Mezquita von Cordoba

 

20. März 2018

Heu­te unter­neh­men wir einen Aus­flug nach Cor­do­ba. Das Rei­se­ziel ist nicht zufäl­lig gewählt: Cor­do­ba, auch eine anda­lu­si­sche Metro­po­le, ist für einen Tages­aus­flug von Sevil­la aus nicht all­zu weit ent­fernt. Es gibt eine gute Bahn­ver­bin­dung und wir wol­len die berühm­te Mez­qui­ta besich­ti­gen.

Mit dem 32er Bus fah­ren wir nach dem Früh­stück zum Bahn­hof. Es ist wirk­lich erstaun­lich, wie schnell man sich in einer frem­den Stadt nach ein paar Tagen schon zurecht­fin­det.

Bevor wir auf den Bahn­steig gelan­gen, müs­sen wir durch die Sicher­heits­kon­trol­le. Die­se läuft wie auf einem Flug­ha­fen ab: Fahr­kar­ten vor­zei­gen, Gepäck, Jacke, Gür­tel, Han­dy usw. wer­den auf das Lauf­band gelegt und gescannt, die Pas­sa­gie­re durch­schrei­ten einen Metall­de­tek­tor und wer­den zum Teil noch mit einem Hand­de­tek­tor über­prüft. Man­che müs­sen sogar die Schu­he aus­zie­hen. Alles ver­läuft rei­bungs­los und zügig. Jetzt heißt es noch das rich­ti­ge Abteil mit den aus­ge­wie­se­nen Sitz­plät­zen fin­den.: Wagen 9, Plät­ze 3c und 3d. Um 11:45 setzt sich der moder­ne Zug in Rich­tung Cor­do­ba in Bewe­gung. Eine Schaff­ne­rin kommt durch den Zug, nicht um die Fahr­kar­ten zu kon­trol­lie­ren (das ist ja bereits gesche­hen), son­dern um kos­ten­lo­se Kopf­hö­rer für den in den Arm­leh­nen inte­grier­ten Radio­an­schluss anzu­bie­ten.

Nach einer knap­pen Stun­de errei­chen wir Cor­do­ba. Wir wis­sen wohin wir wol­len, haben aber noch nicht die gerings­te Pei­lung, wie wir zu unse­rem Ziel gelan­gen. Vor dem Bahn­hof befin­den sich meh­re­re Bus­stei­ge. Wäh­rend wir noch die Fahr­plä­ne stu­die­ren, wer­den wir ange­spro­chen: Mez­qui­ta? Ja, das ver­ste­hen wir und nicken sogleich mit dem Kopf. Der freund­li­che Mann weist in eine ent­fern­te Bus­hal­te­stel­le. Mez­qui­ta, Bus 3. Letz­te­res zeigt er mit drei Fin­gern an. Wie ein­fach doch die Ver­stän­di­gung sein kann.

Der Bus lässt nicht lan­ge auf sich war­ten. Nach zehn Minu­ten Fahrt durch die Alt­stadt müs­sen wir schon wie­der aus­stei­gen (auch hel­fen uns Spa­ni­er freund­lich wei­ter) und zu Fuß wei­ter. Es geht eine gan­ze Wei­le durch enge Gas­sen, links her­um, rechts her­um und gera­de­aus, noch ein­mal um eine Ecke usw. Dann haben wir die Mez­qui­ta erreicht.

Wir ste­hen direkt an der anti­ken römi­schen Brü­cke (Puen­te Roma­no), die über den Gua­dal­qui­vir führt. Der Brü­cken­zu­gang erfolgt auf jeder Sei­te durch ein reprä­sen­ta­ti­ves Tor. Das wol­len wir erst ein­mal näher anschau­en. Der Fluss hat eine hohe Fließ­ge­schwin­dig­keit und reißt offen­sicht­lich viel leh­mi­ges Erd­reich mit sich, denn das Was­ser kommt als gel­be Brü­he daher. Direkt am Ufer befin­det sich ein moder­nes Besu­cher­zen­trum mit einer Aus­stel­lung über anti­ke Fun­de – und Toi­let­ten.

Jetzt geht zum Ein­gang der Moschee-Kathe­dra­le, die seit 1984 zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be zählt. Die­ser Gebäu­de­kom­plex setzt den Besu­cher schon vor dem Betre­ten des Denk­mals durch sei­ne unglaub­li­chen Aus­ma­ße in Erstau­nen: 179 Meter lang und 134 Meter breit. Wir gelan­gen durch einen der seit­li­chen Ein­gän­ge direkt in den Oran­gen­hof. Die Oran­gen­bäu­me sind als Fort­füh­rung der Säu­len des Gebets­saa­les ange­ord­net. Gegen­über dem Ein­gang in das Got­tes­haus erhebt sich ein impo­san­ter Glo­cken­turm (umbau­tes ehe­ma­li­ges Mina­rett). Gleich dane­ben sind die Kas­sen. Der Ein­tritt kos­tet pro Per­son 10€. Eine Ermä­ßi­gung für Senio­ren wird nicht ange­bo­ten.

