Metropol Parasol und Alcázar-Palast von Sevilla

 

19. März 2018

Heu­te soll es end­lich so weit sein: Wir wol­len den Alcá­zar-Palast, den Königs­pa­last, besich­ti­gen. Auf dem Weg dort­hin machen wir einen klei­nen Schlen­ker zum Metro­pol Para­sol am Pla­za de la Encar­na­ti­on (Platz der Encar­na­ti­on). Das ist ja ein unglaub­lich rie­si­ges Gebil­de aus Holz (was man auf den ers­ten Blick gar nicht sieht), das sich über den gesam­ten, nicht gera­de klei­nen Platz erstreckt.

In einer Höhe von 26 Metern, auf der drit­ten Eta­ge, hat man einen guten Über­blick über die Stadt. In der mitt­le­ren Eta­ge befin­det sich eine mehr oder weni­ger aus­ge­las­te­te Markt­hal­le.

Unter der Erde ist mit dem Anti­qua­ri­um eine archäo­lo­gi­sche Aus­stel­lung unter­ge­bracht, in der Fun­de aus der Römer- und Mau­ren­zeit gezeigt wer­den, auf die man bei den Bau­ar­bei­ten bei der Umge­stal­tung des Plat­zes gesto­ßen ist. Irgend­wie passt das Gan­ze aus mei­ner Sicht nicht so recht in die alt­städ­ti­sche Umge­bung mit ihren mit­tel­al­ter­li­chen Gas­sen. Es wirkt wie ein archi­tek­to­ni­scher Fremd­kör­per, aber Geschmack ist ja bekannt­lich ver­schie­den. Im Som­mer ist der Metro­pol Para­sol ganz gewiss ein vor­treff­li­cher Schat­ten­spen­der. Und die Bli­cke zieht er zu jeder Jah­res­zeit an.

Metro­pol Para­sol

Die Kon­struk­ti­on wur­de 2005 von dem Ber­li­ner Archi­tek­ten Jür­gen May­er-Her­mann ent­wor­fen, der damit in sechs­jäh­ri­ger Bau­zeit eine der der­zeit höchs­ten Holz­kon­struk­tio­nen der Welt schuf. Sechs inein­an­der ver­schach­tel­te schirm-, waben- und pilz­för­mi­ge Struk­tu­ren aus Ker­to, einem Fur­nier­schicht­holz, sind zu einem impo­san­ten 50 Meter lan­gen und 75 Meter brei­ten Gesamt­kunst­werk zusam­men gefügt.

Wir schlen­dern durch  beleb­te Gas­sen, die kein Ende neh­men wol­len. Ab und zu eine Gast­stät­te oder ein Imbiss. Ansons­ten links wie rechts klei­ne Läden, einer nach dem ande­ren: Süß­wa­ren, Schu­he, Schmuck, Stof­fe, Spiel­zeug, Back­wa­ren, Mode aller Art, Kurz­wa­ren usw. Ich den­ke an Deutsch­land und das Pro­blem des Ladenster­bens in den Innen­städ­ten, wenn am Stadt­rand gro­ße Shop­ping Cen­ter ent­ste­hen. Sevil­la hat auch ein gro­ßes Kauf­haus und trotz­dem eine unglaub­li­che Laden­dich­te in der Alt­stadt. Wie geht das?

Löwen­tor


Vor dem Real Alcá­zar, dem mit­tel­al­ter­li­chen Königs­pa­last von Sevil­la, tref­fen auf eine Schlan­ge von War­ten­den. Das ist kei­ne Über­ra­schung, es geht aber rela­tiv zügig vor­an. Es ist eine schon von außen beein­dru­cken­de Fes­tungs­an­la­ge mit einem im Inne­ren lie­gen­den Gebäu­de- und Gar­ten­kom­plex. Nach 20 Minu­ten ste­hen wir vor der Kas­se. Ein Ticket für einen Erwach­se­nen kos­tet 11,50€, wir zah­len als Senio­ren nur 3€ pro Per­son. Na das nen­ne ich mal eine Ermä­ßi­gung.

