Kloster Chorin – Musiksommer

 

21. Juli 2019: Kloster Chorin, Amt Chorin 11a, 16230 Chorin

Ein wunderbarer, sonniger Sonntag. Ich habe mich mit Bruder Luc und Schwägerin Margret verabredet. Margret hatte die Idee, einen Ausflug zum Kloster Chorin zu machen. Dort war ich schon seit Jahren nicht mehr. Zurzeit findet dort der jährliche Musiksommer statt. Ein Blick ins Internet zeigt, am Sonntag steht ein Konzert des Mendelsohn Kammerorchesters Leipzig mit der Pianistin Ragna Schirmer auf dem Programm. Im Mittelpunkt steht ein Klavierkonzert a-Moll op. 7 von Clara Schumann, das diese bereits mit 15 Jahren komponiert hatte, und das mit Kadenzen von Clara Schumann versehene Klavierkonzert Nr. 4 op. 58 von Ludwig van Beethoven. Ragna Schirmer gehört zu den bekanntesten Interpreten der Werke von Clara Schumann. Mit diesem Konzert ehrt sie die Komponistin anlässlich ihres 200. Geburtstages.

Kloster Chorin liegt nördlich von Berlin nahe der Stadt Eberswalde im Biosphärenreservat Schorfheide. Wir haben uns dort auf dem Parkplatz um 13 Uhr verabredet. Ich benötige für die Anfahrt ca. eine Stunde. Das Navi führt mich durch Eberswalde. Die Stadt will kein Ende nehmen. Ob das die beste Route ist? Als ich auf den Parkplatz rolle, treffe ich Luc und Margret. Na das hat ja schon mal geklappt. Aber man sollte sich nicht zu früh freuen.

„Alte Klosterschänke“

Während ich schon zu Hause Mittag gegessen hatte, wollen die beiden gemütlich in einer Gaststätte zu Mittag essen. So machen wir uns auf den Weg zur Alten Klosterschänke. Doch nichts mit Essen und Gemütlichkeit. Unfreundlich werden wir aus der Gaststätte komplimentiert. Nach dieser Abfuhr begeben sich Luc und Margret auf die Suche nach einer anderen Gaststätte. Ich mache mich auf den Weg. mir die Klosteranlage anzusehen.

Kloster Chorin ist eine ehemalige Zisterzienserabtei, die Mitte des 13. Jahrhunderts im backsteingotischen Stil errichtet wurde. 300 Jahre später wurde das Kloster im Zuge der Reformation säkularisiert. Danach war die Anlage dem Verfall preisgegeben. Erst am Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich der Oberlandesbaudirektor und Architekt des preußischen Königs Karl Friedrich Schinkel für die Erhaltung und Sicherung der Ruine als ein herausragendes mittelalterliches Baudenkmal ein. Als Generalgartendirektor der königlich-preußischen Gärten rekonstruierte Peter Joseph Linné das gärtnerische Umfeld der Klosteranlage.

Heute ist Kloster Chorin eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit im Land Brandenburg. Vor der heutigen Klostermauer ist die Ruine der Klostermühle zu besichtigen. Im Mittelalter lag die Wassermühle auf dem Klostergelände. Die Mönche haben ein Grabensystem geschaffen, um die notwendige Wasserkraft zum Betreiben der Mühle zu erzeugen. Was gibt es noch zu entdecken? Unweit der Mühle das ehemalige Brauhaus, weiterhin das Pfortenhaus, das imposante Kirchenschiff, angrenzend der so genannte Fürstensaal, eine Kapelle, westlicher und östlicher Teil des Kreuzganges, eine Bibliothek, verschiedene Lagerräume, …

Zisterzienser Orden

Gegründet um 1100 als reformierter Ableger des Benediktiner Ordens ist der erste zentralistisch geführte Orden. Er setzte sich aus Chormönchen und Laienbrüder zusammen. Sie folgen dem Leitbild: Beten, Lesen, Arbeiten. Weitere Zisterzienserklöster im Umfeld von Chorin sind (waren) in Lehnin, Doberan und Pforta.

Für die Kleidung gibt es feste Regeln. Über einem Untergewand (Tunika) trägt man eine ärmellose Arbeitsschürze (Skapulier) mit Ledergürtel oder das Chorgewand (Kukulle) aus Schafwolle; Beinlinge aus Wolle und Schuhe aus Ziegen- oder Rindsleder.

Mönchgewand

Eine Ausstellung im ehemaligen Brauhaus informiert über das denkmalpflegerische Engagement von Karl Friedrich Schinkel zur Erhaltung der Bausubstanz. Eine zweite Ausstellung gibt Einblicke in das Leben der Mönche und die mittelalterliche Klosterwirtschaft.

Ausstellung „Schinkel und Kloster Chorin“

Die Veranstaltungen im Musiksommer sind meist ausverkauft. So auch heute. Das betrifft die Sitzplätze in der Kirche, deren Seite zum Innenhof offen ist. Deshalb kann man auf dem Rasen des Innenhofes („Wiesenplätze“) auch sehr bequem der Musik lauschen. Einfach auf eine Decke legen, Augen schließen und genießen. Wenn die schattigen Rasenplätze belegt sind, gibt es immer noch die Möglichkeit, sich im Kreuzgang auf einen der Stühle zu setzen.

Die Eintrittskarte für die Wiesenplätze beträgt 8-10€; ein Sitzplatz im Kirchenschiff 25-39€. Der Vorverkauf beginnt bereits im Spätherbst des vergangenen Jahres. Es dauert auch nicht lange, und die meisten Sitzplätze sind ausverkauft.

Inzwischen trudeln Luc und Margret ein. Sie sind gesättigt und bester Laune. Wir machen es uns auf einer Decke im Innenhof bequem und geben uns der Musik hin. Das ist ein vollendeter Musikgenuss. Eine unglaublich virtuose, einfühlsame, lebendige Interpretation.

Nach einer knappen Stunde ist Pause. Die Besucher strömen zu dem kleinen Café, das vollkommen überfordert ist, diese Menge zeitnah zu bedienen. Auch vor einem Getränke- und Imbisszelt hat sich sofort eine lange Schlange gebildet. Da hat die Organisation noch viel Luft nach oben. Erfahrende Besucher lösen das Problem mit eigenem Picknick-Korb. Sicher eine gute Variante. Kaffee, Kuchen, Brötchen griffbereit.

Aber der Freude an der Musik kann das keinen Abbruch tun. Was für ein schöner, harmonischer Sommernachmittag. Ich fahre ganz beschwingt zurück nach Berlin – dieses Mal tatsächlich eine andere Route ausprobierend. Über Britz fährt es sich angenehmer.

 

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