Erst Schwarzwaldmuseum, dann Straßburg

 

 04.09.16
1-blumbauerhof-1Ers­te Über­nach­tung in einem typi­schen Schwarz­wald­haus. Das ist schon etwas Beson­de­res. Ursprüng­lich waren die­se Häu­ser als Kom­bi­na­ti­on von Woh­nen, Arbei­ten und Stal­lun­gen unter einem Dach kon­zi­piert und den Wit­te­rungs- und Land­schafts­be­din­gun­gen des Schwarz­wal­des ange­passt: Das Haus wur­de meist in einen Hang gebaut. Sein Walm­dach ist an den Sei­ten als Schutz vor Regen, Schnee und Wind weit her­un­ter­ge­zo­gen. Vorn und oft auch an den Sei­ten befin­den sich lan­ge, blu­men­ge­schmück­te Bal­ko­ne.

Wir woh­nen in einem Guta­cher Schwarz­wald­haus, einem von sie­ben ver­schie­de­nen Schwarz­wald­haus­ty­pen. Das Haus wur­de mit der Zeit mehr­mals umge­baut und den Bedürf­nis­sen sei­ner Bewoh­ner ange­passt, aller­dings blieb sein Cha­rak­ter dabei weit­ge­hend erhal­ten. Das merkt man, wenn man in der Stu­be sein Früh­stück ein­nimmt. In der Ecke steht ein gro­ßer Kachel­ofen, um den oben her­um ein Holz­ge­stell ange­bracht ist, das sicher zum Trock­nen von Sachen gute Diens­te leis­tet. Dar­un­ter lädt eine Holz­bank, die Ofen­bank, zum Sit­zen ein. Das Haus ist bis auf den Kel­ler als Holz gebaut, es ist innen mit Holz ver­tä­felt und das Mobi­li­ar ist eben­falls aus Holz und mit Schwarz­wäl­der Motiv-Intar­si­en ver­se­hen. Alles ist auf­ein­an­der lie­be­voll abge­stimmt. 🙂 

2-schwarzwaelder-freilichtmuseum-42Nach einem reich­hal­ti­gen Früh­stück (vie­les aus eige­ner Pro­duk­ti­on) machen wir uns auf den Weg in das Schwarz­wäl­der Frei­licht­mu­se­um, den Vogt­bau­ern­hof, zwi­schen Hau­sach und Gut­ach direkt an der B33 gele­gen. Der Ein­tritt kos­tet 4,50€. Auf dem weit­läu­fi­gen Muse­ums­ge­län­de sind sechs voll­stän­dig ein­ge­rich­te­te Schwarz­wald­hö­fe, ein Tage­löh­ner­haus, 15 Neben­ge­bäu­de und alte Pro­duk­ti­ons­stät­ten, die an ihren ursprüng­li­chen Stand­or­ten abge­baut wur­den, wie­der auf­ge­baut wor­den, sodass sich der Besu­cher die tra­di­tio­nel­le Lebens­wei­se der hier ansäs­si­gen Men­schen in den letz­ten Jahr­hun­der­ten anschau­lich erschlie­ßen kann. Es war sicher kein leich­tes Leben.

  
Wir haben Glück. Es ist Sonn­tag und Akti­ons­tag. Auf dem Muse­ums­ge­län­de wer­den vie­le Ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten: Kochen und Essen nach Schwarz­wäl­der Art, Äpfel mos­ten, ver­schie­de­ne Hand­werks­leis­tun­gen wie Stroh­ket­ten flech­ten, Besen bin­den. Wir kau­fen eine Bürs­te mit Zie­gen­haar, die uns mit unüber­treff­li­chen Staub­wi­sch­ei­gen­schaf­ten ange­prie­sen wird. Wir wer­den sehen.

2-schwarzwaelder-freilichtmuseum-5Natür­lich feh­len auch nicht die Tie­re, die aus einen Bau­ern­hof gehö­ren: Pfer­de, Kühe, Zie­gen, Kanin­chen, Gän­se, Enten, Bie­nen. Eine Blä­ser­ka­pel­le spielt zur Unter­hal­tung auf, eine Frau in Schwarz­wäl­der Tracht spielt die Dreh­or­gel. Im Muse­ums­shop (der darf natür­lich nicht feh­len), ent­de­cken wir einen Bom­men­hut, den typi­schen Hut der Schwarz­wäl­der Tracht. Doch davon erzäh­le ich spä­ter. Es ist etwas los auf dem Muse­ums­ge­län­de. Wir blei­ben etwa 2,5 Stun­den.

