Ein Besuch im Eberswalder Zoo

  

29. April 2018

Es ist der wärms­te April seit der Wet­ter­auf­zeich­nun­gen im Jah­re 1881. Auch heu­te lacht die Son­ne und lockt die Men­schen aus ihren Häu­sern in die Natur, in der schon fast alles grünt und blüht.

Heu­te ist ein Aus­flug mit der gan­zen Fami­lie in den Ebers­wal­der Zoo geplant, den ich per­sön­lich noch nicht ken­ne, aber von dem ich schon viel Inter­es­san­tes gehört habe. In die­sem Zoo, übri­gens ein Zoo mit­ten im Wald, leben über 1500 Tie­re aus fünf Kon­ti­nen­ten auf einer Flä­che von 15 Hekt­ar. Ich bin gespannt.

Halb elf star­ten wir mit zwei Autos in Rich­tung Ebers­wal­de. Das wären nur knap­pe 65 Kilo­me­ter, die zu gro­ßen Tei­len auf den Auto­bah­nen A10 und A11 zurück­zu­le­gen sind. Aber Bau­stel­len und Sper­run­gen brin­gen uns erst ein­mal einen ziem­li­chen Umweg ein. Mit kommt das Sprich­wort von „Käses Rund­fahrt“ in den Sinn.

Aber mit Froh­sinn und ent­spre­chen­der Aus­dau­er errei­chen wir schließ­lich den Auto­bahn­ring. Ab geht die Rei­se. Abbie­gen auf die A11. Es dau­ert nicht lan­ge und schon ver­las­sen wir an der Abfahrt Finow­furth die Auto­bahn.

Käses Rund­fahr­ten

Anfang des 20. Jahr­hun­derts bot ein Fuhr­un­ter­neh­mer namens Käse Rund­fahr­ten durch Ber­lin mit einem Auto­mo­bil unter dem Slo­gan „Käse‘s Rund­fahr­ten“ an. Die Fahr­gäs­te nah­men in einer offe­nen Stretch-Limou­si­ne Platz. Start war Unter den Lin­den Ecke Fried­rich­stra­ße vor dem Vic­to­ria-Hotel. Bei min­des­tens zehn Fahr­gäs­ten ging die zwei­stün­di­ge Fahrt los. Auf der Rou­te lagen u.a.: Wil­helm­stra­ße, Pots­da­mer Platz, Alex­an­der­platz, Pari­ser Platz, Bran­den­bur­ger Tor, Tier­gar­ten, Char­lot­ten­burg, Kur­fürs­ten­damm, Tau­ent­zi­en. Laut Pro­spekt weist ein fach­kun­di­ger Beglei­ter auf alle Sehens­wür­dig­kei­ten hin.

Noch ein Stück­chen übers Land und durch Ebers­wal­de. Kein Pro­blem, auch dank einer guten Aus­schil­de­rung. Groß­zü­gi­ge Mög­lich­kei­ten zum kos­ten­lo­sen Par­ken. Alles klappt wie geschmiert.
Vor den Kas­sen hat sich eine Schlan­ge gebil­det. Da hat­ten wohl nicht nur wir die­se famo­se Idee.
 Öff­nungs­zei­ten

Täg­lich 9–18 Uhr (Kas­se)
Bis zur Däm­me­rung geöff­net
Ver­las­sen des Zoos durch den Dreh­kreuz­aus­gang

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 10,00€
Kind (4–17): 5,00 €
Fami­li­en­ti­cket: 25,00€

Gleich hin­ter dem Ein­gangs­be­reich begeis­tert eine Meer­schwein­chengroß­fa­mi­lie neu­gie­ri­ge Besu­cher. Wie nied­lich! Wie süß! Jetzt wird noch ein Baby ent­deckt. Oh, guck mal wie es trinkt! Die Kin­der sind hap­py. Ein paar Schrit­te wei­ter ist eine Pin­guin­an­la­ge. Auch hier Eupho­rie von Groß und Klein. Ich lese: Es han­delt sich um Hum­boldt-Pin­gui­ne. Auf­recht, mal allein, mal zu zweit – im glei­chen Rhyth­mus – wat­scheln eini­ge durch die Anla­ge. Jedes Pär­chen hat sein eige­nes Haus, wohl­be­merkt ein indi­vi­du­el­les Haus. Kei­nes gleicht einem ande­ren. Ein ganz muti­ger steht am Zaum und lässt sich strei­cheln. Ande­re zei­gen ihre Schwimm- und Tauch­küns­te. Pfeil­schnell pflü­gen sie durch das Was­ser. Das lässt sich durch eine gro­ße Glas­schei­be sehr gut beob­ach­ten.  Hum­boldt-Pigui­ne

