Intra-Muros von Saint-Malo

19.09.2016

19-saint-malo-stadtpanorama-10Saint-Malo ist eine Hafen­stadt in der Bre­ta­gne. Ihre Alt­stadt (Intra-Muros) ist von drei Sei­ten vom Meer umge­ben. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die­se stra­te­gisch güns­ti­ge Lage in der Ver­gan­gen­heit von vie­len genutzt wur­de, die einen siche­ren Hafen für ihre Schif­fe such­ten. Hin­zu kom­men unzäh­li­ge fel­sen­ar­ti­ge Erhe­bun­gen klei­ner Vul­kan­in­seln vor der Küs­te, die bei Flut unter dem Was­ser ver­steckt sind. Nur genaue Kennt­nis­se die­ser Bedin­gun­gen ermög­li­chen ein siche­res Navi­gie­ren.

Heu­te wol­len wir die­se beson­de­re Stadt uns näher anschau­en. Wir neh­men den Bus Nr. 1, der uns bis vor die Tore der Intra-Muros (Stadt inner­halb der Mau­ern; Innen­stadt; Alt­stadt) bringt. Auf der Fahrt dort­hin sehen wir das neue, moder­ne Saint-Malo und sind beein­druckt. Sehr schi­cke Archi­tek­tur.

Schiff von SurcoufDer Bus hält direkt an der Burg: Cha­teau de la Duch­esse Anne. Dort befin­de­en sich auch das Tou­ris­ten­bü­ro und die Hal­te­stel­le für einen Mini-Zug. Gegen­über im Hafen­be­cken Dugu­ay Trou­in liegt ein Muse­ums­schiff vor Anker, die Fre­gat­te  Étoi­le du Roy.

Die Intra-Muros von Saint-Malo hat den Cha­rak­ter einer Burg bestehend aus Berg­fried, Bas­tio­nen und einer 1,8 Kilo­me­ter lan­gen Fes­tungs­mau­er. Unse­re Rund­tour beginnt am Por­te Saint-Vin­cent auf dem Wehr­gang der gewal­ti­gen Stadt­mau­er. Ein ers­tes Ver­wei­len am Grand Por­te mit Blick auf den Hafen. Wei­ter geht es von Bas­ti­on zu Bas­ti­on. Bei der Bas­ti­on Saint-Lou­is grüßt die Sta­tue des Pira­ten René Dugu­ay-Trou­in von einem stei­ner­nen Sockel.

René Dugu­ay-Trou­in
(1673–1736)

unter­nahm als Frei­beu­ter im Auf­trag der fran­zö­si­schen Kro­ne außer­or­dent­lich erfolg­rei­che Beu­te­zü­ge und gewann eine Rei­he von Schlach­ten. Für die­se Taten wur­de er geadelt und 1728 zum Admi­ral der könig­li­chen Mari­ne ernannt.

 

Zwi­schen den Bas­tio­nen Saint-Lou­is und Saint-Phil­ip­pe haben wir frei­en Blick auf die Fluss­mün­dung der Ran­ce und dem gegen­über­lie­gen­den Ort Dinard. Auf dem wei­te­ren Weg schau­en wir auf einen brei­ten Sand­strand unter­halb der Fes­tungs­mau­ern. Ein paar Muti­ge wer­fen ihre Klei­dung ab und sprin­gen in die Flu­ten. Noch ist Hoch­was­ser. Bei der Bas­ti­on de la Hol­lan­de tref­fen wir auf eine Skulp­tur von Jac­ques Car­tier (1491–1557), dem Ent­de­cker der Regi­on um den Saint-Lorenz Strom im heu­ti­gen Kana­da. Hier haben wir einen ein­drucks­vol­len Blick auf die Bucht von Saint-Malo und die oben bereits erwähn­ten zahl­rei­chen Inseln, von denen immer mehr bei ein­set­zen­dem Nied­rig­was­ser zum Vor­schein kom­men. Am Por­te des Bés ver­fol­gen wir stau­nend, wie sich mit zuneh­men­der Ebbe lang­sam die Kon­tu­ren einen Schwimm­be­ckens (Pisci­ne de Bon Secours) mit­ten im Meer abzeich­nen. Am Bidoua­ne-Turm ent­de­cken wir die Sta­tue des berühm­ten Kor­sa­ren Robert Sur­couf.

