Colmar

 

05.09.2016
Beim Früh­stück gesellt sich der Blum­bau­er zu uns. Wir unter­hal­ten uns über Bräu­che und Tra­di­tio­nen im Schwarz­wald. Lot­ti hat in einer Glas­vi­tri­ne einen Hut mit leuch­ten­dro­ten Bom­meln ent­deckt: einen Bom­men­hut. Ich hat­te bis­her noch nie davon gehört. Lot­ti ist auch das ers­te Mal im Schwarz­wald. Der Blum­bau­er klärt uns auf. Der Bom­men­hut gehört in den Gemein­den Gut­ach, Krim­berg und Rei­chen­berg zur Tracht der Schwarz­wäl­der Frau. Es han­delt sich um einen Stroh­hut mit einem Gips­ge­häu­se. Oh je, das muss schwer zu tra­gen sein. Oben­auf sind 14 Bom­men, davon sind 13 sicht­bar. Eine unver­hei­ra­te­te Frau erkennt man an den roten Bom­men, eine ver­hei­ra­te­te Frau hat schwar­ze Bom­men auf ihrem Hut. Da kann sich jeder sei­ne Gedan­ken machen.
  
Gegen 10 Uhr star­ten wir nach Col­mar, der mit fast 70.000 Ein­woh­nern dritt­größ­ten Stadt im Elsass. Zunächst üben wir uns erneut im Ser­pen­ti­nen­fah­ren, danach geht es flott vor­an. Nach einer guten Stun­de haben wir Col­mar erreicht. Zunächst sind wir ent­täuscht. Die Rand­be­zir­ke von Col­mar zei­gen sich mit gesichts­lo­sen und ziem­lich in die Jah­re gekom­me­nen Bau­ten. Unse­re Erwar­tungs­hal­tung ist eine gänz­lich ande­re. Rela­tiv schnell fin­den wir zen­trums­nah nahe dem Spiel­zeug­mu­se­um einen Park­platz. Nach ein paar Schrit­ten sind wir in der Alt­stadt und hier sieht die Welt schon anders aus. Präch­ti­ge, oft mit Blu­em geschmück­te Bau­ten – Rat­haus, Kir­chen, Musen, zahl­rei­che Bür­ger­häu­ser, Brü­cken – aus sechs Jahr­hun­der­ten geben der Stadt ein ein­ma­li­ges Flair. Die Alt­stadt hat über Jahr­hun­der­te ihren Cha­rak­ter erhal­ten. Mit­ten drin Klein-Vene­dig, ein Stadt­vier­tel am Fluss Lauch. 
  
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Ein­gang zum Unter­lin­den-Muse­um

Nach einem ers­ten Rund­gang und einer infor­ma­ti­ven Fahrt mit der Mini-Tram (6,50€) besu­chen wir das Unter­lin­den-Muse­um am Place Unter­lin­den. Es han­delt sich um ein ehe­ma­li­ges Klos­ter aus dem 13. Jahr­hun­dert, das zum Muse­um umge­baut und mit einem zeit­ge­nös­si­schen Erwei­te­rungs­bau (Acker­hof) ver­se­hen wur­de. Eine unter­ir­di­sche Gale­rie mit drei Aus­stel­lungs­räu­men ver­läuft unter dem Unter­lin­den-Platz und dem Kanal zum Acker­hof. Die­ses Muse­um beher­bergt einen beson­de­ren Schatz, den Isen­hei­mer Altar. Der Ein­tritt mit Audio­gui­de beträgt 11€. Unser ers­ter Weg führt uns zu dem welt­be­rühm­ten Altar, von dem ich schon in mei­ner Schul­zeit gehört hat­te. Und nun konn­te ich ihn sehen. Das ist schon etwas Beson­de­res. Der Altar wur­de von Mat­thi­as Grü­ne­wald Anfang des 16. Jahr­hun­derts für das Anto­ni­ter­klos­ter in Isen­heim geschaf­fen. Es han­delt sich um einen Flü­gel­al­tar (Wan­del­al­tar), d.h. je nach Stel­lung der Flü­gel wer­den unter­schied­li­che bibli­sche Sze­nen sicht­bar. Die drei Wan­del­bil­der sind sepa­rat auf­ge­stellt. Über den Kopf­hö­rer des Audio­gui­des hören wir etwas über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Inter­pre­ta­tio­nen der Dar­stel­lun­gen. Vor jedem Wan­del­bild lädt eine Bank zum Sit­zen ein, sodass man den Erklä­run­gen ganz ent­spannt lau­schen kann.
 
