Guten Tag St. Petersburg

 

30. Juli 2018

Ste­fie hat mir den Vor­schlag gemacht, bei ihr in Char­lot­ten­burg zu über­nach­ten: Dann star­ten wir gemein­sam unse­re gro­ße Rei­se und kei­ner geht ver­lo­ren.

Der Wecker klin­gelt um 6 Uhr. Heu­te geht es los. Nach­ein­an­der ins Bad, früh­stü­cken, die Sachen sind gepackt.

Zuerst fährt uns der Bus vor der Nase weg. Tors­ten ist Opti­mist: Kei­ne Sor­ge, die­se Linie kommt alle 10 Minu­ten. Mag sein, doch in die­sem Augen­blick gera­de nicht. Trotz­dem wir haben ein wei­tes Zeit­fens­ter. Am Bahn­hof Zoo bringt uns der Flug­ha­fen­ex­press nach Schö­ne­feld. Vor Auf­re­gung „set­ze“ ich mich neben den Klapp­sitz. Gera­de noch abge­fan­gen und in das Lachen der Fahr­gäs­te ein­ge­stimmt. Das geht ja gut los.

Am Flug­ha­fen Schö­ne­feld ist viel Betrieb. Alles irgend­wie pro­vi­so­risch. Dass Ber­lin immer noch kei­nen ordent­li­chen Flug­ha­fen hat, stellt sogar die Schild­bür­ger in den Schat­ten. Etwas nicht zustan­de brin­gen, muss auch gekonnt sein.

Pünkt­lich 10:45 Uhr hebt der Flie­ger der Ros­si­ja Air­line ab. Neben mir sitzt eine Frau etwa in mei­nem Alter. Wäh­rend des Flu­ges kom­men wir ins Gespräch. Nata­sha spricht Eng­lisch und hat ein gro­ßes Mit­tei­lungs­be­dürf­nis. Es macht Spaß, sich mit ihr zu unter­hal­ten. Sie habe gera­de Urlaub in Grie­chen­land gemacht, dann Freun­de in Deutsch­land besucht und befin­det sich auf der Heim­rei­se nach St. Peters­burg. Schwär­me­risch emp­fiehlt sie uns jede Men­ge Sehens­wür­dig­kei­ten ihrer Stadt, da wer­den wohl vier Tage, die wir in die­ser Stadt ver­wei­len, nicht aus­rei­chen. Jeden­falls tau­schen wir unse­re Adres­sen aus. Ich ver­spre­che ihr zuschrei­ben, wenn ich wie­der in Ber­lin bin.

Jetzt sind wir in der Ankunfts­hal­le des Flug­ha­fen Pul­ko­wo, dem dritt­größ­ten Flug­ha­fen Russ­lands, und suchen nach einer Mög­lich­keit an Rubel zu kom­men. Nata­sha winkt. Sie zeigt auf eine Wech­sel­stu­be. Bei nähe­rer Betrach­tung winkt Tors­ten ab. Sein Urteil: Unver­schäm­te Kur­se (1€ : 55 Rub; aktu­ell aber 1€ : 72 Rub).

Da ist der Umtausch an einem Bank­au­to­ma­ten bestimmt bes­ser. Das bestä­tigt sich auch. Wir ver­sor­gen uns mit Rubel, der Umtausch­kurs ist sehr güns­tig, wie gesagt im Augen­blick für einen Euro erhält man 72 Rubel. Und noch eine Fra­ge klärt sich. Vor der Rei­se haben wir über­legt, mit wel­cher Kar­te man Geld abhe­ben bzw. bezah­len kann. Die Ant­wort: Sowohl Kre­dit­kar­ten als auch Geld­kar­ten funk­tio­nie­ren ohne Pro­ble­me.

Ehe sich Nata­sha ver­ab­schie­det, erklärt sie noch ein­mal aus­führ­lich, wel­chen Bus und wel­che Metro­li­nie wir neh­men soll­ten. Ein letz­tes Win­ken und schon ist sie in der Men­ge ver­schwun­den. Ste­fie hat Hun­ger, so neh­men wir einen Imbiss bei McDonald’s. Zeit zum Sam­meln. Sam­mel­zeit ist Lern­zeit. Ich wer­de über den Big-Mac-Index auf­ge­klärt. So kos­tet ein Bur­ger in Deutsch­land im Juli 2018 4,44€, am Flug­ha­fen Pul­ko­wo bezah­len wir dafür 2,10€.

Nun sind wir in St. Peters­burg und ste­hen vor der Auf­ga­be, in unser gebuch­tes Hotel zu kom­men. Mit einem Taxi wäre das kein Pro­blem, aber auch ohne jede Her­aus­for­de­rung. Unser Drang nach Selbst­stän­dig­keit führt zunächst zu einem der Ticket­schal­ter für den öffent­li­chen Nah­ver­kehr. Tors­ten über­nimmt die­sen Part. Nach ein paar Ver­su­chen hat jeder von uns für 360 Rubel  einen 10er Fahr­schein in der Hand.  Jetzt zum Bus. Wo fährt der 39er Bus ab? Die Hal­te­stel­le ist leicht zu fin­den. Schon kommt der nächs­te Bus. Die Fahrt dau­ert eine gute hal­be Stun­de.

