Neue Nationalgalerie: El Siglo de Oro

Ausstellung „EL SIGLO DE ORO“ in der Neuen Nationalgalerie
vom 1. Juli – 30. Oktober 2016

Kulturforum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Das „goldene Zeitalter“ der spanischen Kunst: Die Ära Diego Velázquez

Neue Nationagalerie-2Es ist schon eine merkwürdige Sache. Als Spanien im 17. Jahrhundert seine politische Vormachtstellung verlor, erlebte die spanische Kunst ihre größte Blütezeit.

Unter der Regentschaft Philipps II. (1527-1598) hatte sich Spanien zum mächtigsten Land der westlichen Erdhalbkugel entwickelt. Sein Territorium und Einfluss erstreckten sich über fünf Kontinente. Die Ausbeutung der Kolonien brachte Spanien einen unermesslichen Reichtum, aber auch viele innere und äußere kriegerische Auseinandersetzungen. Insbesondere die protestantischen Reichsfürsten der Reformationsbewegung wehrten sich gegen das spanisch-katholische Diktat. Spanien wurde unter Philipp II. zum Bollwerk der katholischen Gegenreformation. Eines ihrer Hauptunterdrückungsinstrumente war die spanische Inquisition. 

Wie kann in einer derartig schwierigen politisch-gesellschaftlichen Situation das künstlerische Schaffen erblühen? War es der extreme Gegensatz von konservativem Katholizismus und reformatorischem Protestantismus, der Künstler so herausforderte? Was waren ihre Motive? Mahnende Bewahrung (z.B. die von Gregorio Fernández geschaffene Figurengruppe „Kreuzzug Christi“), Verdrängung, den Schein aufrecht erhalten (Bildnis der „Königsfamilie“ von Diego Velázques), Eingeständnis der vergänglichen Macht (Bildnis „Mars“ von Diego Velázques), die Unzerstörbarkeit menschlicher Würde („Die heilige Margareta von Antiochien“ von Francisco de Zurbarán).

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Velázquez 1632: Philipp IV.

Diego Velázquez (1599-1660) war der führende Maler des spanischen Barock, der Epoche, die heute als das goldene Zeitalter der spanischen Kunst bezeichnet wird. Er wird mit 24 Jahren am Königshaus Philipp IV. Hofmaler, eine Position, die er bis zu seinem Tode innehat. Zudem war er  Schlossmarschall und damit verantwortlich für alle künstlerischen Belange, wie Theater – und Musikaufführungen, Dekoration von Schlössern und Räumen, Pflege und Gestaltung von Sammlungen.

Die Ausstellung „El Siglo de Oro“ gibt einen umfassenden Einblick in diese barocke Schaffensperiode. Sie ist dienstags, mittwochs und freitags von 10-18 Uhr, donnerstags von 10-20 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11-18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 14€. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr haben freien Eintritt. Öffentliche Führungen für Einzelbesucher werden dienstags bis freitags um 16 Uhr sowie sonnabends und sonntags um 14.30 Uhr und 16 Uhr angeboten. Die Teilnahmegebühr beträgt 4€.

Leider dürfen in der Ausstellung keine Fotos gemacht werden. Aber das ist auch verständlich.

Dem Besucher stehen kostenlose Audioguides zur Verfügung. Die erklärenden Texte, übrigens von dem Schauspieler Daniel Brühl gesprochen, konzentrieren sich auf wesentliche Elemente und sind auch für Kunstlaien nachvollziehbar und aufschlussreich. Ein Gang durch eine Gemäldegalerie kann durch anstrengend sein. Klapphocker, die der Besucher mit in die Ausstellung nehmen kann, stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es in den Ausstellungssälen Bänke, die zum Verweilen einladen. Nach meiner Erfahrung kann man den Erklärungstexten des Audioguides im Sitzen besser folgen.

Wenden wir uns der Hauptsache, den Exponaten, zu. Die Ausstellung präsentiert die Vielfalt der spanischen Malerei und Bildhauerkunst dieser Zeit. Die Werke stammen zu großen Teilen aus den Kunstzentren Madrid, Toledo, Valencia, Sevilla, Granada und Cordoba. In der Ausstellung werden 135 Meisterwerke der Malerei und Skulptur gezeigt; darunter die von berühmten Malern wie Diego Velázquez, El Greco, Bartolomé Esteban Murillo, Tizian, Francisco de Zerbarán und welche von vielleicht weniger bekannten wie Diego Polo, Pedro Orrente, Jusepe Leonardo, Jusepe de Ribera, Alonso Cano, Juan Maino, Antonio Puga, Juan de las Ruelas.

Einen bemerkenswerten Höhepunkt des Rundgangs bildet die Skulpturengruppe des Prozessionszuges „Kreuztragung Christi“ von Gregorio Fernández. In einem ringsum abgedunkelten Raum steht diese lebensgroße Skulpturengruppe im Licht. Fünf Personen sind dargestellt: Christus, das Kreuz tragend, Simon von Cyrene, Veronika und zwei Soldaten. Ganz erstaunlich wie sorgfältig und genau die Künstler alle Details herausgearbeitet haben. Die Figuren wirken realistisch lebensecht. Das lässt sich auch von allen anderen in der Ausstellung gezeigten Skulpturen sagen; sie sind so fein gearbeitet, als hatte man sie in einem Wachsfigurenkabinett nachgestaltet. Normalerweise befindet sich die Skulpturengruppe „Kreuztragung Christi“ im Museum von Valladolid (Museo Nacional Colegio de San Gregorio). Einmal im Jahr, in der Karwoche, wird sie zur Prozession durch die Stadt gefahren. Jetzt ist sie hier in Berlin neben den vielen herausragenden Gemälden, die als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden, zu besichtigen.

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