Ein Besuch im Kreml

05. August 2018

Türme der Basilius-Kathedrale

Wieder ein Tag voller Sonnenschein. Heute ist der Kreml unser Ziel. Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg, den wir seit gestern gut kennen. Nach einer Stunde stehen wir vor der Kreml-Mauer gegenüber der Basilius-Kathedrale, deren Zwiebeltürme in der Sonne um die Wette glänzen. Ihr Bau wurde 1552 von dem Zaren Iwan der Schreckliche in Auftrag gegeben. Sie ganz sicher einen Besuch wert, aber wir wollen in den Kreml und rechnen mit einer entsprechenden Wartezeit. Aber wo ist der Eingang? Wir entscheiden uns für die Eingangssuche, links um die Kreml-Mauer zu gehen.

Oft schon im Fernsehen gesehen und nun stehen wir hier: Der Rote Platz, seit 1990 UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Riesengerüst wird abgebaut. Auf dem Platz selbst ist ein Gewusel. Direkt an der Kreml-Mauer befindet sich das aus rotem Granit errichtete Lenin-Mausoleum. Daneben haben sich Menschen in einer Schlange aufgereiht. Sie wollen den Ehrenfriedhof besichtigen. Es gibt 12 Einzelgräber, wo u.a. Stalin und Breschnew bestattet sind. In der Gemeinschaftsgrabanlage haben u.a. der amerikanische Schauspieler John Reed und die norwegische Sozialdemokratin Augusta Aasen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Links und rechts sind Urnengräber in Gedenken u.a. an Lenins Frau, Nadeshda Krupskaja, die Frauenrechtlerin Clara Zetkin, den Kosmonauten Juri Gagarin, den Schriftsteller Maxim Gorki in die Mauer eingelassen. Heute finden dort keine Beisetzungen mehr statt. Der Ehrenfriedhof ist eine Gedenkstätte.

Stefie hat das Kaufhaus GUM entdeckt. Nur einmal durchgehen, nur so zum Gucken. Wir wollen in den Kreml, aber einmal das GUM durchqueren, das muss jetzt sein. An jedem der 10 Eingänge muss man eine Sicherheitskontrolle passieren. Das Kaufhaus ist mit 250 Meter Länge und 88 Meter Breite ein außerordentlich imposanter Gebäudekomplex, der drei Etagen umfasst. Hier sind in so genannten Längs- und Querpassagen, die mit Brücken und Rolltreppen miteinander verbunden sind, an die 200 Ladeneinheiten untergebracht. Sowohl die Architektur der Außenfassade als auch die Gestaltung des Innenraumes sind beeindruckend. Die Preise auch. Die Waren sind für gutbetuchte Kunden gedacht.

Ich glaube, wir haben den Kreml zur Hälfte umrundet als wir den Alexander-Garten, eine ausgedehnte öffentliche Parkanlage entlang der nord-westlichen Kreml-Mauer, erreichen. In der Mitte stoßen wir auf einen Pavillon, in dem die Tickets für eine Besichtigung des Kremls erworben werden können. Endlich! Doch wie funktioniert das Ganze? Es gibt Schalter und Automaten. Man muss sich entscheiden, was man besichtigen möchte: Rüstkammer mit Waffenmuseum und Diamantenschatzkammer, Kreml-Museum, die Kathedralen auf dem Kathedralplatz einschließlich dem Kremlgarten.

Ich entscheide mich für die einfache Variante. Einfach mal hinter die Kremlmauer schauen und die Kathedralen auf dem Kathedralplatz einschließlich dem Kremlgarten zu Gesicht zu bekommen. Stefie hat einen ganz speziellen Wunsch: Sie möchte unbedingt in die Diamantenschatzkammer, wo es u. a. auf einen Schlag sieben der weltberühmtesten Diamanten zu bewundern gibt. Nun haben wir ein Problem: Tickets für Schatzkammer gibt es erst morgen wieder. Aber nach einigem Hin und Her ist eine Lösung gefunden. Ich unternehme meinen Kreml-Trip heute;

Eisstand im Alexanderpark

Stefie und Torsten wollen morgen so pünktlich im Ticketpavillon sein, dass einem Besuch der Diamantenschatzkammer nichts mehr im Wege steht. Die beiden sind mir noch beim Ticketkauf am Automaten behilflich. Wir verabreden uns im Hotel, um gemeinsam Abendessen zu gehen.

