Fahrt in die Sächsische Schweiz – Wanderung auf die Bastei

01. Novem­ber 2018

Unweit von Dres­den erhebt sich am Ufer der Elbe das Elb­sand­stein­ge­bir­ge. Das ist natür­lich ein tol­les Aus­flugs­ziel. So steht eine Tages­tour in den Natio­nal­park Säch­si­sche Schweiz auf dem Plan; genau­er: Wir wol­len auf die Bas­tei wan­dern. Die­se ist mit 305 Meter zwar bei wei­tem nicht der höchs­te Berg, aber wun­der­voll in die Natur ein­ge­bet­tet. Der mit 723 Meter höchs­te Berg , der Gro0e Schnee­berg, liegt in der Böh­mi­schen Schweiz. In der Säch­si­schen Schweiz gehö­ren u.a. der Gro­ße Win­ter­berg (556m), die Schramm­stei­ne (425m), der Lili­en­stein (415m) und der König­stein (360m) zu den bekann­ten Erhe­bun­gen. Ganz sicher zählt auch der Zir­kel­stein dazu, nicht durch sei­ne Höhe, son­dern weil Cas­par David Fried­rich (1774–1840), der Maler der Roman­tik ihn als Motiv gewählt hat: “Der Wan­de­rer über dem Nebel­meer” (1818).

Elb­sand­stein­ge­bir­ge

ist ein Mit­tel­ge­bir­ge, eine zer­klüf­te­te, län­der­über­grei­fen­de, vor­wie­gend aus Sand­stein bestehen­de Fels­for­ma­ti­on. Der in Deutsch­land lie­gen­de Gebirgs­teil ist als Säch­si­sche Schweiz bekannt, der sich in Tsche­chi­en befin­den­de nord­böh­mi­sche Teil wird als Böh­mi­sche Schweiz bezeich­net. 

Nach dem Früh­stück fah­ren wir gegen 10 Uhr mit der Tram 10 bis zum Haupt­bahn­hof. Von dort geht es mit der S1 in die Säch­si­sche Schweiz nach Rathen. Zur Freu­de von Arvid fährt ein Dop­pel­stock­zug ein. Natür­lich sit­zen wir oben.

Nach 30 Minu­ten Fahr­zeit errei­chen wir den Kur­ort Rathen. Schon von wei­tem grü­ßen wür­de­voll impo­san­te Sand­stein­mas­si­ve, die das male­ri­sche Städt­chen umschlie­ßen.

Die meis­ten Zug­rei­sen­den, die hier aus­ge­stie­gen sind, wis­sen wohl, wie es lang geht. Ohne zu zögern machen sie sich auf den Weg. Das Bes­te ist, wir schlie­ßen uns ein­fach an. Und in der Tat, die klei­ne Kara­wa­ne steu­ert direkt auf die Elbe zu. Jetzt kom­men mei­ne Erin­ne­run­gen wie­der:

Wir müs­sen die Elbe über­que­ren! Unser Ziel, die Bas­tei, liegt auf der ande­ren Elb­sei­te. Und dort befin­det sich jetzt auch die Fäh­re. Wäh­rend ich noch mei­nen Gedan­ken nach­hän­ge, setzt sie sich in Bewe­gung, ohne dass ein Moto­ren­ge­räusch den Start signa­li­siert. Es han­delt sich um eine Gier­seil­fäh­re, die von der Strö­mung über den Fluss getrie­ben wird.

Gier­seil­fäh­re Kur­ort Rathen
Am Grün­bach

 Fahr­prei­se
Erwach­se­ne: 1,20€
Hin- und Zurück: 2€
Kind: 0,50€
Hin- und Zurück: 0,80€

 Fahr­zei­ten
Som­mer: Mo-Fr 4:30 – 1:00 Uhr; Sb/So 5:30 – 1:00 Uhr
Win­ter: Mo-Fr 4:30 – 23:45 Uhr; Sb/So 5:30 – 23:45 Uhr

Ein Wan­der­schild zeigt uns in Rathen den Weg. Noch ein paar Schrit­te durch die Stadt, dann geht es immer berg­auf. Es ist ein ange­neh­mer Wan­der­weg mit­ten durch den Wald, nicht zu steil und ab und an laden Bän­ke zum Aus­ru­hen ein. Arvid hat es ohne­hin nicht eilig. Es gibt viel zu ent­de­cken. Und so stürmt er mal vorn­weg, mal umkrei­selt mich mit sei­nen Fund­stü­cken, mal bleibt er ste­hen, um zu foto­gra­fie­ren. Plötz­lich hören wir klas­si­schen Lied­ge­sang. Die Klän­ge kom­men näher. Dann sehen wir ihn, einen Mann, der am Weges­rand steht und aus vol­ler Keh­le in den Wald hin­ein­singt. Die ihn pas­sie­ren­den Wan­de­rer schei­nen ihn nicht zu stö­ren. Arvid schaut ihn halb bewun­dernd, halb miss­trau­isch an: Was der sich traut!
Wei­ter geht es. Jetzt errei­chen wir die mit­tel­al­ter­li­che Fel­sen­burg Neura­then, ein Kul­tur­denk­mal in der Säch­si­schen Schweiz. Der Ein­tritt kos­tet 1€. Wahr­lich nicht viel. Wahr­schein­lich, weil bestimm­te Burg­area­le noch rekon­stru­iert wer­den und damit nicht zugäng­lich sind. Es han­delt sich um eine Höhen­burg aus dem 13. Jahr­hun­dert auf dem Fels­mas­siv Bas­tei. Bis zu 300 Men­schen mit­samt ihren Haus­tie­ren konn­ten hier leben. Spä­ter wur­de die Burg von Raub­rit­tern genutzt, die die Han­dels­we­ge der Umge­bung unsi­cher gemach­te haben. Wäh­rend des 30jährigen Krie­ges nut­zen die Ein­woh­ner der umlie­gen­den Dör­fer die Burg als Zufluchts­ort. Heu­te ist die Burg­rui­ne ein Frei­licht­mu­se­um.

