Jasmunder Nationalpark mit Königsstuhl

 

10. Febru­ar 2018
Nach einem län­ge­rem Fern­seh­abend (schließ­lich sind ja Feri­en) haben wir etwas län­ger geschla­fen. Aus­gleich muss sein. Trotz­dem sind wir nicht die
Letz­ten beim Früh­stück. Und das ist echt lecker! Die Aus­wahl ist groß bis hin zu einem eng­li­schen Früh­stück. Mar­t­he schwärmt von den Crois­sants und der Mög­lich­keit, sich selbst eine knusp­ri­ge Waf­fel zube­rei­ten zu kön­nen.
Unser heu­ti­ges Ziel ist ein bekann­ter Krei­de­fel­sen, der König­stuhl im Jas­mun­der Natio­nal­park. Nach­dem ich das Auto aus der Tief­ga­ra­ge bug­siert habe (nicht ganz ein­fach, weil ziem­lich eng), geht es gera­de­wegs in Rich­tung Sass­nitz. Von dort aus ist es zum Königs­stuhl nicht mehr weit. Aber wir haben die wegen einer Stra­ßen­sper­rung aus­ge­schil­der­te Umlei­tung wohl über­se­hen. Jeden­falls müs­sen wir am Ende einer Stra­ße umdre­hen und uns neu ori­en­tie­ren. Beim zwei­ten Anlauf klappt es. Die Stadt liegt hin­ter uns, vor uns schlän­gelt sich die Land­stra­ße über vie­le Hügel durch einen Buchen­wald, fast wie in einem Mit­tel­ge­bir­ge.

Unge­fähr drei Kilo­me­ter vor unse­rem eigent­li­chen Ziel errei­chen wir den Loh­mer Orts­teil Hagen. Das Auto kön­nen wir auf einem groß­zü­gig ange­leg­ten kos­ten­pflich­ti­gen Park­platz (mit Wan­der­kar­te, Kiosk und Toi­let­ten) abstel­len. Von hier aus führt ein Wan­der­weg durch den Jas­mun­der Natio­nal­park direkt zum Krei­de­fel­sen.

Natio­nal­parks sind Gebie­te, in denen der Mensch nicht ein­greift. Der Jas­mun­der Natio­nal­park wur­de 1990 im Zuge der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung gegrün­det. Er dient dem Schutz der in Euro­pa ein­zig­ar­ti­gen Krei­de­land­schaft, des Buchen­wal­des und der in ihm leben­den Tie­re und Pflan­zen. 2011 erhielt der Natio­nal­park Jas­mund durch die UNESCO den Sta­tus des Welt­na­tur­er­bes.
Jetzt geht es in den Wald, genau­er gesagt, in einen gewal­ti­gen Buchen­wald. Der Weg ist aus­ge­schil­dert. Und das Schöns­te ist, wir wan­dern durch Schnee. Es hat erheb­lich geschneit. Auf dem Weg lässt es sich gut gehen, ab und zu ist es glatt. Also auf­pas­sen. Links und rechts kann man durch 20 Zen­ti­me­ter Schnee stap­fen. Infor­ma­ti­ons­ta­feln (Sta­tio­nen eines Lern­pfa­des) machen auf Beson­der­hei­ten im Natio­nal­park auf­merk­sam. 
Zuerst sto­ßen wir auf einen klei­nen See. Ursprüng­lich wur­de hier vor 100 Jah­ren Torf abge­baut. Als der Abbau ein­ge­stellt wur­de, füll­te sich die sechs Meter tie­fe Gru­be mit Was­ser. Wir lesen, in ca. 6000 Jah­ren wird der See sich wie­der in ein Moor gewan­delt haben. Nun bis dahin ist noch etwas Zeit.

Der Wan­der­weg führt, wie schon gesagt, durch einen Buchen­wald. Die Höhe der Bäu­me, ihr senk­rech­ter Wuchs und im Som­mer sicher­lich ihr vol­les Blät­ter­dach sind beein­dru­ckend. Buchen kön­nen ein Alter bis zu 350 Jah­ren errei­chen.

Im Natio­nal­park wer­den tote Bäu­me nicht weg­ge­räumt. Sie sind Lebens­raum vie­ler Tie­re, Pflan­zen und Pil­ze. Eine wei­te­re Sta­ti­on infor­miert über einen sol­chen Tot­holz­stamm.

