Berliner Dom

 

DOM FREI
Eine Schatz­su­che durch den Ber­li­ner Dom

Am Lust­gar­ten, 10178 Ber­lin

Der Ber­li­ner Dom mit­ten im Zen­trum der Stadt in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des sich im Wie­der­auf­bau befin­den­den Schlos­ses zwi­schen Spree und Lust­gar­ten gele­gen ist ein gewal­ti­ges Bau­werk, das nicht über­se­hen wer­den kann. Es ist die größ­te Kir­che Ber­lins und zen­tra­ler Ort der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land. Über sei­ne Funk­ti­on als Heim­statt sei­ner Kir­chen­ge­mein­de hin­aus ist es ein Ort leben­di­ger Kul­tur, der sei­ne Tore weit für Besu­cher öff­net. Got­tes­diens­te, Dom­be­sich­ti­gen und -füh­run­gen, Kon­zer­te und diver­se the­ma­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen zie­hen jähr­lich hun­dert­tau­sen­de Besu­cher aus dem In- und Aus­land an. Das kann ich nur bestä­ti­gen. Als vor drei Jah­ren im Som­mer mein pol­ni­scher Freund Rys­zard in Ber­lin zu Besuch war, war eines unser Besich­ti­gungs­zie­le der Ber­li­ner Dom. Es war eine ganz nach­hal­ti­ge Erfah­rung die pracht­vol­le Pre­digt­kir­che zu sehen und oben auf dem Kup­pel­rund­gang den Pan­ora­ma­blick über die Stadt zu genie­ßen. Bis dahin sind eine Viel­zahl von Trep­pen zu bewäl­ti­gen (kein Fahr­stuhl), aber es lohnt sich!

In der ers­ten Febru­ar­wo­che sind die Ber­li­ner Schu­len geschlos­sen. Es sind Win­ter­fe­ri­en. Das ist Anlass für den Ber­li­ner Dom erst­mals eine Feri­en­ak­ti­on „DOM FREI!“ zu star­ten: Für drei Tage vom 31. Janu­ar bis zum 2. Febru­ar kön­nen alle Ber­li­ner den Dom kos­ten­los besich­ti­gen. Und ganz offen­sicht­lich wird die­ses Ange­bot gut ange­nom­men. Ich fin­de die­se Akti­on auch toll und mache mich moti­viert auf den Weg.

Der Dom besteht aus der zen­tra­len Pre­digt­kir­che unter der Kup­pel sowie der Tauf- und Trau­kir­che. Das Haupt­por­tal befin­det sich auf der West­sei­te des Gebäu­des am Lust­gar­ten. Hier heißt es erst ein­mal anste­hen; ist nicht so ange­nehm bei dem nass­kal­ten Win­ter­wet­ter. Es geht aber zügig Schritt für Schritt vor­an. Alles scheint gut orga­ni­siert. Nach Pas­sie­ren des Ein­gangs ist immer noch etwas Geduld gefragt: Anste­hen an der Kas­se, um sein 0€-Ticket (nor­ma­ler­wei­se 7€) nach Vor­zei­gen sei­nes Aus­wei­ses (Ber­li­ner Adres­se) in Emp­fang zu neh­men.

Es ist nicht mein ers­ter Dom­be­such. Doch immer wie­der beein­druckt die glanz­voll aus­ge­stat­te­te Pre­digt­kir­che mit ihrer acht­sei­ti­gen Archi­tek­tur, die den Ein­druck eines kraft­vol­len Zusam­men­schlus­ses aller Besu­cher erweckt. Und das sind nicht weni­ge. Der Dom bie­tet etwa 1650 Sitz­plät­ze. In einer Höhe von ca. 70 Metern über­spannt eine gewal­ti­ge Kup­pel den Raum. In deren Zen­trum befin­det sich ein Rund­fens­ter, das eine Tau­be als Sym­bol des Hei­li­gen Geis­tes zeigt, gerahmt von groß­flä­chi­gen Mosai­ken. Der Blick rich­tet sich auf den Altar, geschaf­fen von Fried­rich August Stü­ler, wan­dert wei­ter zu den impo­san­ten Sand­stein­sta­tu­en, die auf Gesim­sen rings um den Kir­chen­raum auf Halb­säu­len ste­hen. Auf der Altar­sei­te sind es die Refor­ma­to­ren Cal­vin, Luther, Melan­chthon und Zwing­li; auf der Sei­te der Kai­ser­lo­ge sind vier welt­li­che Herr­scher ver­ewigt: Her­zog Albrecht von Preu­ßen, Kur­fürst Joa­chim II. von Bran­den­burg, Kur­fürst Fried­rich der Wei­se von Sach­sen und Land­graf Phil­ipp der Groß­mü­ti­ge von Hes­sen; und schließ­lich zu der von Wil­helm Sau­er gebau­ten Orgel.

