie kann an einem Tag 500 bis 750 Liter Was­ser von der Wur­zel in die Blät­ter trans­por­tie­ren. Die Buchen sind schon inter­es­san­te Bäu­me. Uns fällt auf, dass der Fuß ihres Stam­mes von Moos umhüllt ist. Das sieht aus, als wür­de er in einem Haus­schuh ste­cken.
 Natur­er­be Zen­trum Rügen

Forst­haus Pro­ra 1
18609 Ost­see­bad Binz/
OT Pro­ra

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 11,00€

Kin­der (6–14 Jah­re): 8,50€
Fami­lie: 23,00€

Öff­nungs­zei­ten
April: 9:30–17:30 Uhr

Mai-Sep­tem­ber:
9:30–19:30 Uhr
Okto­ber: 9:30–17:30 Uhr
Novem­ber-März:
9:30–16 Uhr

 
 Wir erstei­gen den Adler­horst. Ähn­lich wie bei der Reichs­tags­kup­pel in Ber­lin (kommt mir in den Sinn) führt ein Ser­pen­ti­nen­weg nach oben. Hier pfeift ein fri­scher Wind. Nach­dem wir die Kapu­zen noch über die Müt­zen gezo­gen haben, kön­nen wir die Aus­sicht genie­ßen. Es ist schon jetzt beein­dru­ckend. Wie herr­lich muss die­ser Blick erst im Som­mer sein. Es fängt zu nie­seln. Wir bege­ben uns auf den Rück­weg. Im Aus­steigs­turm bringt ein Fahr­stuhl die Besu­cher auf die Erde.   
  
Es ist eine Pau­se ange­sagt, zum Auf­wär­men und zum Stil­len des auf­kom­men­den Hun­gers. In dem haus­ei­ge­nen “Boom­hus Bis­tro” machen wir es uns bequem und essen zu Mit­tag.

Danach tre­ten wir die Heim­rei­se an. Gegen 18:30 Uhr sind wir wie­der zu Hau­se.

 

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