Doktor Faust und Mephisto

 

3. Juni 2017: Doktor Faust und Mephisto
Bevor wir uns heute auf den Heimweg zurück nach Berlin machen, starten wir noch eine Erkundungstour durch die Innenstadt. Hier wuselt alles durcheinander. Hier tobt der Bär. Viele Menschen haben sich kostümiert, alle in Schwarz. Das ist uns schon am Vortag im Clara-Zektin-Park aufgefallen. Aber nun ist auch mit klar warum: Seit gestern findet in Leipzig das Wave- und Gothik-Festival statt. Über das 20.000 Mitglieder haben sich eingefunden. Wie originell ihre Kostüme sind, keines gleicht einem anderen.
Wir laufen durch die Hainstraße zum Markt, vorbei am Alten Rathaus direkt in die Mädler-Passage. Ich möchte Arvid die Skulpturen vor Auerbachs Keller zeigen.´, zum einen „Faust und Mephisto“, zum anderen die „Vier angetrunkenen Studenten“ und ich erzähle ein bisschen von Johann Wolfgang von Goethe.

Der Bildhauer, Maler und Grafiker Mathieu Molitor (1873-1923) hat diese Bronzeplastiken Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen.

  

Natürlich fragt mich Arvid: Wer ist denn das? Ja, wie geht eine kurze kindgerechte Erklärung? Hier mein Versuch: Der alte Mann heißt Heinrich Faust. Er ist ein sehr unzufriedener Professor. Er glaubt als Wissenschaftler versagt zu haben. Er lebt immer noch allein. Auch das macht ihn unzufrieden. So fragt er sich, was ist der Sinn des Lebens? Was kann ein Mensch wissen? Neben ihm steht Mephisto, der Teufel. Faust verspricht dem Teufel seine Seele, wenn dieser ihn Lebenslust und Erkenntnisdrang zurückbringt.

Und das hier, fragt Arvid auf die gegenüberliegende Plastik zeigend. Einfache Erklärungen sind wahrlich herausfordernd. Ich versuche es: Die Plastik zeigt vier Studenten, die Mephisto immer weiter zum Weintrinken ermuntert hat bis sie total betrunken alle ihre Selbstbeherrschung verlieren und randalieren.

Wir spazieren noch eine Weile durch die Stadt. Thomaskirche (lange Jahre wirkte hier Johann Sebastian Bach als Kantor), Neues Rathaus, Kinopalast, Moritzbastei, Universität, S-Bahnstation,… Alles ist für einen Sechsjährigen nur sehr bedingt von Interesse. Eine Wasserpumpe und Springbrunnen verdienen schon mehr Aufmerksamkeit. Wasser sowieso und dann noch bei dieser Hitze. Trotzdem, ein paar Tage später fragt mich Arvid: Wie hieß nochmal, der vor dem Keller stand und neben ihm der Teufel. Was wollte der wissen? 
Zurück in die Gegenwart. Die Rückfahrt ist nicht ganz problemlos. Irgendwo bei Belzig verlassen wir die Autobahn wegen eines Staus und gondeln gemütlich durch Dörfer und Kleinstädte. Auch nicht schlecht, dauert eben nur eine Stunde länger. Aber für „langsam Reisende“ kein Grund missmutig zu sein.

 

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