Musée des Confluences – Musée de Tissus

 

31. Mai 2019

Noch ein Tag in Lyon zur freien Verfügung. Ich habe mir als erste Station das Museum Confluence (Musée des Confluences) ausgesucht. Mit der Tram T1 kann ich auf direktem Weg futuristisch aussehende Gebäude öffnet erst um 11 Uhr. Na so etwas! Was tun? Nur abwarten ist zu langweilig.

Shopping Center „Confluence“

So fahre ich mit der Tram eine Station zurück zum Einkaufs- und Freizeitzentrum Confluence, das ich auf der Hinfahrt gesehen hatte. Confluence – ein neues, modernes Viertel mit einem großzügigen Shopping-Areal, Fitness-Center und verschiedenen Restaurants und Cafés. Nach einem Rundgang nehme ich auf der Dachterrasse Platz und genieße eine Erfrischung. Dann geht es zurück zum Museum, meinem eigentlichen Ziel.

Das Museum wurde 2015 eröffnet, ist also nagelneu. Es befindet sich auf einer Halbinsel am Zusammenfluss von Rhône und Saône.

Musée des confluences

Schon das Gebäude zieht die Blicke auf sich. Eine abgefahrene Konstruktion aus Beton, Glas und Metall. Ein Faltblatt in deutscher Sprache hilft bei der Orientierung.

Musée des confluences
86 Quai Perrache, 69002 Lyon

 Öffnungszeiten
Di-Fr: 11-19 Uhr
Do: 11-22 Uhr
Sa-So: 10-19 Uhr

 Eintritt
Erwachsene: 9€
Kinder (unter 18 Jahre): Frei
Schüler, Studenten, Auszubildende (unter 26 Jahre): Frei

In vier Ausstellungshallen wird die Geschichte des Lebens und der Menschheit mit Artefakten, Modellen, Bildern, Filmsequenzen und Texten nachvollzogen und veranschaulicht. Jede Halle fokussiert auf ein Thema: „Endlichkeit“, „Evolution“, „Artenvielfalt“ und „Gesellschaftliche Entwicklung“. Alles sehr interessant. Hier kann man viel Zeit verbringen. Das kann ich bestätigen. In einer gutbesuchten Brasserie finde ich einen Platz für einen Imbiss.
Danach begebe ich mich auf die Dachterrasse. Was für ein Panorama: Die Stadt Lyon, ein Alpenzug mit (so höre ich) dem fast 5000 Meter hohen Mont Blanc. Von oben habe ich auch einen Blick auf einen weitläufig angelegten Garten mit Wanderwegen und Ruhezonen, der sich zu Füßen des Museums an den Ufern der beiden Flüsse erstreckt. Ein Ort des Wissens und des Erholens.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden. Ich habe noch viel vor: Das Seidenmuseum und den Parc de la Téte d‘ Or, von dem ich an allen Ecken und Enden nur Lobeshymnen höre. Mit der Tram T1 geht es zurück Richtung Zentrum bis zur Haltestelle Universität. Ich bin ganz stolz auf meine wachsenden Orientierungsfähigkeiten.

Flussbad an der Rhône

Ein Spaziergang über die Universitätsbrücke führt mich zum Musée de Tissus et des Arts Décoratifs. Während der Überquerung der Rhône habe ich einen exzellenten Blick auf ein wunderbares Flussbad, in dem sich dank des sommerlichen Wetters viele Badegäste tummeln.

Das Musée de Tissus et des Arts Décoratifs (Museum für Stoffe und dekorative Kunst) befindet sich in der 34 Rue de la Charité in zwei ehemaligen Hotels. Es ist nicht überlaufen. Der Eintritt kostet 10€. Die Besucher haben ein spezielles Interesse an Stoffen, insbesondere an Seidengeweben. Das merkt man schon im Museumsshop, wo sich auch die Kasse befindet. Die ausgestellten Seidentücher werden von vielen betrachtet, befühlt und ihre Qualität diskutiert.