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Robert Sur­couf
(1773–1827)

Robert Sur­couf stammt aus Saint-Malo und war mit sei­nem Schiff Renard (Fuchs) Kor­sar im Diens­te von Napo­le­on. Beson­ders bei hol­län­di­schen und eng­li­schen Han­dels­schif­fen war er gefürch­tet. So kaper­te 47 eng­li­sche Schif­fe, dar­un­ter die „Kent“ der bri­ti­schen Ost­in­di­en­kom­pa­nie. Er mach­te unglaub­lich rei­che Beu­te, was natür­lich Napo­le­on erfreu­te, die Eng­län­der aller­dings in Rage brach­te. Wie man so schön sagt: Was dem einen sin Uhl, ist dem ande­ren sin Nach­ti­gall. Die Eng­län­der setz­ten eine Kopf­prä­mie von fünf Mil­lio­nen Franc auf sei­ne Ergrei­fung aus. Umsonst. Sur­couf been­de­te mit 36 Jah­ren sei­ne Kaper­fahr­ten und ließ sich in Saint-Malo nie­der. Er war gut ver­sorgt und erhielt für sei­ne Ver­diens­te zudem noch eine lebens­lan­ge Ren­te vom fran­zö­si­schen Staat. Die staat­li­che Aner­ken­nung wird ihm übri­gens bis heu­te zuteil: Eine 1997 in Dienst gestell­te fran­zö­si­sche Fre­gat­te trägt sei­nen Namen.

 

Die Ebbe schrei­tet vor­an. Inzwi­schen sind die Inseln Grand Bè und Petit Bé über Sand­we­ge zu Fuß zu errei­chen. Wir ver­las­sen den Wehr­gang auf der Stadt­mau­er, um uns in der Stadt umzu­se­hen. Natür­lich fällt sofort die Kathe­dra­le Saint-Vin­cent ins Auge. Lot­ti nimmt sie genau­er in Augen­schein.

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Cor­saire de Saint-Malo

Danach ent­schei­den wir uns für eine Sight­see­ing-Tour per Schiff, auch um den Füßen eine Ruhe­pau­se zu gön­nen. Wir wäh­len die Tour Baie de St.-Malo. Die Fahrt dau­ert 1,5 Stun­den und kos­tet 21€. Vom Meer aus wirkt Saint-Malo noch viel gewal­ti­ger: Ein beein­dru­cken­des Pan­ora­ma.

Ganz herr­li­ches Wet­ter, Son­nen­schein, ein biss­chen Wind. Wir pas­sie­ren das Fort Natio­nal, die Inseln Grand und Petit Bé, das Fort de la Con­chée, den Pha­re du Grand Jar­din und das Fort Har­bour. Der fort­lau­fen­den Erklä­rung des eif­ri­gen Kapi­täns kön­nen wir lei­der nicht fol­gen, da sie nur auf Fran­zö­sisch erfolgt. Wir nut­zen die Zeit zum Schau­en, Rela­xen und Foto­gra­fie­ren.

 

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Fort de la Con­chée

 

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Petit Bé

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Fort Natio­nal

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Pha­re du Grand Jar­din

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Intra-Muros von Saint-Malo

Zurück in Saint-Malo bum­meln wir noch ein­mal durch die Alt­stadt. Man kann es kaum glau­ben, dass die­se am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges fast gänz­lich zer­stört wor­den ist. In der Fol­ge­zeit erfolg­te der Wie­der­auf­bau, wobei man sich bemüh­te, mög­lichst ori­gi­nal­ge­treu die Alt­stadt wie­der her­zu­rich­ten. Heu­te sind kei­ne Kriegs­spu­ren mehr zu ent­de­cken. Die Häu­ser, nach­emp­fun­den denen aus dem 18. Jahr­hun­dert, jede Men­ge Restau­rants und Cafés, Geschäf­te aller Art, Muse­en, Thea­ter zeu­gen von einer leben­di­gen Stadt, die auch ihren Besu­chern viel zu bie­ten hat. Es wür­de sich bestimmt loh­nen, etwas län­ger hier zu Quar­tier zu neh­men.

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