Karlskrona

23. bis 25. August 2019

Pünktliches Frühstück in Västervik um 8:30 Uhr. 10 Uhr Start zu unserer vorletzter Station: Karlskrona. Die Stadt in der Provinz Blekinge wurde 1680 vom schwedischen König Karl XI. gegründet als dieser entschied, hier einen neuen Marinestützpunkt und eine Werft zu errichten. Es wurde der Hauptstützpunkt der schwedischen Flotte. Noch heute wird die Stadt durch die Marine geprägt, auch wenn es jetzt vor allem historische Aspekte sind. Der Marinehafen und Teile von Karlskrona gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. In Karlskrona stehen eine Reihe von barocken Bauten, wozu auch die beiden großen Kirchen, einige Geschäftshäuser und Hotels gehören. So verwundert es nicht, dass diese Stadt auch als Barockstadt einen Namen hat.

Wir sind erst einmal auf der Suche nach unserer Unterkunft: Amiralsgården Werstorp. Nach einigem Hin und her wird klar, dass diese B&B-Pension außerhalb von Karlskrona liegen muss. Lotti navigiert mit ihrem Handy – übrigens auch auf freiem Feld ein super Empfang. Es dauert eine Weile bis wir den richtigen Weg nach Werstorp finden. Mitten in der Natur steht ein wohl ehemals prächtiges Herrenhaus. Hund, Katze, Hühner – alles da, was ein Naturfreund sich wünscht. Felder, Weiden und Wald soweit das Auge reicht. Wir werden sehr freundlich begrüßt. Im Innern des Hauses stößt man überall auf Historisches, das alten Glanz vermuten lässt. Kurz gesagt, das Haus hat seinen eigenen Charme. Unsere erste Zurückhaltung schlägt um. Eine nicht alltägliche Unterkunft mit sehr, sehr freundlichen Gastgebern, die uns für den nächsten Abend zum Lammessen einladen. Was sagt man dazu?

Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den Weg in das 19 Kilometer entfernte Karlskrona. Mit dem Auto kein Problem. Auch das Parken in der Stadt gelingt auf Abhieb. Jetzt stehen wir mitten in der Stadt auf einem überdimensionierten Markplatz. Hinter uns ein Denkmal des Stadtgründers, König Karl XI., vor uns die Friedrich-Kirche, rechter Hand die Heilige Dreifaltigkeitskirche, auch bekannt als Deutsche Kirche.

Im Rücken der Friedrich-Kirche befindet sich das Touristenbüro. Hier verschaffen wir uns einen Überblick. Was wollen wir heute Nachmittag noch unternehmen? Wir entscheiden uns für das nahegelegene Marine-Museum auf der Insel Stumholmen. Die 1997 eröffnete neue Museumshalle liegt auf einem Pier, ist also von Wasser umgeben. Ein Museum auf Pfählen. Am Pier sind Schiffe vertäut, die jetzt als Museumsschiffe zu besichtigen sind.

Überraschung: Der Eintritt ist frei! Seit 2014 lockt eine zweite Halle mit dem originalen U-Boot HMS Neptun als Hauptattraktion Besucher an. Das schauen wir uns genauer an. Das 50 Meter lange und 6 Meter breite U-Boot war von 1980 bis 1998 im Dienst. 20 Seeleute waren in ihm im Einsatz. Besucher können ihre Arbeitsplätze sehen, wo sie gegessen und geschlafen haben. Alles beengt. Nicht für jedermann geeignet. Mit dem Periskop, das noch voll funktionstüchtig ist, kann man das Geschehen im Fjord beobachten, denn es reicht über das Dach hinaus. Auch das erste schwedische U-Boot überhaupt, die Hajen von 1904, ist ausgestellt. Im Vergleich zum HMS Neptun ein Zwerg, auf dem 8 Seeleute ihren Dienst versahen. Kann man sich nicht richtig vorstellen.

In der Haupthalle geben Bilder, Karten, Filme, Modelle und Artefakte einen Einblick in die Geschichte der schwedischen Marine und damit auch in europäische Geschichte. In einem Wracktunnel schaut man durch Fenster auf den Boden der Ostsee. Fische schwimmen vorbei. Wrackteile eines Linienschiffes aus dem 18. Jahrhundert sind zu entdecken. Abgefahrene Idee.