An der Sta­ti­on „Mos­kow­ska­ja“ stei­gen wir in die Metro um. Mit unse­ren Roll­kof­fern trei­ben wir mit der Men­schen­men­ge mit, ohne Schub­sen und Sto­ßen, geht es in Rich­tung einer Roll­trep­pe, die mit bemer­kens­wer­ter Geschwin­dig­keit in die Tie­fe führt, ohne dass deren Ende anfäng­lich sicht­bar ist. Alles ist gut aus­ge­schrie­ben. Wir suchen die Linie 2, mit der wir bis „Nevs­kij Pro­spekt“ fah­ren, von dort geht es wei­ter mit der Linie 3 bis „Vasi­le­ostrovs­ka­ja“. Es ist nur eine Sta­ti­on, aber die will und will kein Ende neh­men. Tors­ten freut sich: Habe ich ja gesagt, hier ist alles grö­ßer.

 

Big-Mac-Index

Das Bri­ti­sches Wirt­schafts­ma­ga­zin „The Eco­no­mist“ hat­te 1986 die Idee, ein Kauf­kraft­ver­gleichs­por­tal zu erstel­len auf der Basis eines Pro­duk­tes, das es in den meis­ten Län­der der Erde in ver­gleich­ba­rer Form gibt: den Bur­ger Big Mac. Was kos­tet aktu­ell ein Big-Mac-Bur­ger aktu­ell in dem Land X? Die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den aktua­li­sier­te Über­sicht ver­an­schau­licht auf ein­fa­che Wei­se die Kauf­kraft des Dol­lars und ent­spre­chend umge­rech­net die des Euros. Das ist kein har­ter finanz­tech­ni­scher Index, aber für Tou­ris­ten eine durch­aus inter­es­san­te Ori­en­tie­rungs­grö­ße.

 

Die Metro bringt uns auf die Vas­si­lievs­ky Insel, einem Stadt­teil von Peters­burg. Eine kur­ze Ori­en­tie­rung auf der Kar­te, dann rol­len wir mit unse­ren Kof­fern auf dem Sred­nij Pro­spekt in Rich­tung Hotel.

Auf der Stra­ße sind Bau­ar­bei­ten in vol­lem Gan­ge. Das Gleis­bett der Stra­ßen­bahn wird erneu­ert. Was für ein Gewu­sel. Es riecht nach Teer.

Wir müs­sen rechts in die 11. Linie abbie­gen. Hier ist es ruhi­ger. Was sofort auf­fällt sind die vie­len klei­nen Läden mit all­täg­li­chen Din­gen. Das ist ja prak­tisch. Nach gut 10 Minu­ten ste­hen wir vor dem Nas­ho­tel (= “Unser Hotel”). Oho, das Hotel ist auf Tri­pad­vi­sor mit 9,1 Punk­ten bewer­tet. Da bin ich ja mal gespannt. 

Nas­ho­tel 

Nach dem Ein­che­cken machen wir uns gegen 16 Uhr zu einem ers­ten Spa­zier­gang auf. Es dau­ert auch nicht lan­ge und wir ste­hen am Ufer der Newa. Ein U-Boot und zwei Kreu­zer lie­gen vor Anker. Spä­ter erfah­ren wir, dass in der ver­gan­ge­nen Woche eine Mili­tär­pa­ra­de oder Ähn­li­ches statt­ge­fun­den hat. Die meis­ten Schif­fe hät­ten Peters­burg schon wie­der ver­las­sen.

Unser Spa­zier­gang dehnt sich aus, vor­bei an zwei his­to­ri­schen Leucht­tür­men, Rostral­säu­len. Über­all sind noch die Sym­bo­le der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft zu bewun­dern. Wir kom­men zum Men­schi­kow-Palais. Men­schi­kow, Freund und Bera­ter des Zaren Peter I. Vor nicht all­zu lan­ger Zeit hat­te ich noch ein­mal die zwei Bän­de „Peter der Ers­te“ von Ale­xej Tol­stoi gele­sen. Lei­der ist Tol­stoi gestor­ben, bevor er die­ses Werk voll­enden konn­te. Am gegen­über­lie­gen­den Ufer der Newa leuch­tet die gol­de­ne Kup­pel der Isaac-Kathe­dra­le. 

Es war ein lan­ger Tag. Jetzt mel­det sich der Magen. Auf der Suche nach einer Gast­stät­te ent­de­cken wir auf dem Sred­nij Pro­spekt „Dve Palot­sch­ki“ („Zwei Schwal­ben“). Spei­se­kar­te und Ambi­en­te sehen viel­ver­spre­chend aus. Die Erwar­tung wird auch bestä­tigt. Das gesam­te Ser­vice­per­so­nal sind jun­ge, sehr enga­gier­te Leu­te. Kurz gesagt: Eine ange­neh­me Rund­um­be­treu­ung. Ste­fie ist glück­lich. Es gibt das von ihr so gelieb­te Sushi. Ein Lob dem Koch: Sehr schmack­haf­tes Essen. Dazu rus­si­sches Bier (Cha­mow­ni­ki) und abschlie­ßend für jeden ein Espres­so: Für alle zusam­men 2450 Rubel. (ca. 30€).   
  

Inzwi­schen ist es dun­kel gewor­den. Aber immer noch som­mer­lich warm. Plötz­lich knallt es. Blit­ze zucken am Him­mel. Ein Feu­er­werk. Wie schön. Als wäre es für uns.

Kei­ner ist so rich­tig müde. So machen wir noch einem Abste­cher in das Hotel „Sokol“, das auf unse­rem Weg liegt, um an der Bar einem Wod­ka zu trin­ken. Schließ­lich sind wir in Russ­land! Drei Wod­ka Stan­dard Pla­tin bit­te! Nasta­ro­vje!  

 

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