Kanutour auf der Ardèche

07.09.2016
5-balazuc-6Ein herrlicher Tag voll Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen. Heute geht es auf große Kanutour. Dazu fahren wir – nach einem Tipp von Umberto – nach Balazuc. Dort befindet sich am Ufer der Ardèche eine Kanu-Kajak-Station. Die Fahrt dauert eine knappe Stunde. Der Parkplatz ist in unmittelbarer Nähe des Bootsverleihs. Er ist schon gut belegt. Aber wir haben Glück und finden noch einen Platz. Das Tagesticket kostet 3€.  Balazuc ist eine kleine französische Gemeinde mit ca. 350 Einwohnern. Der historische Ort liegt auf einem Felsplateau hoch über der Ardèche. Von hier aus hat man eine herrlichen Blick auf den Fluss, der sich durch das in die Felsen geschnittene  Tal windet.

Wir fragen nach einem Zweierkanu. Kein Problem. Zunächst gilt es sich umzuziehen: Badeanzug und Badeschuhe. Die Tageskleidung wird in einer wasserdichten Tonne verstaut und auf das Boot geschnallt. Wir müssen auch eine Schwimmweste anlegen und der umsichtige Bootsverleiher gibt jeden von uns noch einen Bindfaden zur Sicherung der Sonnenbrille. Dann kann es losgehen. Die Ardèche ist ein Gebirgsfluss mit sehr steinigem Untergrund und oft schnell fließendem Wasser. Ich versuche in das Kanu einzusteigen und setze den linken Fuß in das Boot. Dieses treibt ab, ich mache soweit es eben geht einen Spagat (geht nicht sehr weit) und falle dann der Länge nach ins Wasser. Großes Gelächter, ich lache mit, was sollte ich sonst tun? Ungeschickt lässt grüßen. Lotti nimmt diese Erfahrung auf und stellt sich beim Einsteigen geschickter an. Beim zweiten Anlauf klappt es auch bei mir. Jeder bekommt ein Paddel in die Hand und ab geht es. Wir haben die kürzeste Tour gebucht: von Balazuc nach Pradons. Bis zu unserem Ziel sind es 8 km. Lotti sitzt vorn. Ich soll den Schlagrhythmus angeben: 1-2, 1-2, … Ein paar Schläge sind wir im Gleichklang, dann kommen wir regelmäßig aus dem Takt. Also das Ganze wieder von vorn. Noch sind wir in ruhigem Gewässer und kommen ganz gut voran. Links und rechts hohe felsige Berge. Die Ardèche hat es in sich. Plötzlich ist sie nicht mehr ruhig und sanft. Große Felsbrocken liegen kreuz und quer im Fluss und stauen das Wasser an. Das Boot rumpelt das eine und andere Mal über die Felsen. Diese sind vom Wasser abgeschliffen und durch Algenbewuchs unglaublich glatt. Wenn wir gänzlich festsitzen, heißt es aussteigen und das Boot wieder flott machen. Gut, dass wir Badeschuhe tragen. Trotzdem für uns ungeübte Paddler jedes Mal ein abenteuerliches Unterfangen. Ich falle noch zweimal ins Wasser. Das gibt ein paar blaue Flecke. Ruhiges Wasser und Stromschnellen wechseln sich ab. Die Felsenschlucht ist passiert. Die Landschaft wird zusehends flacher. Wir fragen uns, woher die anderen Paddler wissen, wo immer die beste Passage ist. Wir sind ja nicht allein auf dem Fluss. Sind die anderen geschickter? Wir versuchen, ihnen nach zu fahren. Das geht aber nur eine Weile. Dann entschwinden sie aus unserem Blickfeld und wir sitzen wieder einmal fest oder drehen uns im Kreis. Inzwischen sind wir pudelnass und merken wir auch in unseren Armen, dass wir etwas völlig Ungewohntes mit hoher Intensität machen. Trotzdem die Stimmung ist ausgezeichnet. Bei allen Schwierigkeiten ist es ein riesiger Spaß.

  

Dann ist das Ziel erreicht: ein an einen Baum gefestigtes Kanu und die Brücke Pradons sind die Zeichen. Hier warten schon zwei tapfere Paddler, ein Ehepaar aus England, wie sich herausstellt. Sie haben den Vermieter bereits angerufen und um Abholung gebeten. Das dauert aber über eine Stunde, ehe wir mit dem Bootstransporter zurückfahren. Inzwischen hilft uns der Mann das Kanu an Land zu ziehen und die Böschung hochzutragen. Wir nutzen die Wartezeit, um uns umzuziehen. Dann kommen wir mit den Engländern ins Gespräch: Smalltalk. Sehr freundliche Leute. So vergeht die Zeit. Plötzlich merke ich, dass meine Sonnenbrille fehlt. Mein Gott, schon wieder eine Brille verloren? Ich überlege, habe ich sie überhaupt auf die Bootstour mitgenommen und komme zu dem Schluss, ich habe sie in dem Büro des Bootsverleihers liegengelassen. Oh je, hoffentlich ist sie noch da.

5-balazuc-1Zurück in Balazuc kommt mir der junge Mann schon entgegen und schwenkt meine Brille. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Glück gehabt. Wir unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang in Richtung der ehemaligen Festung. Es geht ziemlich steil bergauf.

In einem kleinen Café mit herrlichem Blick über die Bucht entspannen wir mit einem leckeren Smoothie.

Gegen 19 Uhr sind wir wieder bei Umberto und genießen sein vorzügliches Essen. Irgendwie sind wir auch ein bisschen stolz auf uns.

 

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