 

Der Kreml

ist der älteste Teil Moskaus und war eine Burg. Den Quellen nach stand hier auf einer Anhöhe am Ufer der Moskwa vor über 1100 Jahren eine Holzfestung, die immer mehr ausgebaut und zum politischen und religiösen Zentrum Russlands wurde. Ende des 15. Jahrhunderts erhielt der Kreml eine fast 20 Meter hohe und bis zu über sechs Meter breite Backsteinmauer, in die 20 Türme integriert wurden.

Eingang zum Kreml durch den Dreifaltigkeitsturm

Mit meinem Ticket begebe ich mich vom Pavillon zum gegenüberliegenden Kutafja-Turm, von dem eine Brücke den Alexandergarten überquert und direkt zum Dreifaltigkeitsturm, dem Eingang für alle „normalen“ Besucher des Kremls, führt.

Öffnungszeiten

Täglich, außer donnerstags
Mai – 30. September:
10-18 Uhr
Oktober – 14. Mai:
10-17 Uhr

Eintritt

Erwachsene: 500-700 Rubel
Ermäßigt (u.a. Rentner):
250-350 Rubel
Kinder: bis 16 Jahre frei

Nun bin ich tatsächlich im Kreml. Wenn mir das einer vor Jahren prophezeit hätte, na ja. Eine erste Orientierung. Rechts von mir erhebt sich der Staatliche Kremlpalast, in dem auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Der Große Saal bietet 6000 Besuchern Platz.

Gegenüber sind vor dem Arsenal historische Kanonen in Reih und Glied aufgereiht. Für die Besucher sind die Wegstrecken und Aufenthaltsorte genau vorgezeichnet – im wahrsten Sinne des Wortes mit weißen Linien auf dem Asphalt. Voll auf das Fotografieren konzentriert habe ich das gar nicht bewusst wahrgenommen. Ein schrilles Pfeifen lässt mich zusammenzucken. Was ist los? Ein Wachhabender kommt eilig auf mich zu gestürzt und wedelt mit den Armen. Ach, ich bin gemeint? Eine Begrenzung überschritten? Gut, ich werde darauf achten.

Jetzt stehe ich vor der ersten weißgetünchten Kathedrale mit golden glänzenden Kuppeln – ein Bild, das sich neben der Vorstellung von roten Backsteinbauten bei mir mit dem Kreml verbindet: weiße Türme und viele vergoldete Kuppeln. Auch eine Vorstellung von Russisch-Orthodoxen Kirchenbauten. Es ist die Zwölf-Apostel-Kirche, die mit dem Patriarchen-Palast verbunden ist. Ein paar Meter weiter umlagern Touristen die 1586 gegossene 38 Tonnen schwere Zarenkanone, die nie in einem Gefecht einen Schuss abgegeben haben soll. Trotzdem ein gewaltiges Exemplar seiner Art und ein schönes Fotomotiv.

Unmittelbar vor der Zwölf-Apostel-Kirche erstreckt sich der Kathedralplatz umgeben von der mit fünf vergoldeten Kuppeln geschmückten Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale, der mit nur eine Kuppel tragenden Mariä-Gewandniederlegungskirche, dem 81 Meter hohen Glockenturm „Iwan der Große“, der im italienischen Renaissancestil erbauten Erzengel-Michael-Kathedrale, dem Facettenpalast und der mit sage und schreibe neun vergoldeten Kuppeln ausgestatteten Mariä-Verkündigungskirche. Eine besondere Bedeutung kommt der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale zu, wurden hier doch die Krönungen der Zaren vorgenommen.

Nicht weit von der Zarenkanone entfernt stoße ich auf eine Riesenglocke aus Bronze – die Zarenglocke, eine 216 Tonnen schwere Glocke mit einem Durchmesser von 6,6 Meter. Unglaublich! Doch die Glocke ist beschädigt. Ein großes Stück ist aus der Wandung herausgebrochen. Das passierte 1737, ein Jahr nach ihrer Fertigstellung beim Löschen eines Brandes. So hat die Riesenglocke nie ihre Funktion aufnehmen können.

