Il de Re und Aquarium in La Rochelle

17.09.2016
9.30 Uhr, ein „hoch­herr­schaft­lich“ ange­rich­te­tes süßes Früh­stück: Crois­sants, Baguette, Mar­me­la­den, Honig, Kuchen, Obst. Unse­re Gast­ge­ber emp­feh­len uns einen Aus­flug auf die Insel Re: Il de Re – die wei­ße Insel – ein Platz mit roman­ti­schen Dör­fern, fei­nen Restau­rants, Pini­en- und Zypres­sen­wäl­dern und fei­nen Sand­strän­den, ein Ort, wo man Ebbe und Flut haut­nah erle­ben kann. War­um nicht? Wir neh­men die­sem Vor­schlag mit Inter­es­se auf und star­ten eine Stun­de spä­ter. 
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Die Insel liegt vor La Rochel­le, knapp 40 Kilo­me­ter von Roche­fort ent­fernt. Die Her­aus­for­de­rung liegt nicht in der Fahrt über Land, son­dern durch die Alt­stadt von La Rochel­le, um die Brü­cken­maut-Sta­ti­on zu fin­den. Sicher gibt es Hin­weis­schil­der; trotz­dem kom­men wir ganz schön ins Tru­deln. Aber wir blei­ben am Ball und behal­ten die Ruhe. Schließ­lich pas­sie­ren wir nach dem Bezah­len von 8€ Maut die Kon­troll­sta­ti­on und fah­ren auf die drei Kilo­me­ter lan­ge Brü­cke, die seit 2008 die Insel in Rive­doux-Pla­ge mit dem Fest­land La Pal­li­ce-La Rochel­le ver­bin­det.

17-bruecke-il-de-re-3Wir fah­ren ca. sie­ben Kilo­me­ter an der Küs­te ent­lang und errei­chen den Ort La Flot­te, ein hüb­sches Fischer­dorf, alles klein, nied­lich und beschau­lich. Von wei­tem bestau­nen wir noch ein­mal die küh­ne, ele­gan­te Brü­cken­kon­struk­ti­on. Sehr ästhe­tisch. Auch die Über­res­te des Fort de la Pree sind von hier aus zu sehen. Man müss­te mehr Zeit haben.

Auf dem gut besuch­ten Markt kos­ten wir Wein und Käse. Das schmeckt! Wir kau­fen ein paar Pro­ben für den Abend ein. Dar­auf freue ich mich jetzt schon. Lot­ti erwirbt noch ein zünf­ti­ges Käse­mes­ser und einen Kor­ken­zie­her. Brau­che ich sowie­so, meint sie. Beson­ders beein­dru­ckend das über­wäl­ti­gen­de Ange­bot von Fischen, Krab­ben, Aus­tern, – kurz von Mee­res­früch­ten: tot und leben­dig, wie man möch­te. Die­ser Markt eig­net sich auch vor­treff­lich für den Ein­kauf von klei­nen Sou­ve­nirs. Dazu gehö­ren ohne Fra­ge die ver­schie­de­nen Sor­ten von lecke­rem Ape­ri­tif.  
  
Nach­dem wir uns ein­deckt haben, geht es wei­ter nach Saint-Mar­tin. Das ist der Haupt­ort der Insel mit einem rie­si­gen Park­platz. Ein Ticket zie­hen, dann ist Par­ken kein Pro­blem. Zunächst inter­es­siert uns die gewal­ti­ge Fes­tungs­an­la­ge von Saint-Mar­tin. Die­se wur­de im frü­hen 17. Jahr­hun­dert erbaut. Ende des 17. Jahr­hun­dert hat der bekann­te fran­zö­si­sche Mili­tär­ar­chi­tekt Sébas­ti­en Vauban die­se Anla­ge mas­siv ver­stärkt und erwei­tert. Von hier aus, so lese ich, wur­den Sträf­lin­ge vor­über­ge­hend ein­ge­ker­kert, die mit dem Schiff nach Fran­zö­sisch-Gua­ya­na auf die Teu­fels­in­sel gebracht wur­den.

 Alfred Drey­fus-Affä­re

Der bekann­tes­te Häft­ling war der fran­zö­si­sche Haupt­mann Alfred Drey­fus, der durch eine poli­ti­sche Intri­ge des Hoch­ver­rats bezich­tigt und unschul­dig ver­ur­teilt wur­de. Er wur­de von hier aus auf die Teu­fels­in­sel ver­schifft und ver­brach­te über 4 Jah­re von 1895 bis 1899 in der Straf­ko­lo­nie. Erst ein offe­ner Brief des Schrift­stel­lers Emi­le Zola deck­te das Kom­plott auf und führ­te zur Frei­las­sung von Drey­fus und 7 Jah­re spä­ter zu des­sen Reha­bi­li­tie­rung.

  
Auf unse­rem Weg durch die äuße­ren Fes­tungs­an­la­gen sto­ßen wir auf eine grö­ße­re Esel­her­de, die fried­lich in einem ehe­ma­li­gen Was­ser­gra­ben (so sieht die Sen­ke jeden­falls aus) wei­det. Nicht nur Kin­der blei­ben ste­hen und schau­en den Tie­ren eine Wei­le zu.