 

Glo­cken­turm im Oran­gen­hof

 

Als ers­tes betritt man die Grün­dungs­mo­schee, die durch mau­ri­sche Herr­scher vier­mal erwei­tert wur­de. Nach Rück­erobe­rung Cor­do­bas durch christ­li­che Hee­re im Jah­re 1236 wur­den in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten katho­li­sche Kapel­len und eine goti­sche Kathe­dra­le in die Gebets­hal­le ein­ge­fügt. Dazu wur­de ein Teil der Säu­len ent­fernt. Die 856 Säu­len sind durch huf­ei­sen­för­mi­ge Dop­pel­bö­gen mit­ein­an­der ver­bun­den. Sie ver­lei­hen dem Raum eine ganz unge­wöhn­lich Anmut und Trans­pa­renz, die den Ein­druck von Unend­lich­keit ent­ste­hen las­sen.

 

Nach gut zwei Stun­den ver­las­sen wir die Mez­qui­ta. Deren Besich­ti­gung, da sind wir uns einig, ist ein wahr­lich beein­dru­cken­des Erleb­nis. Ent­lang am Ufer des Gua­dal­qui­vir lau­fen wir zur nächs­ten Bus­hal­te­stel­le. Plötz­lich fängt es an zu reg­nen und zu stür­men. Wie im April. Aber da kommt auch schon der Bus Nr. 3, der uns in das Stadt­zen­trum bringt. Als wir am Vik­to­ria-Park aus­stei­gen, hat sich das Wet­ter schon wie­der beru­higt. Jetzt, schon etwas hung­rig, sind wir auf der Suche nach einer Gast­stät­te. Das dau­ert eine Wei­le, denn vie­le öff­nen erst zu spä­te­rer Stun­de ihre Pfor­ten. Aber schließ­lich wer­den fün­dig. Wäh­rend ich mit einem Nudel­ge­richt ganz zufrie­den bin, kann Lot­ti ihrem Essen gar nichts abge­win­nen.

Nach der Pau­se haben wir noch Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Also unter­neh­men wir einen Spa­zier­gang durch die (jün­ge­re?) Alt­stadt.
Wir sto­ßen gleich neben dem Rat­haus auf eine Aus­gra­bungs­stät­te eines anti­ken römi­schen Tem­pels, des­sen Säu­len hoch in den Him­mel ragen. Von dort machen wir einen Abste­cher zum Pla­za de la Cor­re­de­ra (Cor­re­de­ra-Platz). Das ist schon etwas Beson­de­res. Ein mit 133 Meter Län­ge und 55 Meter Brei­te außer­or­dent­lich groß­zü­gig ange­leg­ter recht­ecki­ger Platz, der durch ein Ensem­ble von Arka­den­häu­sern umschlos­sen wird. Hier sol­len auch ein­mal Stier­kämp­fe satt­ge­fun­den haben. Na ja, das muss nicht sein. Jetzt laden klei­ne Läden, Cafés und Gast­stät­ten zum Ver­wei­len ein. Es gibt auch eine Markt­hal­le, aber die­se wird wohl kaum noch oder nur zeit­wei­lig genutzt.

 

Römi­scher Tem­pel

Cor­re­de­ra-Platz

 

Inzwi­schen scheint wie­der die Son­ne. Wir las­sen uns trei­ben. Hie und da blei­ben wir ste­hen. Unser Gespräch wird von einem Mann gehört, der uns auf Deutsch anspricht. Er macht uns auf den Pala­cio Via­na (Via­na-Palast) auf­merk­sam. Das müss­ten wir unbe­dingt gese­hen haben. War­um nicht. Noch haben wir Zeit und der Palast ist nicht weit von uns ent­fernt. Mit der Hil­fe des Stadt­plans haben wir ihn auch bald erreicht. Der Ein­tritt kos­tet 5€. Die­sen Abste­cher bereut man auf kei­nen Fall: Gar­ten an Gar­ten. Einer beein­dru­cken­der als der ande­re. Zwölf Gär­ten ver­mit­teln einen Ein­druck von Cor­do­bas Gar­ten­kul­tur aus fünf Jahr­hun­der­ten. Aber auch die his­to­ri­schen Gebäu­de sind sehens­wert.

 

Aber nun ist es Zeit. Wir machen uns auf den Weg zum Bahn­hof. Dabei durch­que­ren wir den Paseo de Cor­do­ba, eine lang­ge­streck­te Pro­me­na­de, die direkt zum Bahn­hof führt. Was­ser­spie­le, Grün­an­la­gen, Spiel- und Sport­plät­ze – ein rie­si­ger Frei­zeit­platz. Alles sehr schön, doch wir müs­sen wei­ter.

Am Bahn­hof das glei­che Kon­troll­pro­ze­de­re wie in Sevil­la. Dann ab in den Wagen 2 auf die Plät­ze 9a und 9b (Ohne Platz­kar­ten kann man gar nicht fah­ren. Sie sind im Ticket inte­griert). Pünkt­lich um 19:30 geht es zurück nach Sevil­la. Ein Blick auf das Ticket zeigt, dass wir jetzt bedeu­tend bil­li­ger fah­ren. Hin­zu mit AVE waren es pro Per­son 25,65€, die Rück­fahrt mit Avant kos­tet  6,65€. Inter­es­sant, aber fol­gen­los. Aus dem fah­ren­den Zug beob­ach­ten wir einen herr­li­chen Son­nen­un­ter­gang. Was für Far­ben!

Sevil­la hat uns wie­der. Der 32er Bus bringt uns zum Hotel. Abend­essen in einer nahe gele­ge­nen Gast­stät­te (um die­se Zeit ist das gar kein Pro­blem), Hotel­rech­nung beglei­chen, Kof­fer bzw. Ruck­sack packen. Gute Nacht!

 

 

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