Besucherbergwerk „Hühn“

  

24. August 2017

Was haben wir doch für ein Glück mit dem Wet­ter! Auch heu­te meint die Son­ne es gut mit Thü­rin­gen. Wir sind nach dem Früh­stück nach Brot­tero­de-Tru­se­tal auf­ge­bro­chen. Dort gibt es, so haben wir in Erfah­rung gebracht, ein Schau­berg­werk, das wir uns anse­hen wol­len. Mit dem Auto dau­ert die Anfahrt eine hal­be Stun­de und wir par­ken auf einem kos­ten­lo­sen Park­platz in unmit­tel­ba­rer Nähe des Besu­cher­berg­werks „Hühn“ am Orts­rand von Tru­se­tal. Hier wur­den bis 1990 Mine­ra­li­en, vor allem Schwer- und Fluss­spat, abge­baut.

 Besu­cher­berg­werk “Hühn”
Eisen­stein­stra­ße 91
98596 Tru­se­tal

 Füh­run­gen
Ostern bis Ende Okto­ber
10.00 Uhr, 11.15 Uhr
12.30 Uhr, 13.45 Uhr
15.00 Uhr, 16.15 Uhr

 Ein­tritt
Erwach­se­ne: 6,50€
Kin­der ab 4 Jah­re: 4€

Bis zur nächs­ten Füh­rung um 12:30 Uhr ist noch eine Drei­vier­tel­stun­de Zeit, die mit einem klei­nen Spa­zier­gang über­brückt wird. Die Mäd­chen sind als Foto­gra­fin­nen „immer bereit“. Und schon haben sie eine Eidech­se, die sich mit­ten auf dem stei­ni­gen Weg sonnt, ent­deckt. Ein neu­es Foto-Objekt! Vor­sich­tig. Nicht das Tier ver­scheu­chen. Und gleich noch ein Bild. Das hat geklappt.
Wir bege­ben uns zum Ein­gangs­ge­bäu­de des Berg­werks. Inzwi­schen sind noch sechs Besu­cher ein­ge­trof­fen. Bevor es los­geht, schlüp­fen alle in einen grü­nen gum­mi­er­ten Schutz­man­tel und stül­pen sich einen gel­ben Helm auf den Kopf. So aus­ge­rüs­tet führt uns der Berg­werks­füh­rer zum „Hühn-Express“. Das sind meh­re­re Wagen einer klei­nen Schmal­spur­bahn, die von einer Elek­tro­lok gezo­gen wer­den. Jetzt heißt es Platz neh­men und ab geht die Fahrt unter ziem­li­chem Getö­se und Gerum­pel, also abso­lut aben­teu­er­lich, in die unter­ir­di­schen Gän­ge des Berg­wer­kes. 
Der Zug hält, alle stei­gen aus und der Berg­werks­füh­rer erzählt über die Geschich­te die­ses Berg­wer­kes und erklärt die Sicher­heits­ein­rich­tun­gen, den Stol­len­vor­trieb, die viel­fäl­ti­gen tech­ni­schen Gerä­te, den berg­män­ni­schen Abbau der Mine­ra­le Schwer- und Fluss­spat. Eine schwe­re Arbeit: Der Vor­trieb der Stol­len und deren Absi­che­rung, das Boh­ren von Spreng­lö­chern, das Spren­gen, das Ver­la­den des Gesteins und sei­nes Trans­por­tes an die Erd­ober­flä­che. Und das alles aus
Sicher­heits­grün­den ohne elek­tri­schen Strom. Die Gerä­te wur­den mit Druck­luft betrie­ben, d.h. zum Ein­satz kamen Press­luft­bohr­werk­zeu­ge. 
Der Früh­stück­platz ist nach­ge­stellt, eben­so
der „Kübel­ort“, was sein muss, muss sein. Auch der Berg­werks­geist ließ sich bli­cken, was die Mäd­chen sofort zu einem Sel­fie inspi­rier­te.
Schwer­spat

oder Baryt ist das kris­tal­li­ne Mine­ral Bari­um­s­ufat. Es besitzt eine hohe Dich­te, ist also rela­tiv schwer (baros (griech) = schwer), lässt sich aber leicht spal­ten (Spat à spal­ten)

Fluss­spat
oder Fluo­rit ist das kris­tal­li­ne Mine­ral Cal­ci­um­fluo­rit. Es kann in  ver­schie­dens­ten Far­ben auf­tre­ten, nicht nur farb­los, son­dern auch lila, grün, gelb, blau, rot, oran­ge, sogar fast schwarz.

Nach einer Stun­de führt der Berg­werks­füh­rer unse­re Besu­cher­grup­pe durch einen län­ge­ren Gang wie­der ans Tages­licht. Das war alles sehr inter­es­sant und infor­ma­tiv. Zum guten Schluss wird uns noch die Turm­klau­se, eine Gast­stät­te, die sich auf den Gip­fel des Ber­ges befin­det, emp­foh­len.

Turm­klau­se

War­um nicht? Wir neh­men den Hin­weis erwar­tungs­voll an und star­ten mit dem Auto auf einem wohl nicht öffent­li­chen Weg, was ich aller­dings erst spä­ter mit­be­kom­me. Nun geht es auf­wärts über Gesteins­bro­cken, durch Spur­rin­nen und Löcher, links die Berg­wand, rechts der Abhang. Mein Gott, das soll die öffent­li­che Anfahrt sein? Kann ich mir nicht vor­stel­len. Die Hoff­nung auf ein bal­di­ges Ende muss sich gedul­den, ehe die Berg­kup­pe erreicht ist. Und da ist sie, die Turm­klau­se, Gast­stät­te und Pen­si­on. Wie kom­men nur die Gäs­te hier hin­auf? Der Weg, den wir genom­men haben, kann es doch wohl nicht sein.

