Malmö

 

10. – 12. August 2019

Es ist Sonnabendnachmittag. Wir unternehmen einen ersten Erkundungsgang durch Malmö. Unser Hotel liegt direkt am Gustav-Adolf-Platz. Wir sind also gleich mittendrin im Geschehen. Der Platz ist voll mit Ständen und Buden, in denen Essen und die verschiedensten Sachen angeboten werden. Menschenmassen bewegen sich durch die schmalen Gänge. Man kann sich nur treiben lassen. Was ist hier nur los? Bald wird es klar: Wir sind mitten in dem jährlichen Kulturfestival, das dieses Jahr vom 9. bis zum 16. August stattfindet. Es scheint, ganz Malmö ist auf den Beinen. Na prima! Hier geht die Post ab! Auf einer Bühne treffen Musiker ihre letzten Vorbereitungen.

Als wir den Kanal erreichen, fängt es an zu nieseln. Höchste Zeit ein Restaurant aufzusuchen. Davon gibt es jede Menge und alle sind gut besucht. Wir finden in einem spanischen Tapas-Restaurant einen Platz und bestellen Tapas, Bier und Wasser. Ein 0,33l Bier kostet 6,90€, die Flasche Wasser 4€.

Der Regen hat aufgehört. Die Sonne scheint. So wandern wir noch ein ganzen Stück durch die Altstadt – immer der Nase nach bzw. den Ohren, denn von überall erklingt Musik. Auf einer Brücke hat sich ein Künstler mit einer „Schuhkollektion“ verwirklicht. Abgefahrene Idee!

Am Großen Markt (Stortorget) steppt der Bär. Die Menschen stehen dicht gedrängt und bewegen sich im Rhythmus der Musik. Auf einer Mega-Bühne läuft eine Band zur Hochform auf. Das ist ansteckend, obwohl wir keine Text verstehen. Nach einer Weile bummeln wir weiter und kommen zur Petri-Kirche (S:t Petri kyrka), einem sehr dominanten Gebäude im Stile der Backsteingotik aus dem 14. Jahrhundert. Eine evangelisch-lutherische Kirche mit den Aposteln Petrus und Paulus als Schutzheilige. Die Kirche ist offen und wir werfen einen Blick in das Kirchenschiff.

Zurück im Hotel verkosten wir bei einem Glas Wein noch den von Lotti fürsorglich mitgebrachten Käse. Käse schließt den Magen, heißt es doch so schön. Na dann Gute Nacht!

Ein schöner Sonntagmorgen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in das Kunstmuseum (Moderna Museet), das nur ca. 300 Meter von unserem Hotel entfernt ist. Einfach die Stora Nygatan entlang bummeln und schon steht man vor dem repräsentativen Gebäudekomplex eines ehemaligen Elektrizitätswerkes. Die historischen Backsteinbauten in der typischen Industriearchitektur der damaligen Zeit wurden umgebaut und ihrer neuen Funktion angepasst. So wurde aus der Turbinenhalle ein großer Ausstellungsraum. Ein moderner Würfelbau mit einer rot lackierten Stahlblechfassade fügt sich in den alten Gebäudekomplex ein.

Das Museum für Zeitgenössische Kunst wurde erst 2009 eröffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Wir schauen uns um: Sofort fallen die von Andy Warhol (1928-1987) entworfenen LP-Covers, die fast eine der Längswände bedecken, auf; darunter die für Porgy and Bess von Georg Gershwin, Sticky Fingers, Love You Life und Emotional Tattoo von den Rolling Stones, The Painter von Paul Anka, Live at Carnegie Hall von Liza Minnelli, Menlove Ave von John Lennon.

Marilyn Diptychon von Andy Warhol

Als ein weiteres Kunstwerk von Andy Warhol werden Versionen von Brillo-Kisten
präsentiert. Ob Kunst oder nicht – das ist hier die Frage.
Natürlich darf das wohl berühmteste Werk seiner Pop Art nicht fehlen: Ausgehend von einem Werbefoto aus dem Jahr 1953 erschuf er mit Hilfe des Siebdrucks vielfältige Varianten des Porträts von Marilyn Monroe, das Marilyn Diptychon (Original in der Londoner Tate-Gallery).