Wir halten uns bis zur Schließzeit um 18 Uhr in dem Museum auf. 2 Stunden reichen nicht, um alles in Augenschein zu nehmen. Je nach Interesse wird die Besucherzeit wohl variieren.

Ein Spaziergang zurück auf die Hauptinsel vorbei am historischen Leuchtturm, entlang einer alten Bastion durch den Admiralitätspark mit den Glockenturm auf dem Großen Markt. Hier finden wir einen Platz im „Torro“ zum Abendessen: Lachs bzw. Schweinemedaillons. Empfehlenswert. Gegen 20:30 Uhr geht es zurück zur Pension in Werstorp.

Na der Tag geht ja gut los! Beim Frühstück bekommen wir den Hinweis, dass ein Schiff namnens Axel von Nättraby nach Karlskrona fährt – durch Wald und Flur, ein einmaliges Erlebnis. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und brechen um 9:45 Uhr Hals über Kopf auf, um dieses Schiff um 10:50 Uhr in Salhalla, einem Haltepunkt nach Nättraby, noch zu erreichen. Flotten Schrittes machen wir uns auf den hügligen, meist sandigen Weg, der gefühlt kein Ende nehmen will. Immer wieder ein Blick auf die Uhr. Und immer wieder die bange Frage, sind wir überhaupt auf dem richtigen Weg. Schließlich erreichen wir in Salhalla den Bootsanleger. Mit einem Strick muss man einen hölzernen, rot gestrichenen Winker hochziehen, um dem Schiffsführer zu signalisieren: Hier wollen noch Zwei mit! Wie aus einer anderen Zeit. Axel ist pünktlich. Gemütlich tuckern wir durch Schären Richtung Karlskrona. Dort legt das Schiff am Fischmarkt an. Inzwischen ist es 12 Uhr.

Die nächsten anderthalb Stunden erkunden wir die Stadt auf getrennten Wegen. Ich spaziere die Fußgängerzone rauf und runter, schaue mal hier, mal da in einen Laden und lande schließlich wieder auf dem Großen Markt. Von hier fällt sofort wieder der imposante Turm auf: Der Admiralitätsglockenturm im Admiralitätsgarten. 1700 erbaut, hatte er ursprünglich die Uhrzeit des Arbeitsbeginns und des Feierabends auf der Werft und der Marinebasis, insbesondere natürlich die Essenspausen durch Läuten anzugeben. Mein Weg führt mich zur ganz aus Holz errichteten Admiralitätskirche, in der gerade Vorbereitungen für eine Hochzeitsfeier getroffen werden, und zum Rosenboom, eine lebensgroße Holzfigur, die neben der Kirche um Spenden bittet.
Um 13:30 treffen wir uns wieder und fahren mit einem Linienbus zurück nach Scärva. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft. Aber spontan entscheiden wir uns für eine ca. 3 Kilometer lange Wanderung nach Vättraby. In dem kleinen Ort machen wir in einem kleinen Café Halt und lassen es uns mit Eis und Waffeln gutgehen. Jetzt steht der Rückweg zum Herrenhaus an. Wieder ca. 3 Kilometer. Ist ja nicht so weit. Trotzdem sind wir ziemlich k.o. und brauchen erst einmal eine Pause. Kaum ausgestreckt auf dem Bett schlafe ich auch schon ein.

Was eine Stunde Schlaf für Energien freisetzen kann. Putzmunter geht es um 19 Uhr zum Lammessen. Alles vom Feinsten: das Ambiente des alten Herrenhauses, der gedeckte Tisch, das leckere Essen. Außer den Gastgebern und uns sitzen weitere Gäste, ein Ehepaar aus Belgien und ein Ehepaar aus der Nachbarschaft, mit am Tisch. Schnell entwickelt sich ein munteres Gespräch. Um 22 Uhr wird die Tafel aufgehoben. Wir haben das Gefühl, in Schweden angekommen zu sein.

 

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