Wir durch­strei­fen die Burg, wobei Klet­ter­küns­te und Schwin­del­frei­heit durch­aus von Vor­teil sind. Ich ent­de­cke eine Blie­de, also eine Stein­wurf­ma­schi­ne.

Das kann man sich wie ein rie­sen­gro­ßes Kata­pult vor­stel­len, das einen 50 Kilo­gramm schwe­ren run­den Wurf­stein bis zu 100 Meter schleu­dern kann.

So ein Gerät hat­te ich schon ein­mal gese­hen. Das war auf der Ron­ne­burg in Wei­ßen­see bei Erfurt. Aber der Kul­tur­be­trieb auf die­ser Burg, die übri­gens sehens­wert und his­to­risch inter­es­sant ist, wur­de schon vor Jah­ren ein­ge­stellt.

Von der Fel­sen­burg ist es nicht mehr weit bis zur Bas­tei­brü­cke. Was für ein Aus­blick auf das Elb­tal und die Höhen­zü­ge des Elb­sand­stein­ge­bir­ges.
Gigan­tisch! Der König­stein mit der namens­glei­chen Fes­tung ist auf dem gegen­über­lie­gen­den Ufer der Elbe zuse­hen. Hier wur­de auch Johann Fried­rich Bött­ger (1682–1719) eine Zeit­lang gefan­gen gehal­ten, um das ver­spro­che­ne Gold her­zu­stel­len. Bekann­ter­ma­ßen hat er bei sei­nen alche­mis­ti­schen Ver­su­chen eine Rezep­tur zur Her­stel­lung von Por­zel­lan, dem wei­ßen Gold, ent­deckt und wur­de zum Grün­dungs­ad­mi­nis­tra­tor der Meiß­ner Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur. Wir sehen auch den Lili­en­stein, des­sen Gip­fel der säch­si­sche Kur­fürst August der Star­ke im Jah­re 1708 erklom­men hat. Heu­te erin­nert dort ein Obe­lisk an das Herr­scher­haus Wet­tin. Den kön­nen wir nicht sehen, obwohl er mit 16 Meter Höhe auch nicht gera­de klein ist.

Nach einer Mit­tags­pau­se an der Berg­ho­tel­bau­de machen wir uns über die Schwe­den­lö­cher an den Abstieg. Die­ser schluch­ten­ar­ti­ge Weg hat es in sich und ist lan­ge nicht so mode­rat wie der Auf­stieg von Rathen aus. Er ist her­aus­for­dernd und außer­or­dent­lich inter­es­sant. Was die Natur hier geschaf­fen hat. Die­se Viel­falt der fel­si­gen For­men, tie­fe Schluch­ten, Fel­sen­tür­me, Höh­len. Gut, dass wir die­sen Weg nicht als Auf­stieg gewählt haben – geht mir immer wie­der durch den Sinn. Aller­dings ist er seit mehr als 100 Jah­ren als Wan­der­weg aus­ge­baut. Wie das wohl vor­her aus­sah? Auf jeden Fall wur­den die­se Schluch­ten von der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung genutzt, um sich und das eige­ne Hab und Gut in Kriegs­zei­ten in Sicher­heit zu brin­gen; so auch im 30jährigen Krieg vor den maro­die­ren­den schwe­di­schen Sol­da­ten.

Arvid ist voll in sei­nem Ele­ment, klet­tern, foto­gra­fie­ren, stau­nen.

Im Tal tref­fen wir auf einen klei­nen Gebirgs­bach, den Grün­bach, der zum „Amsel­see“ ange­staut wird. Heu­te ist hier alles ruhig. Aber im Som­mer kann man Kahn­fahr­ten unter­neh­men und im Win­ter auf dem zuge­fro­re­nen See Schlitt­schuh­lau­fen- Klingt alles gut. In der Nähe liegt auch die Fel­sen­büh­ne Rathen. Ein Schild weist den Weg.

Rathen hat uns wie­der. Zuerst bum­meln wir ganz gemäch­lich durch die bun­ten Stra­ßen. Aber dann geht es plötz­lich ganz schnell. Wir sehen, dass der Fähr­mann able­gen und neh­men die Bei­ne in die Hand, um die Fäh­re noch zu errei­chen. Glück gehabt. Wir sind die letz­ten Pas­sa­gie­re die­ser Über­fahrt.

Auf dem Bahn­hof haben wir eine klei­ne War­te­pau­se, ehe die S1 fahr­plan­mä­ßig ein­fährt und uns zurück nach Dres­den bringt.

Gegen­über dem Haupt­bahn­hof hat mit dem Café Ach­ter­bahn eine inter­es­san­te Gast­stät­te eröff­net. Dort wol­len wir zu Abend essen. Das geht aber so spon­tan lei­der nicht. Alle Plät­ze sind schon reser­viert. Na so etwas! Also ver­schie­ben wir unse­ren Besuch auf mor­gen – natür­lich mit Reser­vie­rung.

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