Göteborg

12.-14. August 2019

Heute sagen wir Malmö, einer Stadt, die uns sehr gut gefallen hat, Adjö. Auf geht es nach Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens. Eines muss man unbedingt festhalten: Autofahren in Schweden (Ausnahmen sind die drei größeren Städte) ist entspannt. Auf den Autobahnen ohnehin, aber auch auf den wechselseitig zweispurig angelegten Schnellstraßen kommt man trotz Geschwindigkeitsbegrenzung (130kmh/ 110kmh) zügig voran. Und keine Baustellen! Kann man kaum glauben. Wie geht denn das?

Unterwegs machen wir eine kurze Pause an einer Raststätte. Auch wieder eine neue Erfahrung. Obwohl von außen eher unscheinbar, sind neben einer üblichen großen Restauranthalle viele kleine Rückzugsboxen eingerichtet, wo man ganz ungestört vom allgemeinen Trubel essen und sich unterhalten kann. Außerdem gibt es eine Reihe von Konferenz-Apartments.

Die 120 Kilometer liegen bald hinter uns, vor uns Göteborg. Im Navi haben wir die Adresse des gebuchten Hotels eingegeben: Gothia Towers, Mässans Gata 24. Drei Hochhäuser nebeneinander, deren verglaste Fassaden sich in der Sonne spiegeln. In der Eingangshalle vor der Rezeption eine lange Schlange wartender Touristen. Jetzt heißt es sich, in Geduld zu üben. Es dauert eine Weile bis wir eingecheckt und das Auto im Parkhaus sicher abgestellt haben. Nun geht es in die 18. Etage. Dort befindet sich unser Zimmer. Das erste Mal nutzen wir einen der Hausfahrstühle. Aber schon haben wir den Außenfahrstuhl entdeckt. Das ist natürlich viel spannender, an der Fassade hochzufahren und über den gegenüberliegenden Vergnügungspark Liseberg und die Stadt Göteborg zu schauen.

Nach einer Pause starten wir eine erste Erkundungstour. Göteborg hat knapp 600.000 Einwohner. Die Stadt liegt an der Westküste Schwedens am Fluss Göta älf, der vom Vänern See bis in den Kattegat führt. Für uns ist alles neu. Aber wir haben ein Ziel: Das HAGA-Viertel. Mit einem Stadtplan vor der Nase geht es los. Das was sofort auffällt sind unglaublich viele Baustellen. Das betrifft auch die Straßen inklusive das Gleisbett der Straßenbahnen. Wir sind zu Fuß unterwegs. Nach einer Viertelstunde stehen wir auf einem großen Platz, dem Göta Platsen. Geradezu erhebt sich das Kulturhistorische Museum, rechts liegt das Konzerthaus, links das Stadttheater. Von hier aus führt die Hauptstraße, die Kungsportsavenyen, die Anhöhe hinunter in das Altstadtzentrum. Wir folgen dieser Straße ein Stück bis zur Vasagatan, eine mit Bäumen gesäumte Allee. Hier passieren wir am Vasa-Park das Hauptgebäude der Göteborger Universität. Am Kirchplatz endet die Straße an der Sprängkullsgatan. Wir haben das Ziel erreicht. Ein quer über Straße gespanntes Transparent ist nicht zu übersehen. Die Haga Nygata durchzieht als Fußgängerzone das HAGA-Viertel. Überall kleine Restaurants, Cafés, Boutiquen, Läden für Kinderkleidung, Spielzeug, Lederwaren, Kunsthandwerk usw. Leider ist die Zeit schon vorangeschritten. Schließzeit für die meisten Läden. Trotzdem macht es Spaß hier zu bummeln.

Stichwort Essen und Trinken. Es meldet sich der Hunger. So halten wir Ausschau nach einer passenden Gaststätte. Wie immer, wenn man die Qual der Wahl hat, fällt die Entscheidung schwer. Aber sie muss getroffen werden. Kurzentschlossen betreten wir das „Walk in the Park“ in der Linnégatan und staunen nicht schlecht. Was für eine interessante Gaststätte von der Räumlichkeit und – wie wir kurze Zeit später erleben – von den Speisen und der Esskultur. Essen mit einer Schere. Wie soll das denn funktionieren? Es funktioniert! Und es schmeckt! Hier lassen wir es uns gutgehen bevor wir den Rückweg zum Hotel antreten.