Jetzt ste­hen wir im Patio del Leon vor dem Pala­cio Góti­co mit einer über tau­send­jäh­ri­gen, von unter­schied­li­chen Kul­tu­ren durch­web­ten Geschich­te. Einst­mals als mau­ri­scher Palast erbaut, wur­de er durch die jewei­li­gen Herr­scher ent­spre­chend umge­stal­tet. Trotz­dem ist der isla­mi­sche Ursprung an vie­len Stel­len noch deut­lich erkenn­bar. Gut zwei Stun­den wan­dern wir durch die ver­schie­de­nen Räu­me, bewun­dern die kunst­vol­len mosa­ik­ar­ti­gen Flie­sen­ar­bei­ten, die über­di­men­sio­na­len, unglaub­lich anmu­ten­den Tapis­se­ri­en (Bild­tep­pi­che). Wer kann so etwas Schö­nes her­stel­len?

 

 

 

 

 

Wand­flie­sen

Tapis­se­rie

 

 

  
An die domi­nie­ren­den Pala­cio Góti­co und Pala­cio Mudéjar schließt eine weit­läu­fi­ge Gar­ten­an­la­ge an. Die Ver­bin­dung von Bau­werk und Gar­ten und Was­ser: Teich, Spring­brun­nen, Was­ser­läu­fe, Grot­te ist schon beein­dru­ckend. Die Son­ne lugt her­vor. Gera­de zur rech­ten Zeit, um die Gar­ten­an­la­ge in Augen­schein zu neh­men und zu genie­ßen. Noch befin­den sich die meis­ten Pflan­zen im „Win­ter­schlaf“. Noch hat die Früh­lings­son­ne sie nicht wach­ge­küsst. Trotz­dem scheint durch das domi­nie­ren­de Grün der Bäu­me, Sträu­cher und Stau­den und durch die unzäh­li­gen, mit Früch­ten behan­ge­nen Oran­gen- und Zitrus­bäu­me alles sehr leben­dig. 
  

Als Füße und Magen sich mel­den, fin­den wir in einem klei­nen Café Platz. Das ist der Vor­teil der Vor­sai­son. Wäh­rend wir Kaf­fee und Aus­blick auf den Oran­gen­baum­wald genie­ßen, spa­ziert stolz erho­be­nen Haup­tes ein präch­ti­ger Pfau auf und ab. Vie­le grei­fen zur Kame­ra, sicher auch in der Hoff­nung, dass er sein Gefie­der sprei­zen und ein Rad schla­gen wür­de. Die­sen Gefal­len tut er uns lei­der nicht, obwohl wie aus dem Nichts plötz­lich sechs Pfau­en­hen­nen auf­tau­chen und vor­bei­mar­schie­ren.

Wir ver­las­sen den Alcá­zar durch den Patio de Ban­de­ras. Die ihn umge­be­nen Mau­ern stam­men noch aus der isla­mi­schen Epo­che und mit­ten­drin wie­der vie­le Oran­gen­bäu­me. Wir haben auch mal eine der Früch­te pro­biert: Sehr, sehr sau­er. Wahr­schein­lich doch nur Zier­de.  

Estación de San­ta Jus­ta

Nun wol­len wir zum Bahn­hof, um Fahr­kar­ten für die mor­gi­ge Fahrt nach Cor­do­ba zu kau­fen. Natür­lich könn­te man mit einem Bus dort­hin fah­ren. Wenn man sich schon zu Lau­fen ent­schlos­sen hat, könn­te man sich an den Haupt­stra­ßen ori­en­tie­ren. Wie gesagt, könn­te man, muss man aber nicht – den­ken wir. Mit dem Stadt­plan vor der Nase machen wir uns auf den Weg zum Bahn­hof durch die engen Gas­sen, an denen wir gro­ßen Gefal­len gefun­den haben. Nun, das war zwei­fels­oh­ne eine etwas wage­mu­ti­ge Ent­schei­dung, zumal die tou­ris­ti­schen Stadt­plä­ne wohl auch nicht die genau­es­ten sind. Jeden­falls lau­fen wir und lau­fen und lau­fen. Irgend­wann sehen wir den Metro­pol Para­sol. Spä­tes­tens da ist klar, dass wir die fal­sche Rich­tung ein­ge­schla­gen haben. Jetzt fängt es auch noch zu nie­seln an. Also doch mit dem Bus zum Bahn­hof. Dort kau­fen wir die Fahr­kar­ten für die Hin- und Rück­fahrt nach Cor­do­ba mit dem Schnell­zug AVE bzw. AVANT. Das Ticket kos­tet 42€.

Zurück im Hotel ist erst ein­mal Pau­se ange­sagt. Zum Abend­essen gehen wir in eine der vie­len Gast­stät­ten am Her­ku­les­platz.

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