sind hoch­spe­zia­li­sier­te, flug­un­tüch­ti­ge Mee­res­vö­gel, die als aus­ge­zeich­ne­te Schwim­mer Jagd auf klei­ne Fische machen. Nor­ma­ler­wei­se leben Pin­gui­ne im Süd­po­lar­ge­biet, in der Ant­ark­tis, aber durch den kal­ten Hum­boldt­strom haben sich Hum­boldt-Pin­gui­ne an das Leben an den Pazi­fik­küs­ten von Peru und Nord­chi­le ange­passt. Zwei­mal im Jahr brü­ten die mono­ga­men Pin­guin­paa­re auf einem Gele­ge mit meist zwei Eiern.

 
Bei uns mel­det sich ein klei­ner Hun­ger. Kei­ne Sor­ge. Das ist vor­aus­schau­end ein­ge­plant. Wir haben alles für ein Pick­nick dabei. Und es dau­ert auch nicht lan­ge und wir fin­den eine Bank zum Ras­ten und Spei­sen. Wäh­rend des Essens beob­ach­ten wir eine Fla­min­go-Kolo­nie. Die lang­bei­ni­gen, rosa­far­be­nen Vögel stak­sen durch das fla­che Was­ser des Tei­ches. Eini­ge ste­hen auf nur einem Bein. Wie sie das nur machen?
Nach der Pau­se geht es in ein klei­nes Tro­pen­haus. Hier gibt es klei­ne tro­pi­sche Vögel wie den Koli­bri und unzäh­li­ge Schild­krö­ten, klei­ne und gro­ße, Was­ser- und Land­schild­krö­ten. Auch zwei Kro­ko­di­le las­sen es sich hier gut­ge­hen. In einem ande­ren Becken schwim­men mit­tel­gro­ße Wel­se. Hin­ter dem Tro­pen­haus erwar­tet die Kin­der ein Strei­chel­zoo. Für 20 Cent kann Fut­ter aus einem Auto­ma­ten gezo­gen wer­den. Da sind die Zie­gen gleich zur Stel­le und recken ihre Häl­se über den Zaun.
  

Wei­ter geht es. Was sind das für gro­ße Tie­re? Schon von wei­tem sind sie zu sehen. Von einem Hoch­stand hat man natür­lich noch einen bes­se­ren Blick auf zwei Wisen­te, Ver­tre­ter der größ­ten euro­päi­schen Rin­der­art. Hier sind die Kin­der von der Grö­ße beein­druckt. Bei den Erd­männ­chen fin­den sie deren Ver­hal­ten nied­lich. Beson­ders das Erd­männ­chen, das offen­sicht­lich auf Wach­pos­ten steht, hat es ihnen ange­tan.

Doch schon haben sie wie­der etwas Neu­es ent­deckt: Leo­par­den und Löwen. Der Leo­pard läuft in sei­nem Gehe­ge uner­müd­lich hin und her. Immer am Zaun ent­lang. Die Löwen dage­gen lie­gen faul in der Son­ne. Ab und zu heben sie leicht den Kopf, um zu gäh­nen. Das Gehe­ge grenzt an einen Tun­nel, indem man nicht nur die Löwen durch eine Glas­schei­be beob­ach­ten kann, es ertönt auch ein mäch­ti­ges Löwen­ge­brüll durch einen Laut­spre­cher. Gut gemacht. Natür­lich kann man bei einem Zoo­be­such nicht alles sehen. Hin­ter der Löwen­an­la­ge sind Kame­le unter­ge­bracht. Wir wer­fen nur von wei­tem einen Blick auf die stolz wir­ken­den Tie­re.

  
Jetzt haben wir die Tiger­an­la­ge im Visier. Eine sehr groß­zü­gi­ge Anla­ge mit zwei gegen­über­lie­gen­den Aus­sichts­platt­for­men. Der Besu­cher kann die gesam­te Anla­ge, ein­ge­bet­tet in einer nach­emp­fun­de­nen eis­zeit­li­chen Glet­sch­er­land­schaft, umrun­den. Bäu­me, Büsche und ange­leg­te Höh­len bie­ten dem Tiger Rück­zugs­mög­lich­kei­ten. Bei unse­rem Besuch macht er davon auch aus­gie­big Gebrauch. Trä­ge liegt er am Höh­len­ein­gang und lässt sich Kopf und Nacken von der Son­ne beschei­nen. Aus sei­ner Sicht mehr als nach­voll­zieh­bar. 