Ich erin­ne­re mich an einen Bericht über Irland. Dort gibt es eine grö­ße­re Anzahl wild leben­der Esel, die Nach­fah­ren von Art­ge­nos­sen, die in Berg­wer­ken oder anders­wo als Last­tie­re schwer arbei­ten muss­ten – bis die Tech­nik sie über­flüs­sig mach­te. An der fran­zö­si­schen Atlan­tik­küs­te, also auch auf Il de Re, wur­den Esel vor allem zur Arbeit in den Salz­gär­ten ein­ge­setzt.

Nach dem Rund­gang bege­ben wir uns an den Strand am Fuße der Fes­tung. Noch ist Ebbe, aber die Flut kün­digt sich an. Recht vie­le Men­schen nut­zen die Ebbe zur Samm­lung von Muscheln und Kreb­sen. Sie füh­ren Eimer und Stö­cke mit sich und haben sich ganz der Such- und Sam­mel­lei­den­schaft erge­ben. Wir gehen auch ein Stück in das schlick­hal­ti­ge Watt. Lot­ti sucht das Gespräch mit den Muschel­su­chern. Sie lässt sich den „Fang“ zei­gen. Ich schaue nach Stei­nen mit einem Loch, den so genann­ten Hüh­ner­göt­tern. Dar­aus woll­te ich (schon vor ganz lan­ger Zeit) eine deko­ra­ti­ve Ket­te machen. Aber ich fin­de kei­ne Hüh­ner­göt­ter und fra­ge mich, wor­an das wohl liegt.

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17-ebbe-bei-flotte-1Die Flut kommt. Ein Boot nach dem ande­ren, eben noch auf dem Schlick lie­gend, schwimmt  im Was­ser. Immer wie­der ein Schau­spiel für Land­rat­ten wie uns.
Doch jetzt mel­det sich der Hun­ger. Das ist das Zei­chen für den Auf­bruch. Wir suchen das Zen­trum von Saint-Mar­tin auf. Es sind nur ein paar Schrit­te, dann sind wir am Hafen und mit­ten im Ort. Eine Gast­stät­te an der ande­ren. Man muss sich nur ent­schei­den. Wir neh­men Platz und bestel­len Fisch­sup­pe. Für einen Mies­mu­schel­topf kön­nen wir uns immer noch nicht erwär­men. Das ist aber an der Atlan­tik­küs­te offen­sicht­lich der Ren­ner. Egal wohin wir kom­men. Über­all ver­lan­gen die Gäs­te nach die­sem schwar­zen Topf voll mit Muscheln. Na egal, wir löf­feln unse­re Fisch­sup­pe.

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Hafen von Saint-Mar­tin

Bevor wir uns auf den Rück­weg machen, stat­ten wir noch den vie­len klei­nen Läden – bei­lei­be nicht nur Sou­ve­nir­lä­den – im Zen­trum des Ortes einen Besuch ab. Jetzt fängt es doch noch zu nie­seln an. Also ab zurück zum Park­platz. Hier gibt mir Lot­ti ein Ticket und meint, ich sol­le schon mal bezah­len; sie hole das Auto. Das macht Sinn. An der Aus­fahrt hat sich bereits eine klei­ne Schlan­ge gebil­det. Ich ver­su­che das Ticket in den Auto­ma­ten ein­zu­ge­ben, ohne Erfolg. Auch die wie­der sofort ange­bo­te­ne Hil­fe führt zu kei­nem Erfolg. Ich kann nicht zah­len. Lot­ti muss aus der War­te­schlan­ge her­aus­fah­ren. Sie kommt zum Auto­ma­ten und ist zunächst auch ohne Erklä­rung. Dann plötz­lich die Erhel­lung: Das fal­sche Ticket! Sie hat mir ein fal­sches Ticket gege­ben. Na pri­ma oder noch ein­mal gut gegan­gen.

17-la-rochelle-aquarium-26Auf dem Rück­weg über die Brü­cke nach La Rochel­le wird kei­ne Maut ver­langt.
Irgend­wo sich­ten wir ein Hin­weis­schild „Zum Aqua­ri­um“ und beschlie­ßen kur­zer­hand dort­hin zu fah­ren. Das klappt auch rei­bungs­los. Die­ses Mal par­ken wir in einer moder­nen Tief­ga­ra­ge direkt unter dem Platz vor dem Aqua­ri­um. Das passt. Das Aqua­ri­um La Rochel­le, eines der größ­ten pri­va­ten Aqua­ri­en Euro­pas, befin­det sich in der Nähe des alten Hafens. Es ist nicht gera­de bil­lig: 16€ Ein­tritt. Aber man bekommt viel zu sehen und einen Ein­druck über die unglaub­li­che Viel­falt der Mee­res­be­woh­ner.

 

Zurück in Roche­fort gibt es Abend­essen: Käse, Baguette und Rot­wein. Was will man mehr?

 

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