Peenemünde – Historisch-Technisches Museum

 

10. Februar 2019

Heute geht es zurück nach Berlin. Aber das hat noch Zeit. Bevor wir die Heimreise antreten, fahren wir noch einmal nach Peenemünde, um uns das Historisch-Technisches Museum anzuschauen. Der Weg dorthin ist uns gut bekannt, Parken um diese Jahreszeit kein Problem.

Das 1991 eröffnete Historisch-Technisches Museum befindet sich auf Teilen des Geländes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt, auf dem von Mitte der dreißiger bis Anfang der vierziger Jahre Raketen entwickelt und getestet wurden. Seit 2007 gehört das Historisch-Technisches Museum zur Europäischen Route der Industriekultur (ERIH).

Historisch-Technisches Museum

17449 Peenemünde
Im Kraftwerk

Öffnungszeiten
Okt.-März: 10-16 Uhr
Apr.-Sept.: 10-18 Uhr
Nov.-März: Mo
geschlossen

Eintritt
Erwachsene: 8,00€
Kinder: 5,00€

In der ehemaligen Bunkerwarte befinden sich die Kasse und ein Souvenirshop. Von dort aus gelangen wir auf das Museumsgelände. Die meisten Gebäude und Anlagen der Heeresversuchsanstalt wurden entweder durch Bombenangriffe zerstört oder nach Kriegsende abgerissen.

Zunächst zieht die im Freien ausgestellte Rakete unsere Aufmerksamkeit auf sich. Informationstafeln geben über die Art der ausgestellten Objekte und deren geschichtlichen Hintergrund Auskunft. Es handelt sich um eine 14 Meter hohe mit Originalteilen nachgebaute A4-Rakete (V2). 1942 gelang unter Leitung des Ingenieurs Wernher von Braun der erste Start einer Großrakete mit Flüssigkeitsantrieb unter der Bezeichnung Aggregat 4 ins Weltall. 84,5 Kilometer hoch flog die Rakete ins All. Aber nicht die friedliche Erforschung des Weltraumes war das Ziel. Diese Rakete wurde als so genannte Vergeltungswaffe (V2) von den Nazis im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und brachte tausenden Menschen den Tod.

 

Wernher von Braun
(1912-1977)

Technischer Leiter des Raketenprogrammsin der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Nach dem Krieg arrangierte er die Übergabe von 500 Wissenschaftlern und der Forschungsunterlagen an die US-Armee. In den USA setzte er seine Forschungen zur Raketenentwicklung fort.

Eine zweite so genannte Vergeltungswaffe (V1) ist in unmittelbarer Nachbarschaft aufgedockt: eine Fieseler FI 103. Gleich daneben kann man sich die katapultartige Startrampe ansehen, von der aus der erste militärisch eingesetzte Marschflugkörper abgeschossen wurde. Ein paar Schritte weiter steht ein Kurzzug der ehemaligen Peenemünder Werkbahn. Nicht von ungefähr fällt sofort die Ähnlichkeit mit Berliner S-Bahn-Zügen auf. Das hier 1936 zur Beförderung von Materialien und Personen angelegte elektrifizierte S-Bahn-System war nach Berlin und Hamburg das dritte seiner Art.

Werkbahn 

Linie 1: Karlshagen-Siedlung – Zinnowitz – Peenemünde-Dorf. 
Linie 2: Zinnowitz – Karlshagen-Siedlung – Werk Ost – Werk West. Linie 3: Zinnowitz – Karlshagen-Siedlung – Holzwerkstatt – Wasserwerk Süd – Fertigungshalle 1.

  

Es hat zu nieseln angefangen. Schnell laufen wir hinüber in das ehemalige Kraftwerk. Es ist in der Tat ein riesiges Gebäude, ein freibegehbares technisches Denkmal. Auf Schautafeln sind die noch erhaltenen technischen Anlagen erklärt. In der zweiten Etage befand sich der 1600 Quadratmeter große Turbinensaal, heute ein Ort für kulturelle Großveranstaltungen. 1200 Besucher finden hier Platz. Im Kesselhaus informiert eine Ausstellung über die Geschichte des Gebäudes. Gerne hätten wir den gläsernen Aufzug auf die Aussichtsplattform hoch oben auf dem Dach des Kraftwerkes genutzt. Aber um diese Jahreszeit war er außer Betrieb. Schade!
  

Nach einem Rundgang verlassen wir das Kraftwerk und begeben uns in den Schalthausanbau. Hier befindet sich auf mehreren Etagen eine Dauerausstellung über die Geschichte der deutschen Raketentechnik. Pfeile weisen den Weg. Es wird anhand von Bild- und Filmmaterialien dokumentiert, wer in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde arbeitete, unter welche Bedingungen die Menschen lebten und mit welchem technischen Aufwand die Rüstungsproduktion betrieben wurde. Originalteile und Modelle veranschaulichen die technische Entwicklungsarbeit. Immer wieder taucht die Frage nach der ethischen Verantwortung von Wissenschaftlern und Forschern auf. Das Museum versucht, die Ambivalenz der Raketentechnologie sichtbar zu machen, wie auch ein Bezug zu einem Zitat des Philosophen Immanuel Kant deutlich macht.

Immanuel Kant
Deutscher Philosoph
(1724-1804)

Zwei Dinge erfüllen
das Gemüt mit immer
neuer und zunehmender
Bewunderung und Ehrfurcht,
je öfter und anhaltender
sich das Nachdenken
damit beschäftigt:
Der gestirnte Himmel
über mir
und das moralische Gesetz
in mir.

  

Es ist heute wirklich kein einladendes Wetter. Grau in Grau und immer wieder Nieselregen. Schnell zurück zum Auto. Bevor es endgültig nach Berlin geht, machen wir einen Stopp in einer italienischen Gaststätte. „Stella del lago“ – Das war eine gute Wahl. Gesättigt und ausgeruht treten wir die Heimreise an.

 

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