Stadtmuseum

Ein neuer Tag. Nach dem Frühstück – in so einem Riesenhotel übrigens auch eine besondere Erfahrung – wollen wir uns in einem der Sightseeing-Busse erst einmal einen Überblick über die Stadt verschaffen. Gegenüber dem Hotelkomplex befindet sich der Korsvägen, ein zentraler Platz mit vielen Haltestellen für Straßenbahnen und Linienbusse. Nach einigem Suchen finden wir den Haltepunkt der Sightseeing-Touren Hop On – Hop Off. Auf dem offenen Oberdeck hat man die beste Aussicht. Vorbei an zwei Sportstadien (Gamla Ullevi und Nya Ullevi) biegt der Bus in die Stampgatan und fährt am Kanal entlang bis zum Drottning-Torget. Es geht weiter zum Gustaf Adolfs Torg, zur Oper und dem mit seiner weiß-roten Fassade so auffällig gestalteten Hochhaus (Skanskaskrapan), zurück zum Königsplatz, dem Startpunkt der Tour. Wir fahren noch weiter ein Stück am Hafen entlang, durch die Altstadt bis zum Gustaf Adolfs Torg. Hier befindet sich das Stadtmuseum, das wir uns anschauen möchten. Mich lockt die Ankündigung, ein Wikinger-Schiff zu sehen. Aber es sind nur marginale Reste vorhanden. Dafür ist die Darstellung der nordischen Gottheiten interessant. Ansonsten können wir dem Museum nicht viel abgewinnen. Ohne Frage es hat eine breite Ausstellungspalette, aber leider kein zeitgemäßes Museumskonzept.

Odin Thor Freyia

der Göttervater, besaß nur ein Auge. Das zweite Auge hatte er Mimir geopfert, um aus dessen Brunnen der Weisheit zu trinken.
Odins Pferd Sleipnir hatte acht Beine und war unglaublich schnell.
Odins Speer hieß Gungnir.

war der Gott des Donners, des Wetters und der Vegetation. Schnell aufbrausend konnte er auch sanft und klug sein.
Thor besaß einen besonderen Hammer: Mjölnir. Wenn er den Hammer warf, traf dieser immer sein Ziel.

die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Sie besaß ein Falkenkostüm, in dem sie unerkannt wie ein Vogel durch die Welt fliegen konnte.
Freyia tröstete die Krieger, wenn diese im Kampf gefallen waren. 


Viermastbarke „Viking“ – im Hintergrund das Hochhaus Skanskaskrapan

Die nahe dem Museum gelegene Anlegestelle für Sightseeing-Boote verleitet uns an einer solchen Tour teilzunehmen. Keine Entscheidung, die man bereuen muss. Die Tour führt erst durch den Stadtkanal und dann in die Göta älf. Zunächst saust es bis zum Lilla Bommen, eine Art Marina. Hier liegt die „Viking“, eine Viermastbarke, vor Anker; heute wohl ein Hotel und ein Restaurant. Natürlich gilt unser Blick dem Hochhaus Skanskaskrapan, dem so genannten „Lippenstift“. Das wollen wir später noch genauer erkunden. Als das Boot in das Hafengelände einschwenkt, spannt der Bootsführer nicht ohne Grund eine Plane vorn auf den Bug. Hier spritzt das Wasser hoch. In Eriksberg wendet das Boot und kehrt zurück. Die Brücken über den Stadtkanal sind so tief, dass wir uns bei einer sogar auf den Bootsboden setzen müssen, um diese unbeschadet zu passieren.

In Feskekôrka verlassen das Boot und begeben uns in die Markthalle. In dieser ehemaligen Fischhalle kann man diverse Lebensmittel und Leckbissen kaufen und auch gleich vor Ort essen. Das machen wir. Danach steigen wir noch einmal in eines der Sightseeing-Boote, um bequem zum „Lippenstift“ zu gelangen. Noch stolz auf diese gute Idee werden wir bald ziemlich enttäuscht. Ab 16 Uhr findet kein Publikumsverkehr mehr statt. Schade. Die Zeit ist überschritten. Wir wollten doch unbedingt auf die Aussichtsplattform. So bummeln wir durch ein riesiges Shopping-Center, durch ein Einkaufsviertel und treffen mittendrin auf den Göteburger Dom. Der ist (noch) geöffnet und wir treten ein.

Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir für das Abendessen bei einem Italiener in der Kungsportsavenyen Halt. In einem Kellergewölbe erstreckt sich ein ausgedehnter Gastraum. Alles sehr schick. Als wir den Tag Revue passieren lassen, wird schnell klar, Göteborg ist keine Stadt, die einen auf den ersten Blick gefangen nimmt. Hier braucht es etwas mehr Zeit, um sich Besonderheiten zu erschließen.

 

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