Jetzt kom­men wir am zuge­fro­re­nen Her­tha­see vor­bei. Auf einem Holz­steg gelangt man direkt an das Ufer des fast kreis­för­mi­gen Sees. Woher sein Name? Der Sage nach wohn­te bis zur Chris­tia­ni­sie­rung die ger­ma­ni­sche Erd­göt­tin Her­tha in bzw. an dem See.

Am nord­öst­li­chen Ufer des Sees befin­den sich die Res­te einer sla­wi­schen Flucht­burg, die Her­tha­burg. Wir ent­de­cken den Auf­gang am Wall und wol­len natür­lich sofort hin­auf­stei­gen. Nach ein paar Schrit­ten gebe ich auf. Zu rut­schig. Mar­t­he ist schon vor­aus. Plötz­lich ein Auf­schrei. Sie ist der Län­ge nach hin­ge­schla­gen. Was für ein Schreck! Aber alles gut. Bis auf ein paar blaue Fle­cken gibt es kei­ne Fol­gen. Gott sei Dank! Nur weni­ge Schrit­te wei­ter lie­gen zwei gewal­ti­ge Stei­ne am Weges­rand. Ich dach­te, es sei­en Find­lin­ge. Viel­leicht stimmt das auch. Aber um die­se bei­den Stei­ne ran­ken sich mythi­sche Geschich­ten. Auf dem einen Stein sol­len in längst ver­gan­ge­ner Zeit Gefan­ge­ne und Tie­re geop­fert wor­den sein; des­halb Opfer­stein. Der Sagen­stein mit sei­nen Abdrü­cken steht für eine Geschich­te um eine Jung­frau, den Teu­fel und die Rein­heit der Lie­be.  

Opfer­stein

 

Sagen­stein

An sump­fi­gen Stel­len mit­ten im Buchen­wald wach­sen Bäu­me mit einer sehr dunk­len Rin­de: Schwarz­erlen.

Laut Infor­ma­ti­ons­ta­fel wei­sen sie Beson­der­hei­ten auf: Sie haben Stelz­wur­zeln und koral­len­ar­tig ver­zweig­te Wur­zel­knöll­chen, in denen stick­stoff­bin­den­de Mikro­or­ga­nis­men leben.

 

Wir haben das Natio­nal­park-Zen­trum Königs­stuhl erreicht. Nach dem Erwerb der Tages­ti­ckets schau­en wir uns um. Im Gebäu­de gibt es eine Erleb­nis­aus­stel­lung und ein Mul­ti­vi­si­ons­ki­no, einen Sou­ve­nir­shop und ein Bis­tro. Auf dem Gelän­de befin­den sich die Aus­sichts­platt­form Königs­stuhl, das Natio­nal­park­thea­ter, ein Spiel­platz und ein Mam­mut­baum.

Natio­nal­park-Zen­trum Königs­stuhl

Stub­ben­kam­mer 2
18546 Sass­nitz

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 9,50€
Kin­der (6–14 Jah­re): 4,50€
Fami­lie: 20,00€

Öff­nungs­zei­ten
Ostern bis 31. Okto­ber:
9–19 Uhr
1.November bis Ostern:
10–17 Uhr

Durch eine Zeit­schleu­se gelan­gen wir in die Erleb­nis­aus­stel­lung. Vier ver­schie­de­ne Arten der Füh­rung kön­nen gewählt wer­den. An Farb­krei­sen auf dem Fuß­bo­den oder ein Meter hohen Säu­len oder auf Kin­der-Hocker beginnt der Audio­gui­de Wis­sens­wer­tes preis­zu­ge­ben.
Die Rei­se beginnt vor 62 Mil­lio­nen Jah­ren, wie Eis­zeit und Glet­scher die­se Land­schaft geprägt haben. Wir ler­nen etwas über die Mee­res­be­woh­ner der Ost­see, zum Bei­spiel über die Flun­der. Wer weiß das schon, dass frisch geschlüpf­te Flun­derlar­ven ganz nor­mal, also sei­ten­sym­me­trisch aus­se­hen. Nach eini­gen Tagen beginnt ihre Umwand­lung zum Platt­fisch, des­sen Augen auf der Ober­sei­te lie­gen. Das lin­ke Auge wan­dert auf die
rech­te Kopf­sei­te. Die lin­ke Kör­per­sei­te wird zur Unter­sei­te.