Wil­helm Sau­er

bau­te Anfang des 20. Jahr­hun­derts in sei­ner Fir­ma in Frankfurt/Oder über 1100  Orgeln. Dazu gehör­ten die Orgeln im Ber­li­ner Dom in der Leip­zi­ger Tho­mas­kir­che, in der Stadt­hal­le Gör­litz und die damals größ­te Orgel der Welt in der Bres­lau­er Jahr­hun­dert­hal­le, heu­te im Bres­lau­er Dom.

  
 

Auf dem Weg zum Dom-Muse­um pas­sie­re ich eine Büs­te, die mich stut­zen lässt: Juli­us Rasch­dorff. Aha, so sah also der Bau­meis­ter des Domes aus. Dem Dom in sei­ner heu­ti­gen Gestalt lie­gen viel­ge­stal­ti­ge Vor­gän­ger und Ent­wür­fe zugrun­de. Das kann man anhand der aus­ge­stell­ten Model­le, Zeich­nun­gen und Ent­wür­fe sowie erhal­te­ne Dekor­tei­le nach­voll­zie­hen.

 

Juli­us Rasch­dorff

(1823–1914) arbei­te­te als Archi­tekt und Stadt­bau­meis­ter zunächst in Köln, ehe er 1878 nach Ber­lin wech­sel­te. Hier wur­de unter sei­ner Lei­tung in elf­jäh­ri­gen Bau­zeit sein Haupt­werk, der Ber­li­ner Dom, errich­tet. Die Grund­stein­le­gung erfolg­te 1894. Rasch­dorff, der über 30 Jah­re auch an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le in Char­lot­ten­burg Archi­tek­tur lehr­te, war ein Ver­tre­ter des His­to­ris­mus, der Stil­ele­men­te der Hoch-Renais­sance und des Neo-Barock ver­band. Neben dem Dom hat er das Haupt­ge­bäu­de der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät in Ber­lin gebaut.

Es geht aber noch viel höher hin­auf – wenn man möch­te. 270 Stu­fen bis zum Kup­pel­rund­gang sol­len es sein. Ich habe nicht gezählt. Es waren vie­le, aber mach­bar. In 50 Meter Höhe etwas Wind und ein win­ter­li­ches Bild über Ber­lin. Ich höre jeman­den sagen: Scha­de, dass das Wet­ter nicht mit­spielt. Wenn jetzt Som­mer wäre … Die Ant­wort war inter­es­sant: Jede Jah­res­zeit hat ihren Reiz. Schau nur wie schön Ber­lin unter die­ser zar­ten Schnee­de­cke ist.

Wie­der­auf­bau des Ber­li­ner Schlos­ses

Es ist ein wirk­li­cher Rund­gang mit Blick in alle Him­mels­rich­tun­gen: Mari­en­kir­che. Stadt­haus, Rotes Rat­haus, Fern­seh­turm, Niko­lai­kir­che, Fried­richs­wer­der­sche Kir­che, Unter den Lin­den, Muse­ums­in­sel, Lust­gar­ten, Schloss­bau­stel­le, Spree, S-Bahn, …

  Pan­ora­ma­blick im Som­mer

 Pan­ora­ma­blick im Win­ter

Stu­fen für Stu­fe geht es zurück und gleich wei­ter in die Kryp­ta, in der zahl­rei­che Mit­glie­der des Hau­ses Hohen­zol­lern ruhen. Die Hohen­zol­lern­gruft gestützt auf 78 Sand­stein­säu­len ist mit 94 Bestat­tun­gen die wich­tigs­te dynas­ti­sche Grab­le­ge Deutsch­lands.

Die ange­dach­ten Restau­rie­rungs­ar­bei­ten sind nur zu begrü­ßen, ins­be­son­de­re was Sys­te­ma­tik, Licht­ver­hält­nis­se und eine über­sicht­li­che Infor­ma­ti­on anbe­langt. Aber, wie man liest, ist das geplant und Geld steht zur Ver­fü­gung. Es kann los­ge­hen. Ja, los­ge­hen. Jetzt wer­den die Bei­ne schwer. Durch den Dom-Shop erreicht man den Aus­gang. Wer möch­te, kann im Dom­ca­fé noch eine Stär­kung zu sich neh­men. Ich kann sagen, ein Besuch lohnt sich – so viel Geschich­te, so viel Kul­tur. Das soll­te man sich nicht ent­ge­hen las­sen.

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