Ich schlendere noch eine Weile durch den gepflegten Kremlgarten bis zum Erlöser-Turm, vielleicht besser bekannt als Spasski-Turm mit seiner weithin sichtbaren Uhr. Das liegt natürlich an der Größe dieser Uhr. Ihr Minutenzeiger ist 3,28 Meter lang. Das muss man sich mal vorstellen. Am Spasski-Turm befindet sich ein Ausgang.

Aber ich verlasse den Kreml noch nicht, sondern spaziere durch den Garten zurück zum Großen Kreml-Palast. In dessen Hauptgebäude befinden sich historische Ordenssäle: Andreassaal, Alexandersaal, Georgensaal, Wladimirsaalund Katharinensaal.

Großer Kreml-Palast

In letztem unterzeichneten 1970 Bundeskanzler Willy Brand, Außenminister Walter Scheel für die Bundesrepublik Deutschland und Ministerpräsident Alexej Kossygin und Außenminister Andrej Gromyko für die Sowjetunion den Moskauer Vertrag, in dem die unterzeichnenden Staaten die nach dem II. Weltkrieg entstandenen Grenzen anerkannten.

Trotz der Pausen im Park – inzwischen spüre ich nachdrücklich meine Füße. So spaziere gemächlich, vorbei an dem Hauptgebäude des Großen Kreml-Palastes, zum Borowizki-Turm, einem der 20 Türme. Hier befindet sich ein weiterer Ausgang.

An dieser Stelle steht in unmittelbarer Nachbarschaft des Kremls auf dem Borowizki-Platz ein riesengroßes und junges Denkmal, aufgestellt erst 2016, das den Fürsten Wladimir mit Schwert und Kreuz zeigt – Symbole der Christianisierung.

Wie gut, dass mein Sightseeing-Ticket vom Vortag noch gültig ist. Ich passe einen der Busse der Roten Linie ab. Erst einmal hinsetzen. Mein Ziel ist das Bolschoi-Theater. Dort schaue ich mir das weltbekannte Theater von außen an. Der Spielbetrieb macht Sommerpause. Schade, zu gern hätte ich eine Aufführung besucht. Ein paar Schritte weiter entdecke ich den interessant aussehenden White Hart Pub. Hier kehre ich ein und stärke mich mit einem Bier und leckerem Essen.

Es wird Zeit sich auf den Weg zurück zum Hotel zu machen. Mir ist klar, das ist ein längerer Weg. Aber inzwischen kommen – dank Bier und Essen und Pause – die Kräfte wieder. Trotzdem nutze ich noch einmal den Sightseeing-Bus bis zum Haltepunkt an der Moskwa, um mich dem Hotel zu nähern. Dann biege ich in die Pyatnitskaja Straße ein, wähle also bewusst einen Umweg, der mich in ein altrussisches Viertel führt. Kleinere Häuser, viele kleine Läden, alles sehr interessant. So laufe ich durch Straßen, über Plätze, komme an einer Metro-Station vorbei und treffe irgendwo auf ein modernes Gebäude, auf dem in großen Lettern Siemens Finance prangt. Guck an. Doch wo bin ich überhaupt? Aha, in der Tatarskaja Straße, im Rücken des Hotels.

Italienische Gaststätte „Café Pesto „

Gegen 20 Uhr treffe ich Stefie und Torsten. Heute wollen wir beim Italiener im Café Pesto essen, eine Gaststätte, die wir uns schon ausgeguckt haben. Wieder werden wir nicht enttäuscht. Wein und Essen, alles ist prima. Doch dann werden wir etwas verrückt. In der Gaststätte kann man Shisha, also Wasserpfeife, rauchen. Das wollen wir jetzt auch probieren. Wir bekommen eine sehr engagierte Einweisung. Der Experte füllt die Shisha mit Tabak und bestückt sie mit Grapefruithälften. Jeder bekommt ein Mundstück und dann geht es los: Shisha-Rauchen mit Grapefruit. Der Spaß kostet 2400 Rubel.

Ein Kommentar zu “Ein Besuch im Kreml

  1. Lotti

    also,Ilona, ich lese, Du wirst leichtsinnig !!! Toller Bericht, der mir bei meinem Besuch eine super Orientierung für den Kreml- Besuch gibt.Danke!!

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