Neben den Warhol-Präsentationen gibt es eine Themenausstellung: „Blue Is The Color Of Your Eyes“, die vom 2. Februar 2019 bis zum 26. Januar 2020 stattfindet, also in die Zeit unseres Besuches fällt. Experimentelle Kunst mit Materialien und Farben internationaler Künstler sind zu sehen. Hier ist wahrlich Phantasie gefragt. Einen größeren Zugang finden wir zu den Werken des schwedischen Bildhauers Johan Röing (*1958), die in diesem Sommer hier gezeigt werden: 20 Skulpturen, vorwiegend aus Holz, teilweise auch aus Metall gearbeitet.

Nach einer guten Stunde verlassen wir die Kunststätte. Ein Spaziergang durch die Altstadt – einfach der Nase nach bis zum Gustav-Adolf-Platz, weiter durch eine belebte Fußgänger-Zone mit viele Geschäften, Restaurants und Cafés zum Triangeln Brunnen. Hier ein Schwenk nach rechts, vorbei an der Oper in die Fersens Väg (Fersen Straße). Hinter der Stadtbibliothek erstreckt sich Malmöhus, eine wunderschön angelegte Parklandschaft mit einem Teich und durchzogen von Kanälen. In einer der Parkgaststätten machen wir Rast und lassen es uns gut gehen.

Nach dieser Pause spazieren wir quer durch den Park auf die alte Burganlage Malmöhus zu. Hier sind das Kunstmuseum Malmö und das Stadtmuseum untergebracht. Aber die sind gar nicht unser Ziel. Wir möchten in das gegenüberliegende Technikmuseum. Doch dieses ist wegen Restaurierungs- und Umbauarbeiten leider geschlossen. So wenden wir uns den Burgmuseen zu, die u.a. eine archäologisch-historische und naturkundliche Abteilung mit Aquarium haben. Außergewöhnlich finde ich das Modell eines Goldklumpens. Ein riesiger Goldklumpen, der 1862 in Australien entdeckt wurde. Mit 72 Kilogramm und einem Goldgehalt von 98,61% soll es um den größten jemals gefundenen Goldklumpen der Welt handeln. Wau!

Wir sind spät dran. Um 17 Uhr wird das Museum geschlossen. Ein Museumsbesuch im Schnelldurchgang.

Das schöne Wetter lockt zu weiteren Erkundungen. Lotti zieht es zum Turning Torso. Das ist ein 190 Meter hohes, in sich spiralförmig gedrehtes Hochhaus mit 54 Etagen. Dieses ungewöhnliche Gebäude avancierte zum Wahrzeichen von Västra Hamnen (Westhafen), dem neuen Stadtteil von Malmö.

Turning Torso

Als Hochhaus ist Turning Torso schon von weitem sichtbar. Wir können es nicht verfehlen. Aber der Weg zieht sich. Schließlich erreichen wir Ribersborgs Stranden, ein Parkgelände direkt an der Ostsee, von wo wir einen ausgezeichneten Blick auf dieses verdrehte Gebäude haben. Von hier aus ist sogar ganz in der Ferne die fast 8 Kilometer lange Öresundbrücke, die Malmö mit Kopenhagen verbindet, zu sehen. Ein toller Ausblick.

Wir überlegen kurz, ob wir für den Rückweg den Bus nehmen sollen. Die Neugier siegt: Wir entscheiden uns für einen Fußweg durch das neugestaltete Gelände der alten Werft, Västra Hamnen. Neben Wohnhäusern und Büroeinheiten ist auch eine Reihe von Universitätsgebäuden zu entdecken. Alles modern! Alles schick! Ich will nicht verhehlen, die Beine sind schon etwas schwer, als wir uns in Richtung Altstadt (Gamla Staden) aufmachen.

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