Deutsches Historisches Museum

 

Deut­sches His­to­ri­sches Muse­um

Unter den Lin­den 2, 10117 Ber­lin

Das Deut­sche His­to­ri­sche Muse­um ist im ehe­ma­li­gen Zeug­haus Ber­lins unter­ge­bracht. Das Zeug­haus wur­de ursprüng­lich als preu­ßi­sches Waf­fen­ar­se­nal errich­tet und 1730 sei­ner Bestim­mung über­ge­ben.

Damit ist das monu­men­ta­le Barock­ge­bäu­de heu­te das ältes­te Bau­werk auf dem Ber­li­ner Bou­le­vard Unter den Lin­den. Es befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Ber­li­ner Dom, zur Hum­boldt-Uni­ver­si­tät und zum wie­der­auf­ge­bau­ten Ber­li­ner Schloss. Nicht nur durch sei­ne Grö­ße, son­dern vor allem auch durch sei­ne reprä­sen­ta­ti­ve Außen­fas­sa­de mit vie­len von Andre­as Schlü­ter ent­wor­fe­nen Skulp­tu­ren und Schmuck­ele­men­ten zieht es die Bli­cke auf sich. 

Im Jahr 2006 wur­de eine Dau­er­aus­stel­lung zum The­ma „Deut­sche Geschich­te in Bil­dern und Zeug­nis­sen“ eröff­net, die Ein­bli­cke in 1500 Jah­re mit­tel­eu­ro­päi­scher Geschich­te ver­mit­telt. Die­se Aus­stel­lung möch­te ich mir heu­te mit Arvid, mei­nem sie­ben­jäh­ri­gen Enkel, anse­hen. In der Ein­gangs­hal­le kau­fen wir die Ein­tritts­ti­ckets und geben unse­re Jacken und den Ruck­sack in der kos­ten­lo­sen Gar­de­ro­be ab. Den Foto­ap­pa­rat neh­men wir mit. Foto­gra­fie­ren (ohne Blitz) ist in der Dau­er­aus­stel­lung erlaubt.  

Öff­nungs­zei­ten
Täg­lich von 10–18 Uhr

 Ein­tritt
Erwach­se­ne: 8€

Ermä­ßigt: 4€
Kin­der bis 18 Jah­re: frei

Der Rund­gang erstreckt sich über zwei Geschos­se. Die Aus­stel­lung ist chro­no­lo­gisch in poli­ti­sche Epo­chen struk­tu­riert. Sie beginnt mit dem Mit­tel­al­ter zur­zeit Karl des Gro­ßen.

Dazu fah­ren wir mit dem Fahr­stuhl in die ers­te Eta­ge und star­ten unse­ren Rund­gang. Ein­lei­tend wird die Ent­wick­lung der Grenz­ver­läu­fe in Euro­pa per Video­ani­ma­ti­on auf einer gro­ßen Lein­wand dar­ge­stellt. Das ist noch nichts für einen Sie­ben­jäh­ri­gen. Aber der Rit­ter in vol­ler Rüs­tung hoch zu Ross zieht sofort sei­ne Auf­merk­sam­keit auf sich. Der muss foto­gra­fiert wer­den. Zahl­rei­che Rüs­tun­gen, Hel­me, Schil­de, Ket­ten­hem­den (eines darf man sogar anfas­sen), mit­tel­al­ter­li­che Waf­fen aller Art wer­den in Augen­schein genom­men. Natür­lich gibt es auch Erläu­te­run­gen und digi­ta­le Ver­an­schau­li­chung. Dar­auf kann ich immer nur einen kur­zen Blick wer­fen. Ein Erst­kläss­ler ist mehr an dem Gegen­ständ­li­chen inter­es­siert. Hier hät­te ich mir in der Tat mehr Mög­lich­kei­ten einer kind­ori­en­tier­ten Inter­ak­ti­on gewünscht. Aber die­ses Ange­bot ist mehr als über­schau­bar. Fast über­all heißt es: Nicht berüh­ren bit­te! Na gut. Das kön­nen wir nicht beein­flus­sen.

 Karl der Gro­ße
(747–814)

Karl wur­de im Jah­re 768 König der Fran­ken und 800 vom Papst Leo III. zum Kai­ser gekrönt. Er stand an der Spit­ze des Fran­ken­rei­ches, dem mäch­tigs­ten Reich im west­li­chen Euro­pa. Aus dem Ost­frän­ki­schen Reich ging das Hei­li­ge Römi­sche Reich deut­scher Nati­on her­vor, das bis ins 15. Jahr­hun­dert aus zahl­rei­chen Län­dern bestand.