 

 

 

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Bom­men­hut für eine unver­hei­ra­te­te Frau

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Dreh­or­gel­spie­le­rin

 

Nach dem Mit­tag­essen star­ten wir zu unse­rem zwei­ten Tages­ziel: Straß­burg. Auf nach Frank­reich, unse­rem eigent­li­chen Rei­se­land. Heu­te zwar nur ein Abste­cher in den Elsass, aber der ers­te Schritt ist getan. Nach 65km errei­chen wir nach Pas­sie­ren der Euro­pa­brü­cke über den Rhein Straß­burg. Ein biss­chen Suchen im Stadt­zen­trum, dann par­ken wir in einem der Park­häu­ser. Straß­burg liegt an der Ill, eine bedeu­ten­de euro­päi­sche Stadt, die u.a. den Euro­pa­rat, das Euro­pa­par­la­ment und den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te beher­bergt. Auch nicht unin­ter­es­sant, hier pro­du­ziert der deutsch-fran­zö­si­sche Fern­seh­sen­der ARTE sei­ne Sen­dun­gen.

3-strassbourg-1Die Alt­stadt liegt auf einer gro­ßen Insel, die von den Armen der Ill umflos­sen wer­den: Als wir die Brü­cke zur Alt­stadt über­que­ren, wer­den wir auf Aus­flugs­schif­fe auf­merk­sam, die am Kai fest­ge­macht haben und auf wohl auf Fahr­gäs­te war­ten. Aber für eine Boots­fahrt spielt das Wet­ter nicht mit.

 

Hat­te im Schwarz­wald­mu­se­um noch die Son­ne geschie­nen, trübt sich jetzt das Wet­ter zuneh­mend ein. Lei­der, nicht gut für Tou­ris­ten, nicht gut zum Foto­gra­fie­ren. Natür­lich wol­len wir in der weni­gen Zeit, die uns für Straß­burg zur Ver­fü­gung steht, unbe­dingt das welt­be­kann­te Müns­ter sehen. Schon von wei­tem erbli­cken wir sei­ne Tür­me. Als wir den Place du Chá­teau errei­chen und uns noch ori­en­tie­ren, vor uns das Lieb­frau­en-Müns­ter (La Cathé­dra­le Not­re-Dame), hin­ter uns das Chá­teau des Rohan, erklingt Musik. Nicht nur wir blei­ben ste­hen, die Musik wird zuneh­mend lau­ter. Eine Trach­ten­grup­pe erscheint mit zwei in Weiß geklei­de­ten Musi­kan­ten. Auf dem Platz neh­men sie Auf­stel­lung und begin­nen zu tan­zen. Schnell wächst die Men­ge der Zuschau­er. Die Tän­ze­rin­nen und Tän­zer tra­gen elsäs­si­sche Tracht und tan­zen zu Folk­lo­re­klän­gen.

 

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3-strassbourg-muenster-3Als die Grup­pe wei­ter­zieht, wen­den wir uns dem Müns­ter zu, ein impo­san­ter goti­scher Kir­chen­bau aus Sand­stein, der 2015 sein 1000järiges Jubi­lä­um fei­er­te, mit zwei Tür­men. Der Nord­turm ist 142 Meter hoch, der Süd­turm wur­de nie voll­endet. Er wirkt wie abge­schnit­ten. Er ist begeh­bar und sein Erklim­men ver­spricht eine gran­dio­se Aus­sicht über die Stadt. Doch sowohl die Hin­wei­se auf ein beschwer­li­ches Unter­fan­gen als auch das trü­be Wet­te las­sen uns davon Abstand neh­men. Nach kur­zer Zeit des Anste­hens betre­ten wir das Müns­ter. Vie­les ist hier zu bewun­dern an archi­tek­to­ni­scher und hand­werk­li­cher Kunst. So die Gestal­tung der Blei­glas­fens­ter, die aus wei­ßem Sand­stein bestehen­de Kan­zel, die Sil­ber­mann-Orgel mit ihrem ver­gol­de­ten Gehäu­se und die Astro­no­mi­sche Uhr mit dem Engels­pfei­ler. 

 

Nach die­sem inten­si­ven Kul­tur­er­leb­nis las­sen wir uns für eine Kaf­fee­pau­se in einem der Restau­rants gegen­über dem Müns­ter nie­der. Wir sit­zen drau­ßen, doch als es anfängt zu nie­seln, wird es unge­müt­lich. Da kommt die Mini-Tram gera­de recht. Sie hält direkt neben dem Müns­ter. Straß­burg sehen und tro­cken blei­ben. So tuckern wir durch die Alt­stadt.

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Johan­nes-Guten­berg-Denk­mal

Am Guten­berg-Platz hören wir, dass hier die ers­te Dru­cke­rei, die nach von Johan­nes Guten­berg erfun­de­nen Buch­druck­tech­nik arbei­te­te, gegrün­det wur­de. Aha!

 

 

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Nach vier Stun­den Straß­burg machen wir uns auf den Heim­weg, eine Rück­fahrt im Regen. Das Abend­brot neh­men wir im Röss­le ein: Lot­ti pro­biert den Flamm­ku­chen, ich wäh­le das Schwei­ne­fi­let. Dazu ein dunk­les Ket­te­rer. Alles gut.

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