Notre-Dame de Fourviere – Antikes Lugdunum

 

30. Mai 2019

Was für ein vielversprechender Tag! Die Sonne scheint und der Tag gehört mir. Ich mache mich nach dem Frühstück auf den Weg, Lyon näher kennenzulernen. Was gibt es in der drittgrößten Stadt Frankreichs zu entdecken?

Standseilbahn

Als erstes möchte ich auf den Berg Fourviere, wo sich hoch über der Stadt die ganz in Weiß erstrahlende neugotische Basilika Notre-Dame erhebt. Natürlich kann man diesen Weg zu Fuß erklimmen. Aber ich habe auf dem Stadtplan eine „dünne Linie“ entdeckt und als Seilbahn identifiziert. Eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg erscheint mir bei diesem schwül-heißem Wetter doch verlockender als ein gesunder Fußmarsch.

Mit der Tram T1 geht zur Station Guillotiere. Ich steige um in die fahrerlose (!) Metro-Linie D. Die zweite Station ist schon Vieux Lyon. Von hier aus startet die Kabinenbahn auf den Fourviere (= Altes Forum). Das klappt alles wie am Schnürchen und ich fühle mich unendlich gut und frei. Unglaublich, dass sich auf dieser Bergkuppe vor über 2000 Jahren das Zentrum einer römischen Stadt befand. Doch dazu später.

Obwohl noch früher Vormittag haben schon zahlreiche Besucher den Weg auf den Berg gefunden und besichtigen die Basilika und ihre Umgebung. Die Basilika Notre-Dame ist gewissermaßen ein Dankesgeschenk der Lyoner Bürger an die Jungfrau Maria. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 beteten sie zur Jungfrau und ersuchten sie um Schutz vor einer preußischen Besatzung. Und tatsächlich blieb Lyon davon verschont. Eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert ist ebenfalls eine Danksagung der Lyoner an die Mutter Gottes, die die Bürger vor der Pest bewahrt haben soll. Auf ihrer Turmspitze glänzt eine goldfarbene Marien-Statue.

Direkt daneben wurde die imposante neugotische, ganz in Weiß gehaltene Basilika mit vier eleganten Türmen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Seit 1998 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Innern verleihen die Höhe des Kirchenschiffes, schlanke Säulen und hohen Fenster, durch denen das Tageslicht einfällt, eine überraschende Leichtigkeit. Die Kirche ist mit Wand- und Deckenmalereien, Mosaiken und Statuen und Gemälden außerordentlich prunkvoll ausgestattet. Das ist bei einer katholischen Kirche keine Überraschung.


Mein Blick fällt auf einen stählernen Turm, der eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit mit dem Pariser Eifelturm aufweist. Sein Name „Kleiner Eiffelturm“ ist sofort nachvollziehbar. Die Ähnlichkeit ist sicher nicht zufällig, wurden doch beide Konstruktionen von Gustave Eiffel ausgeführt. Der Turm in Paris ist an die 3,5 Mal höher als sein kleiner Bruder in Lyon, der zunächst ein Aussichtsturm war und heute als Sendeturm dient.

Ich mache mich auf den Weg zu den antiken Ausgrabungsstätten, die sich am Hang des Fourviere befinden. Nach einem kurzen Spaziergang erreiche ich die Überreste der römischen Stadt Lugdunum, deren Zentrum das Trajan-Forum bildete. Im Freiluftteil des Museums Lugdunum sind ein 10.000 Plätze umfassendes antikes Theater, das Odeum für 3.000 Besucher (= kleineres rundes Theater für Musik- und Lyrikdarbietungen) und Reste von terrassenförmig angelegte Wohnanlagen und öffentlichen Gebäuden zu besichtigen. Das antike Theater sowie das Odeum werden offensichtlich wieder für Aufführungen genutzt.

In dem modernen Museumsbau sind zahlreiche antike Fundstücke ausgestellt: Statuen, Säulen, Sarkophage, Fußbodenmosaike, Alltagsgegenstände, Waffen und Schmuck aller Art aus jener Zeit. Es gibt Tempel- und Rennbahn-Modelle und zu allen Artefakten Erklärungen, die man sich mittel Hilfe eines Audio-Gerätes auch auf Deutsch anhören kann. Liebhaber antiker Geschichte kommen voll auf ihre Kosten. Hier verbringe ich relativ viel Zeit, ehe es mit der Seilbahn wieder abwärts nach Vieux-Lyon geht.


Restaurant

Unweit des Bahnhofs kehre ich in kleines Restaurant ein. Ein beschaulicher wie lebendiger Platz unter alten Bäumen. Und ein gutes Essen! Ich spaziere noch einmal durch Vieux-Lyon: Die Kathedrale St. Jean, das Miniatur-Museum, das Theater la Maison de Guignol, die vielen kleinen Läden mit ihren oft süßen und meist sehr bunten Angeboten – sicher auf die Touristenströme ausgerichtet, aber trotzdem einladend. Man braucht gute Nerven, um sich mit dem Strom oder gegen den Strom fortzubewegen. Am Ufer der Saône mache ich auf einer der vielen Bänke eine Pause, ehe ich in das Hotel zurückkehre. Am späten Nachmittag raffe ich mich auf, um auf Shopping-Tour zugehen. In der Nähe des Platzes Bellecour hatte ich schon einige interessante Geschäfte entdeckt. Aber letztlich bleibe ich ohne Kauf. Es bewahrheitet sich wieder: Das Unternehmen Shopping sollte man ausgeruht angehen.

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