  
Es folgt der Abschnitt Refor­ma­ti­on bis Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on. Arvid staunt, zeigt auf ein Bild und sagt: Den ken­nen ich. Das glau­be ich sofort. Mar­tin Luther, davon hat er im letz­ten Jahr viel gehört und gese­hen. Hier sind es die Kano­nen, die Arvid magisch anzie­hen.
Er ver­sucht mir zu erklä­ren, wie so eine Kano­ne funk­tio­niert: Kano­nen­ku­gel, Pul­ver und Zün­dung. Aber eben nichts anfas­sen. Die Erin­ne­rung ist sehr freund­lich. Die net­te Auf­sicht gibt uns inter­es­san­te Hin­wei­se: Sie macht auf die in einem Gemäl­de dar­ge­stell­ten Hygi­e­nekul­tur in einem Feld­la­ger auf­merk­sam, zeigt eine Pest­hau­be und erklärt die Skulp­tur eines Teu­fels. 
Es folgt die Epo­che Kai­ser­zeit bis Ers­ter Welt­krieg. Sie beginnt mit der Grün­dung des Deut­schen Rei­ches 1871 als Natio­nal­staat. Der Rund­gang im Ober­ge­schoss schließt mit der mili­tä­ri­schen Nie­der­la­ge Deutsch­lands 1918 und dem Ende des deut­schen Kai­ser­rei­ches ab. Arvid fängt an zu drän­geln: Lass uns end­lich run­ter­ge­hen und gucken, was da ist. Das ist kein Wun­der, denn die sehr intel­lek­tu­ell gestal­te­te Dar­stel­lung der Expo­na­te ist nichts für Kin­der. Die sind neu­gie­rig und möch­ten etwas aktiv erkun­den. 
Im Erd­ge­schoss star­tet der Rund­gang mit der Epo­che Wei­ma­rer Repu­blik, NS-Regime und Zwei­ter Welt­krieg. Vor allem Pla­ka­te, Foto­gra­fi­en, Gra­fi­ken und Text­in­for­ma­tio­nen bestim­men die Aus­stel­lung. Es wer­den Objek­te aus dem Berei­chen Design und Tex­til gezeigt – nicht so inter­es­sant für Kin­der. Beim Modell eines NS-Ver­nich­tungs­la­gers bleibt Arvid ste­hen. Er fragt nach, was das ist, was da pas­siert. Ich ver­su­che es ihm zu erklä­ren. Auf­merk­sam hört er zu. 

Auf dem wei­te­ren Rund­gang zieht ein altes Motor­rad ihn in den Bann, eine NSU 251 R der Neckar­sul­mer Fahr­zeug AG aus dem Jah­re 1927. Die­ses alte Gefährt wird inten­siv in Augen­schein genom­men.

Ent­spre­chend ist sein Inter­es­se auch als wir auf ein Modell des ers­ten von Carl Benz kon­stru­ier­ten drei­räd­ri­gen Patent-Motor­wa­gens sto­ßen.

Carl Benz
(1844–1929)

Carl Benz setz­te als ers­ter einen Ver­bren­nungs­mo­tor ein, um ein selbst­fah­ren­des Gefährt zu ent­wi­ckeln. Am 3. Juli 1886 in Mann­heim fuhr er erst­mals mit dem Patent- Motor­wa­gen Nr. 1 eine Stre­cke von ca. 100 Metern. Dies gilt als Geburts­da­tum des Auto­mo­bils.

Im abschlie­ßen­den Abschnitt Geteil­tes Deutsch­land und Ver­ei­ni­gung stürmt Arvid sofort zu den auf­ge­bock­ten Autos, einem Tra­bant und einem VW-Käfer. Hier kom­men mir natür­lich vie­le Aus­stel­lung­stü­cke aus dem All­tags­le­ben bekannt vor. Unglaub­lich, nun sind die­se schon Teil der Geschich­te.

Ins­ge­samt, so lese ich, sind über 7000 his­to­ri­sche Aus­stel­lungs­stü­cke zu sehen. Wir haben uns einen Über­blick ver­schafft. Für ein tie­fe­res Ver­ständ­nis der Aus­stel­lungs­ob­jek­te und des damit illus­trier­ten Geschichts­ver­laufs ste­hen Audio-Gui­des zur Ver­fü­gung. Hier gibt es auch eine Kin­der­ver­si­on. Das bie­tet sich für einen zwei­ten Besuch an.

Wir holen unse­re Sachen aus der Gar­de­ro­be und machen noch einen Abste­cher in den Innen­hof.

Andre­as Schlü­ter als Bild­hau­er schuf 22 Reli­efs der Köp­fe ster­ben­der Gigan­ten, die über den Rund­bo­gen­fens­tern als Schluss­stei­ne ange­bracht sind. Ein Schau­er läuft einem den Rücken hin­un­ter, wenn man den Aus­druck des Schmer­zes und es Leids auf sich wir­ken lässt. Wie kann die­se Impres­si­on in Stein gemei­ßelt wer­den. Unglaub­lich!

Arvid saust über den Hof zu den aus­ge­stell­ten Kano­nen. Er nimmt sie genau in Augen­schein.

 

Schön, dass es hier Bän­ke gibt. So kann ich in aller Ruhe war­ten bis er alles erkun­det hat.

  Andre­as Schlü­ter (1659–1714)

Er wur­de 1694 von Kur­fürst Fried­rich III als Hof­bild­hau­er nach Ber­lin beru­fen. 1699 wur­de er Bau­lei­ter des Zeug­hau­ses und Schloss­baud­rek­tor. Er gestal­te­te u.a. die Fas­sa­de des Ber­li­ner Schlos­ses, schuf die Skulp­tu­ren für das Zeug­haus, fer­tig­te das Rei­ter­stand­bild des Gro­ßen Kur­fürs­ten und ent­warf das berühm­te Bern­stein­zim­mer, das 1716 dem rus­si­schen Zaren Peter I. geschenkt wur­de.

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