Doch jetzt freu­en wir uns auf das Essen. Schon kommt der nächs­te Schreck. Der Wirt teilt uns mit, dass er eine geschlos­se­ne Gesell­schaft erwar­tet, auf die er sich vor­be­rei­ten müs­se und des­halb heu­te geschlos­se­nen hät­te. Viel­leicht haben ihn unse­re ent­täusch­ten Gesich­ter gerührt.
Jeden­falls ändert er sei­ne Mei­nung. Mar­t­he und ich bestel­len Rin­der­rou­la­de mit Thü­rin­ger Klö­ßen, Agi ent­schei­det sich für Schwei­ne­bra­ten. Ein biss­chen müs­sen wir war­ten, aber die­se War­te­zeit hat sich gelohnt. Ein phan­tas­ti­sches Essen und auch noch preis­wert (je 8,90€). Abso­lut emp­feh­lens­wert. Die holp­ri­ge Anfahrt ist ver­ges­sen. Wir genie­ßen in vol­len Zügen das Essen. 
Schon die­se kur­ze Pau­se hat genügt, um alle Lebens­geis­ter wie­der zu ent­fa­chen. Ich bin noch beim Bezah­len, da stür­men die Mädels schon los. Sie haben einen Turm ent­deckt. Ich also hin­ter­her. Nach 200 Metern immer schön berg­auf taucht er in gan­zer Grö­ße auf, der Wal­len­turm,

Der Turm ist ein Über­bleib­sel der Wal­len­burg, die hier um 1200 auf der Kup­pe des Hühn­bergs erbaut wor­den war. Aha, daher der Name Berg­werk „Hühn“.

1516 ver­barg sich Götz von Ber­li­chin­gen (1480–1562) eini­ge Tage auf der Burg. Er lag mit dem Gra­fen Phil­ipp II. von Wal­deck und des­sen Ver­bün­de­ten in Feh­de, weil er den Gra­fen gefan­gen genom­men und erst nach einem Löse­geld wie­der frei­ge­las­sen hat­te.

Im Bau­ern­krieg 1525 wur­de die Burg von den auf­stän­di­schen Bau­ern bela­gert, gestürmt und in Brand gesetzt. Zurück blieb eine Burg­rui­ne. Die Rui­ne wur­de abge­bro­chen, um die Stei­ne für den Bau der Wil­helms­burg in Schmal­ka­den zu ver­wen­den. Nur der Turm blieb davon ver­schont, soll­te er doch als Feu­er­war­te genutzt wer­den. Vor die­sem Turm ste­hen wir und schon haben Mar­t­he und Agi ent­deckt, die Tür ist offen. Man kann den Turm bestei­gen. Da gibt es kein Hal­ten. Ich muss hin­ter­her. Aber es lohnt sich. Beson­ders bei die­sem schö­nen Wet­ter haben wir einen herr­li­chen Aus­blick über die male­ri­sche Land­schaft des Thü­rin­ger Wal­des.

 
Nach­dem wir wie­der her­un­ter­ge­klet­tert sind, ver­gnü­gen sich die Mädels noch auf dem klei­nen Spiel­platz. Ihre Freu­de und ihr Spaß sind nicht zu über­hö­ren. Ich spa­zie­re inzwi­schen um den Turm her­um und ent­de­cke in der Tat noch die Über­res­te eines Brun­nens, wovon die Wir­tin der Turm­bau­de, eine klei­ne Loka­li­tät in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Tur­mes, erzählt hat­te. Eine Burg ohne Brun­nen – undenk­bar. 

Wir machen uns auf den Rück­weg. Oh je, wie­der die­ser schreck­li­che Weg. Es soll kei­nen ande­ren Zugang geben. Ob das stimmt. Ich ent­de­cke auch kei­nen, aber das muss ja nichts hei­ßen. Das wür­de für Gäs­te des Restau­rants und der Pen­si­on bedeu­ten, … . Schwer vor­stell­bar. So rum­peln wir also lang­sam den Weg zurück. Mir tut das Auto leid. Dafür ist es weiß Gott nicht geschaf­fen. Aber was bleibt uns übrig? Und es kommt noch schlim­mer. Wir haben es fast geschafft, sind schon ober­halb des Ein­gangs­ge­bäu­des des Besu­cher­berg­werks, als uns ein Last­wa­gen ent­ge­gen­kommt. Nun ist guter Rat aber rich­tig teu­er, denn ein Aus­wei­chen ist unmög­lich. Zum Glück setzt der Last­wa­gen zurück und wir kön­nen pas­sie­ren – mit dem Hin­weis, das sei kei­ne öffent­li­che Stra­ße. Das glau­be ich gern, aber wie erreicht man dann die Gast­stät­te? Die­se Fra­ge bleibt unge­klärt. Wir fah­ren zurück nach Fried­rich­ro­da.

Bevor wir jedoch das Hotel auf­su­chen, machen wir noch eine „Kneipp­kur“. Was­ser­tre­ten in einem dafür ange­leg­ten Was­ser­be­cken, das durch den par­al­lel lau­fen­den Gebirgs­bach gespeist wird – will sagen: Kalt!!! Trotz­dem las­sen wir uns nicht abschre­cken und waten tap­fer durch das kal­te Was­ser. Gut abtrock­nen. Socken an. In der Tat, man fühlt sich echt erfrischt. 

 

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