Burg Falkenstein – Greifvögel im freien Flug

 

18. August 2018
Wir sit­zen beim Früh­stück. Heu­te ist Abrei­se­tag. Aber bevor es in Rich­tung Ber­lin geht, wol­len wir noch etwas unter­neh­men. Wie­der so ein schö­ner, son­ni­ger Tag. Unser Ziel: Burg Fal­ken­stein. In einem der vie­len Pro­spek­te habe ich gele­sen: Auf einem Berg­sporn über dem Sel­ketal erhebt sich mit dem Fal­ken­stein eine der ein­drucks­volls­ten Bur­gen des Har­zes. Eine Burg aus dem 12. Jahr­hun­dert, die ihren mit­tel­al­ter­li­chen Cha­rak­ter bewahrt hat, das klingt viel­ver­spre­chend.
Es dau­ert ehe wir den rich­ti­gen Park­platz fin­den. Der Navi hat offen­sicht­lich mit den neu­en Stra­ßen im Harz sei­ne Pro­ble­me. Im Nach­hin­ein den­ke ich, dass ich nur Fal­ken­stein ein­ge­ge­ben habe. Den Ort gibt es natür­lich auch. Jeden­falls kom­men wir durch Erms­le­ben. Hier hal­te ich bei einem Blu­men­ge­schäft an, um nach dem Weg zu fra­gen. Das löst sofort eine Lami­ne der Hilfs­be­reit­schaft aus. Die Ver­käu­fe­rin und poten­ti­el­le Käu­fer (jeder kennt jeden; man nennt sich beim Vor­na­men) bera­ten, wel­ches die bes­te Rou­te sei. Das geht eine Wei­le hin und her. Schließ­lich füh­le ich mich ein­gen­or­det. Ein herz­li­cher Dank den hilfs­be­rei­ten Damen. 
Wir set­zen unse­re Fahrt fort, pas­sie­ren Meis­dorf und par­ken schließ­lich ca. 2 Kilo­me­ter von der Burg ent­fernt auf einem aus­ge­schil­der­ten öffent­li­chen Park­platz. Hier gibt es ein Infor­ma­ti­ons­bü­ro, zwei Gast­stät­ten und eine Bim­mel­bahn, die fuß­mü­de Besu­cher bequem auf die Burg bringt. Wir zäh­len natür­lich nicht dazu und neh­men den Wan­der­weg, immer berg­auf, aber durch den Wald, vor­bei an einer Pfer­de­kop­pel. Erst kurz bevor wir die Burg errei­chen, erscheint die­se auch in unse­rem Gesichts­feld – so ver­steckt im grü­nen Dickicht. Eini­ge Vor­bau­en sind Rui­nen, die jedoch teil­wei­se noch genutzt wer­den (z.B. Toi­let­ten).
Durch ein stei­ner­nes Tor betritt man den ers­ten Burg­gang. Links und rechts dicke Mau­ern und dar­über ein gro­ßer Turm. Wir gelan­gen in den ers­ten Burg­hof. Hmm, hier riecht es lecker. Das bekommt nicht nur die Nase mit. Auch der Magen mel­det sogleich Ansprü­che an. Brat­würs­te auf einem uri­gen eiser­nen Grill, Boh­nen­sup­pe und Geträn­ke für Groß und Klein. In der Burg­gast­stät­te „Krum­mes Tor“ fin­det offen­sicht­lich eine Fami­li­en­fei­er statt. Auf dem Hof ist ein geräu­mi­ges Zelt auf­ge­schla­gen. Hier fin­det jeder Tages­be­su­cher für sei­ne Essens­pau­se ein Plätz­chen, so auch wir.
  
Nach die­ser Stär­kung wol­len wir die Burg erkun­den. Doch nichts ist umsonst. Im Sou­ve­nir­shop wer­den die Ein­tritts­kar­ten ver­kauft.


Natür­lich haben wir längst regis­triert, dass ein Falk­ner auf der Burg sei­ne Greif­vö­gel frei flie­gen lässt. Das wol­len wir unbe­dingt mit­er­le­ben! Die nächs­te Vor­füh­rung beginnt um 14 Uhr, das heißt, in einer Vier­tel­stun­de geht es los. Wir suchen uns einen Platz an der Burg­mau­er, sodass wir die Show von oben ver­fol­gen kön­nen.

Öff­nungs­zei­ten

April-Okt.
Täg­lich 10–18 Uhr
Nov.-März
Di-So 10–16:30 Uhr

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 6,10€

Kin­der: 4,10€

Fal­ken­hof-Vor­füh­run­gen
März-Okt.

Di-Fr 11:30 und 15 Uhr
Sa, So, Feri­en 11, 14 und 16 Uhr

Zunächst führt der Falk­ner die zahl­rei­chen Besu­cher in die lan­ge Tra­di­ti­on der Falk­ne­rei ein. Dann kom­men sei­ne Schütz­lin­ge, nicht zu Wort, son­dern zu ihrem Auf­tritt. Ein Hel­fer bringt jeweils einen Vogel, der vor­ge­stellt wird und dann sein Küns­te zeigt. So zählt der Wan­der­fal­ke mit 50 Zen­ti­me­ter Kör­per­hö­he und einer Flü­gel­spann­wei­te von ca. 110 Zen­ti­me­ter zu den größ­ten Fal­ken­ar­ten. Er jagt vor allem tau­ben­gro­ße Vögel in der Luft. Beim Sturz­flug auf die Beu­te erreicht er Geschwin­dig­kei­ten bis 330 kmh und ist damit der Schnells­te aller Tie­re. Und so eine Beson­der­heit: Sei­ne Hals­wir­bel­säu­le kann er um 180 Grad dre­hen.