Im The­men­schwer­punkt „Unter der Erde“ erfahrt man Erstaun­li­ches: In einer Hand­voll Erde gibt es mehr Lebe­we­sen als Men­schen auf der Welt. Unvor­stell­bar! Was soll das sein? Bak­te­ri­en, Pil­ze, Algen, Faden­wür­mer, Mil­ben, Spring­schwän­ze, Bors­ten­wür­mer, Dop­pel­fü­ßer, Regen­wür­mer, Käfer mit Lar­ven, Hun­dert­fü­ßer, Asseln, Schne­cken, Spin­nen, Kerb­tie­re und viel­leicht auch ein Wir­bel­tier wie den Maul­wurf.  

Unter­ir­di­sche Gän­ge

Eine Video­prä­sen­ta­ti­on zeigt die Viel­falt des Lebens auf einer Wie­se. Der gegen­wär­ti­ge Jas­mun­der Buchen­wald ent­stand vor ca. 3000 Jah­ren. Wenn eine Buche abstirbt, ver­ge­hen etwa 30 bis 40 Jah­re bis sie zu Erde gewor­den ist. Die Aus­stel­lung demons­triert anschau­lich, wie alles mit allem zusam­men­hängt. Ich stau­ne, dass Kin­der bestimm­ten The­men – je nach Inter­es­sen­la­ge – sehr auf­merk­sam fol­gen.

Nach dem Rund­gang legen wir im Bis­tro eine Mit­tags­pau­se ein. Ich brau­che gar nicht zu fra­gen, was Mar­t­he essen möch­te: Nudeln. Und danach ein Eis.

Im Anschluss bege­ben wir uns in das Mul­ti­vi­si­ons­ki­no. Auf vier Lein­wän­den erle­ben wir eine Füh­rung durch die Land­schaft: „Wan­de­rung der Alten Buchen­wäl­der“. Inter­es­sant zu erfah­ren, was Buchen doch für domi­nan­te Bäu­me sind.

Jetzt geht es nach drau­ßen zum Königs­stuhl. Auf der Aus­sichts­platt­form eröff­net sich ein beein­dru­cken­der Blick über die Ost­see. Und das auch bei die­sem die­si­gen Wet­ter. Doch woher hat der Königs­stuhl sei­nen Namen? Auch hier hilft eine Sage wei­ter.
Die Rüga­ner wähl­ten ihren neu­en König durch eine Art Wett­kampf. Jun­ge Män­ner, Anwär­ter auf den Thron, ver­such­ten den Krei­de­fel­sen von der See­sei­te aus zu erklim­men. Ein Unter­fan­gen auf Leben und Tod. Der Sie­ger wur­de König. Er hat­te den Stuhl (Thron) bestie­gen.

Doch die­ser Ort hat nicht nur Sagen­haf­tes zu bie­ten. Auch ganz Rea­les. Kai­ser Wil­helm I. begab sich 1865 auf den Königs­stuhl. Bezau­bert von der herr­li­chen Aus­sicht benann­te er die­se nach sei­ner Schwie­ger­toch­ter, der eng­li­schen Kron­prin­zes­sin Vic­to­ria. So lesen wir am Gelän­der: Vic­to­ria-Sicht.

Nicht zu ver­ges­sen Cas­par David Fried­rich, der die­se Aus­sicht in dem bekann­ten Gemäl­de “Krei­de­fel­sen auf Rügen” ver­ewig­te.

Die Zeit ist vor­an geschrit­ten. Ein küh­ler Wind lässt es unge­müt­lich wer­den. Der Ent­schluss ist schnell gefasst: Wir fah­ren mit dem Shut­tle-Bus zurück zum Park­platz. Die Linie 19 ver­kehrt alle 30 Minu­ten zwi­schen dem Natio­nal­park-Zen­trum und dem Park­platz Hagen.  
Zurück im Hotel stat­ten wir vor dem Abend­brot dem Schwimm­bad einen aus­gie­bi­gen Besuch ab. Was soll ich sagen? Mar­t­he ist eine Was­ser­rat­te durch und durch. Toll wie sie sich begeis­tern kann. 

 

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