Auf unse­rem Weg zum nächs­ten High­light, dem Bären-Wolfs-Gehe­ge, sto­ßen wir auf die gro­ßen Lauf­vö­gel, den afri­ka­ni­schen Strauß und den aus­tra­li­schen Emu. Das sind impo­san­te Tie­re.

Ein Strauß­h­ahn, erkenn­bar am schwar­zen Deck­ge­fie­der, kann eine Höhe zu 2,50 Meter und ein Gewicht von 135 Kilo­gramm errei­chen. Das ist schon eine Ansa­ge! Zumal er mit 70 Stun­den­ki­lo­me­ter Höchst­ge­schwin­dig­keit ein ech­ter Ren­ner ist.

Gegen­über der Strau­ßen­an­la­ge leben die Emus, auch gro­ße Lauf­vö­gel, von denen vie­le Arten bereits aus­ge­stor­ben sind, lei­der. Emus als zweit­größ­te Lauf­vö­gel sind nicht ganz so gewal­tig. Aber sie sind auch gute Ren­ner. Immer­hin kön­nen sie auf 40 Stun­den­ki­lo­me­ter kom­men.

 

 

Strauß

Emu

Wir wol­len unbe­dingt noch zwei wei­te­re Attrak­tio­nen sehen: Zuerst das Gemein­schafts­ge­he­ge der Bären und Wöl­fe. Es han­delt sich um eine weit­läu­fi­ge, abwechs­lungs­reich gestal­te­te Anla­ge. Ein Meis­ter Petz hat es sich zwi­schen zwei Fel­sen­bro­cken bequem gemacht. Ab und zu erhebt er sei­nen Kopf, als wol­le er einen kur­zen Gruß an die Betrach­ter sen­den. Ein zwei­ter Bär streift in eini­ger Ent­fer­nung durch das Gelän­de. Und mit­ten­drin ein Wolfs­ru­del. Eini­ge Tie­re ruhen, ande­re sind unter­wegs. Einer ist ganz nase­weis und kommt immer wie­der einem der Bären sehr nah. Offen­sicht­lich über­schrei­tet er einen Siche­rungs­ab­stand, denn plötz­lich erhebt sich der Bar blitz­schnell – hät­te man dem mas­si­gen Tier gar nicht zuge­traut – und jagt dem Wolf hin­ter­her. Das wirkt wie ein Signal. Plötz­lich sind alle Wöl­fe auf der Flucht. Sie errei­chen eine Öff­nung im Zaun, die nur sie pas­sie­ren kön­nen. Der dicke Bär muss abdre­hen. Wir ver­ste­hen: Das Gemein­schafts­ge­he­ge besitzt einen sepa­ra­ten Schutz­be­reich für die Wöl­fe. Dass die­ser sehr sinn­voll ist, haben wir gera­de mit­er­lebt. Der Bär trot­tet zurück. Es dau­ert nicht lan­ge und der vor­wit­zi­ge Wolf nähert sich ihm wie­der – vor­sich­tig, sehr vor­sich­tig, Schritt für Schritt. Lan­ge­wei­le kommt nicht auf!
 

Wir ste­hen mit­ten im Wald und inmit­ten eini­ger Rehe, die an Men­schen gewöhnt sind. Sie kom­men zutrau­lich näher und zei­gen deut­lich ihre Erwar­tung, gefüt­tert zu wer­den. Das ist etwas für die Kin­der. Rehe füt­tern, Rehe strei­cheln, Rehe foto­gra­fie­ren.

 

Inzwi­schen ist der Tag schon weit fort­ge­schrit­ten. Auf dem Weg zum Aus­gang ent­de­cken wir die Gast­stät­te „Brau­ner Bär“. Sie ist aber schon geschlos­sen. Die gan­ze Zeit über haben wir Aus­schau nach einem Eis­ver­kauf gehal­ten. Aller­dings ohne Erfolg.

Neben der Gast­stät­te gibt es noch die Zoo-Bau­de. Aber auch die hat­te gera­de vor unse­rer Nase zuge­macht. Dafür haben die Kin­der die fünf Aben­teu­er­spiel­plät­ze aus­gie­big genutzt und ihren Spaß gehabt. Der Zoo ist sehr kin­der­freund­lich, aber auch senio­ren- und behin­der­ten­ge­recht aus­ge­baut. Kurz­um, ein Besuch lohnt sich für alle Alters­grup­pen!

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