Der Uhu ist mit bis zu 75 Zen­ti­me­ter Kör­per­hö­he und bis zu 180 Zen­ti­me­ter Flü­gel­spann­wei­te die größ­te euro­päi­sche Eulen­art. Er ist ein däm­me­rungs- und nacht­ak­ti­ver Jäger mit einem aus­ge­zeich­ne­ten Gehör und her­vor­ra­gen­den Seh­ver­mö­gen. Zudem kann er sei­nen Kopf um 270 Grad in bei­de Rich­tun­gen dre­hen. Sein beson­de­res Feder­kleid erlaubt es ihm, sich laut­los sei­ner Beu­te, mit­tel­gro­ße Vögel und Säu­ge­tie­re, zu nähern und die­sem im Flug zu sei­nem Ansitz zu tra­gen.

Der Weiß­kopf­see­ad­ler ist der Wap­pen­vo­gel der USA. Mit 90 Zen­ti­me­ter Kör­per­hö­he und einer Flü­gel­spann­wei­te bis zu 250 Zen­ti­me­ter gehört er zu den größ­ten Greif­vö­geln. Er lebt an Gewäs­sern und jagt Fische und Was­ser­vö­gel, frisst aber auch Aas. Im Gegen­satz zu ande­ren Greif­vö­geln hat er auf­grund sei­nes imprä­gnier­ten Gefie­ders kein Pro­blem in Was­ser ein­zu­tau­chen.

Mar­t­he und Agi wol­len sich nach der Vor­füh­rung gern mit einem Greif­vo­gel foto­gra­fie­ren las­sen. Da sagt man doch nicht nein. Ein schö­nes Erin­ne­rungs­fo­to.

 

Uhu

Wan­der­fal­ke

Weiß­kopf­ad­ler

 

 

 

 

 

 

Jetzt neh­men wir die Burg in Augen­schein. Das Burg­mu­se­um umfasst ehe­ma­li­ge Wohn- und Wirt­schaft­räu­me der Burg, die als Aus­stel­lungs­räu­me her­ge­rich­tet sind. Dazu gehö­ren die voll funk­ti­ons­fä­hi­ge spät­go­ti­sche Alte Küche, die Burg­kap­pe mit dem hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Glas­fens­ter, der pom­pö­se Rit­ter­saal, das Königs­zim­mer, in dem heu­te stan­des­amt­li­che Trau­un­gen durch­ge­führt wer­den. Im Schie­fen Saal und der Gro­ßen Hofstu­be infor­miert eine Dau­er­aus­stel­lung über die Burg­ge­schich­te.

Dazu gehört auch die His­to­rie des „Sach­sen­spie­gels“. Auf Bit­ten des Gra­fen Hoyer von Fal­ken­stein brach­te sein Lehns­mann und Rechts­be­ra­ter Eike von Rep­gow (1180–1233) in der Zeit von 1220 und 1230 auf der Burg Fal­ken­stein das unge­schrie­be­ne Gewohn­heits­recht in eine schrift­li­che Form.

 


Sach­sen­spie­gel

deutsch­spra­chi­ges Rechts­buch zum Land- und Lehn­recht im Spät­mit­tel­al­ter. Aus ihm stammt das wohl all­be­kann­te Wort: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Heu­te eine geläu­fi­ge Rede­wen­dung. Ursprüng­lich war damit die Rei­hen­fol­ge in wel­cher die Bau­ern beim Mül­ler ihr Korn mah­len las­sen kön­nen, gemeint.

Unser Gang führt durch vie­le mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Räu­me. Jetzt ste­hen wir vor einer Tür mit der Auf­schrift: Zum Turm. Die Mäd­chen sind gleich Feu­er und Flam­me: Da müs­sen wir hoch! Ich also hin­ter­her. Die Aus­sicht wird den Auf­stieg loh­nen, sage ich mir. Es geht bes­ser als gedacht, liegt wohl an der Art der Stu­fen (oder an mei­ner Fit­ness – ein auf­bau­en­der Gedan­ke). Auf der Aus­sichts­platt­form unter der Turm­spit­ze schau­en wir auf das herr­li­che Pan­ora­ma des Harz­lan­des. Ich habe mir schon oft die Fra­ge gestellt, wie vie­le Arten Grün es wohl gäbe.

Nach dem Turm­ab­stieg folgt noch die halb­stün­di­ge Wan­de­rung zum Park­platz. Man könn­te auch die Bim­mel­bahn neh­men, die uner­müd­lich die Besu­cher zur Burg bringt bzw. sie zum Park­platz zurück­fährt.
Man könn­te …


Bevor es in Rich­tung Hei­mat geht, gön­nen wir uns noch ein Eis. 

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