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Kreuz­gang

Wir ver­las­sen die Hal­le mit den Wan­del­bil­dern des Isen­hei­mer Altars, gehen zurück zum Kreuz­gang (kur­ze Pau­se auf einer der Bän­ke: alles ist so ruhig und fried­lich, die Son­ne scheint, ent­span­nend), dann wei­ter zur Gale­rie und zum Acker­hof, um die dort aus­ge­stell­ten moder­nen Gemäl­de u.a. von Monet, Picas­so und Dix zu sehen. 
4-colmar-21Nach die­sem inten­si­ven Erleb­nis brau­chen wir erst ein­mal eine Pau­se und etwas zu essen. Das soll­te in die­ser Stadt mit ihren zahl­rei­chen Gast­stät­ten kein Pro­blem sein. Nach der Stär­kung unter­neh­men wir einen zwei­ten Spa­zier­gang durch die Alt­stadt und kom­men auch nach Klein-Vene­dig, einem male­ri­schen Vier­tel mit mit­tel­al­ter­li­chen Fach­werk­häu­sern ent­lang der Lauch. Hier wer­den auch Boots­fahr­ten in Käh­nen ähn­lich denen im Spree­wald ange­bo­ten. Aber lei­der dazu reicht unse­re Zeit nicht, obwohl heu­te der Wet­ter­gott es gut meint. Den gan­zen Tag Son­nen­schein. Das macht die Stadt noch attrak­ti­ver.  😉 
In einer der Stra­ßen, es ist die Rue des Mar­chands, ent­de­cke ich das Bar­thol­di-Muse­um (3,50€). Der Fun­ke springt nach kur­zem Nach­den­ken über: Frei­heits­sta­tue in New York. Das Muse­um wur­de im Geburts­haus von Fre­de­ric-Augus­te Bar­thol­di (1834–1904) ein­ge­rich­tet. Hier sind Skulp­tu­ren und Gemäl­de des Künst­lers aus­ge­stellt. Das muss ich sehen, wäh­rend Lot­ti lie­ber wei­ter die Stadt erkun­den möch­te. Nach 1,5 Stun­den machen wir einen Treff­punkt vor dem Muse­um aus. In der Tat, die­ser Bar­thol­di ist der Schöp­fer der New Yor­ker Frei­heits­sta­tue (Frei­heit, die die Welt erleu­chet). Im Muse­um ist die kom­pli­zier­te Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Frei­heits­sta­tue nach­zu­voll­zie­hen. Viel Enga­ge­ment, viel Krea­ti­vi­tät waren not­wen­dig, um alle Hin­der­nis­se und Pro­ble­me zu bewäl­ti­gen, um das Werk letzt­lich zum Erfolg zu füh­ren. Im Som­mer des Jah­res 1884 wur­de die Sta­tue fer­tig. Sie besteht aus 300 Kup­fer­plat­ten. In die­se wur­de sie wie­der zer­legt. 70 Güter­wa­gen waren not­wen­dig, um die in 200 Kis­ten ver­pack­ten Tei­le von Paris zum Hafen nach Rou­en zu brin­gen. Dort wur­den sie auf ein Schiff ver­la­den, das das Geschenk des fran­zö­si­schen Vol­kes in die USA brach­te. Auf Liber­ty Irland, einer Insel vor New York, wur­de sie wie­der auf­ge­baut und 1886 im Okto­ber fei­er­lich ein­ge­weiht. Schon eine wahn­sin­ni­ge Geschich­te.

Aber Bar­thol­di hat noch mehr inter­es­san­te, geschichts­träch­ti­ge Wer­ke zu bie­ten. Ich wäh­le Skulp­tu­ren zwei aus, die (bzw. ihre Ent­wür­fe) im Muse­um aus­ge­stellt sind: Die „Rei­ter­sta­tue des Ver­cin­ge­to­rix“ beein­druckt mich durch ihre Dyna­mik. Wie gelingt es, in einer sta­ti­schen Form eine Dyna­mik aus­zu­drü­cken? Die Sta­tue zeigt den gal­li­schen Fürs­ten Ver­cin­ge­to­rix kampf­be­reit hoch zu Ross mit erho­be­nen Schwert. Als Anfüh­rer kämpft er für die Frei­heit gal­li­scher Völ­ker gegen die römi­schen Hee­re des Juli­us Cäsar. Das Denk­mal steht in Cler­mont-Fer­rand. Die Sta­tue „Der Löwe von Bel­fort“ erregt schon allein durch sei­ne Grö­ße die Auf­merk­sam­keit der Besu­cher. Das Ori­gi­nal hat eine Län­ge von 22m und eine Höhe von 11m. Im Muse­um sind die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und ver­schie­de­ne Ent­wür­fe als Gips­mo­del­le dar­ge­stellt. Der Löwe ist ein Denk­mal zu Ehren der Opfer der Bela­ge­rung von Bel­fort wäh­rend des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krie­ges 1870/71.

  
Ich hät­te durch­aus noch etwas mehr Zeit im Muse­um ver­brin­gen kön­nen, aber Ver­ab­re­dung ist Ver­ab­re­dung. Zudem ist es auch kurz vor der Schließ­zeit. Wir machen uns auf den Rück­weg.

Nach 1,5 Stun­den errei­chen wir Gut­ach. Wir ent­schlie­ßen uns, das Abend­essen in Horn­berg ein­zu­neh­men. Unse­re Wahl fällt auf „Die Rose“. Die Anzahl der Gäs­te ist über­schau­bar, Ser­vice und Essen sehr gut: 1x Forel­len­fi­let; 1x Maul­ta­schen. Dazu hel­les Ket­te­rer.

 

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