Aber auch Technikinteressierte kommen auf ihre Kosten. Sie können einen Jacquard-Webstuhl ins Auge nehmen. Der Seidenweber Joseph-Marie Jacquard (1752-1834) hatte die zu seiner Zeit eingesetzten Webstühle durch eine Lochkartensteuerung weiterentwickelt.

Jacques-Webstuhl

Die Lochkarte enthielt Informationen über das zu webende Muster. Sie wurden mit einer Nadel abgetastet: Ein Loch = Fadenhebung; kein Loch = Fadensenkung. Damit waren Jacquard-Webstühle die ersten digitalen Maschinen. Dadurch, dass die Lochkarten immer wieder eingesetzt werden konnten, leitete seine Erfindung auch die Automatisierungsstrategie in der industriellen Produktion ein. Wer kennt nicht Jacquard-Muster? Die von Jacquard entwickelte Bindungstechnik erlaubte die Herstellung von komplexen, großen Mustern. Typische Jacquard-Gewebe sind Brokat und Damast. Im Museum sind sie in repräsentativen Kleidungstücken, Tüchern, Teppichen und Tapisserien zu sehen. Wahre Kunstwerke.

Nach dem Museumsbesuch kehre ich zur Haltestelle Universität zurück, überquere also wieder die Rhône mit einem etwas neidischen Blick auf das muntere Treiben im Flussbad. Wie herrlich, bei dieser Hitze in einem Bad sein zu können. Nun gut, das war nicht eingeplant. Mit der Tram T1 fahre ich bis Charpennes Charles Hernu, steige dort um in den Bus C2, nachdem ich nach längerem Suchen die Bushaltestelle entdeckt habe. Den Bus verlasse ich an der Haltstelle Stalingrad. In der Tat, so heißt die Haltestelle wirklich! Sie liegt auf dem Boulevard Stalingrad.

Nun sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Parc de la Téte d‘ Or (Park des goldenen Kopfes). Es soll mit 117 Hektar der größte Stadtpark Frankreichs sein. Na, wenn das keine Visitenkarte ist! Am Eingang informiert eine Tafel über die Parkgeschichte: Der Park wurde in einem Überschwemmungsgebiet der Rhone durch die Schweizer Landschaftsarchitekten Denis und Eugène Bühler angelegt. Seinen doch etwas ungewöhnlichen Namen verdankt er einer Legende, nach der auf dieser Domäne ein goldener Christus-Kopf in einer Schatztruhe gefunden wurde. 1857 fand die Eröffnung des Parks statt. Hier ist den Landschaftsgärtnern wirklich etwas Beeindruckendes gelungen:

Rundfahrt mit der Mini-Bahn

Freie Rasenflächen, Baum-und Strauchbestand, Blumen aller Art, drei Rosengärten, viele verschlungene Wege zum Schlendern oder Vierrad-Fahren, schattige Plätze, Orte für Sonnenhungrige, Flächen zum Spielen. In der Mitte ein künstlich angelegter 16 Hektar großer See, auf dem man Boot fahren kann. Auch der Lyoner Zoo und der Botanische Garten befinden sich in diesem Park und sind kostenlos zugänglich. Gerade hält eine Mini-Bahn. Das ist genau das Richtige, um den Park zu erkunden. Ich steige ein. Schnell füllen sich die kleinen Waggons. Der Fahrer sammelt von jedem Fahrgast 5€ ein und ab geht die Reise durch den Park. So bekomme ich einen prima Überblick und schone meine Beine, die heute schon Erhebliches geleistet haben.

Gegen 18 Uhr trete ich auf der bekannten Route die Rückfahrt zu meinem Hotel an. Wenn man eine Strecke kennt, kommt sie einem auch gleich etwas kürzer vor. Noch ein Zwischenstopp, um bei Lidl Proviant für die morgige Heimreise nach Berlin zu fassen. Um 9:30 werde ich Marthe auf dem Gare Part-Dieu treffen. Fanny wird sie hinbringen. Um 10 Uhr startet unser TGV nach Frankfurt. Dort steigen wir in einen ICE nach Berlin um. Dieses Mal wird wohl alles klappen – hoffe ich.

 

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