Barockfest in Gotha

26. August 2017

In der Nacht ist ein schweres Gewitter niedergegangen. Wir haben zwar tief und fest geschlafen, erleben aber noch am Morgen seine Ausläufer. Draußen ist es noch relativ dunkel, die großen Bäume biegen sich im Wind und es regnet – eine Wettererfahrung, die wir bisher hier noch nicht erlebt haben. Aber im Laufe des Frühstücks hört der Regen auf und nach und nach nimmt die Sonne ihren angestammten Platz ein. Das nenne ich Glück.
Wir möchten heute nach Gotha fahren. Aber nicht
mit dem Auto, sondern mit der Thüringerwaldbahn,  die wir mit der Gästekarte kostenlos nutzen können. Eine touristenfreundliche Idee!

Haltestelle in Friedrichroda

Pünktlich um 11:04 Uhr stoppt der Wagenzug an der Haltestelle „Friedrichroda“. Wir sind nicht die einzigen Fahrgäste; im Gegenteil, die Bahn ist gut gefüllt. Aber wir bekommen einen Sitzplatz und können die 50minütige Fahrt durch den Thüringer Wald genießen. Von weitem sieht man den Großen Inselsberg. Von der Haltstelle „Boxberg“ würde man zur historischen Pferderennbahn gelangen. Dafür haben wir heute keine Zeit. Nach vielen Feldern, Wiesen und Wäldern kommt Gotha in Sicht. Die Stadt hatte einmal weit über 55 000 Einwohner; jetzt sind es noch um die 45000. Es ist also eine mittelgroße Stadt. In Thüringen ist es die fünftgrößte Stadt und hat einiges zu bieten. Besonders seine Historie ist interessant.

 

Von 1640 an war Gotha Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenberg; ab 1826 bis 1918 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, danach bis zur Gründung des Landes Thüringen 1920 Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen-Gotha. Von dieser Würde zeugen alte, repräsentative Bürgerhäuser, vor allem natürlich das Schloss Friedenstein mit seinem Park und den Schlossanlagen wie der Orangerie.

Die Waldbahn fährt wegen Bauarbeiten eine andere Route. Wir bekommen das mit, als fast alle Fahrgäste an einer eher unscheinbaren Haltestelle aussteigen. Wir schließen uns einfach an. Es dauert auch nur ein paar Minuten bis wir die Orangerie und den herrlichen Park erreicht haben. Was für eine Farbenpracht, welch ein Blumenzauber. Das muss fotografiert werden.
  

Über eine Treppe erklimmen wir einen kleinen Berg und stehen im Rücken des Schlosses Friedenstein. Die barocke Anlage umfasst im Schloss verschiedene Museen, eine Bibliothek, einen Park mit Orangerie und ein Theater.

Hier findet an diesem Wochenende das 17. Barockfest statt. Wer in einem historischen Kostüm erscheint und das sind unzählig viele Besucher, der hat freien Eintritt. Ich zahle 10€. Kinder haben freien Eintritt. Die Mädchen sind von den üppigen, farbenprächtigen Barockkostümen fasziniert.

Barock ist eine kunstgeschichtliche Stilepoche in Europa, die von 1575 bis 1770 reichte. Sie zeigt sich in prunkvollen Bauten, üppigen Formen, Sinnlichkeit, Genuss und gleichzeitig in Symbolen der Vergänglichkeit.

 

Das Programm kann sich sehen lassen. Es ist gespickt mit Höhenpunkten: u.a. im Festsaal des Schlosses, in der Schlosskirche, im Ekhof-Theater, im Musikzimmer, im Arbeitszimmer und im Vorzimmer des Herzogs sowie auf der Bühne im Schlosshof.

Barockfest auf Schloss Friedenstein

Im Schlosshof haben zeigen Handwerker mittelalterliche Handwerkskunst. Händler preisen ihre Waren an. Ein cleverer Kostümverleiher hat Stellung bezogen und hofft auf Spätentschlossene. Ein Clown, ein Stelzenmann, ein Zauberer sorgen für Belustigung vor allem der Kinder.

 

Hans Conrad Ekhof bekannter Schauspieler im 18. Jahrhundert, der das deutsche Theater durch die Einführung von realistischen Darstellungsformen maßgeblich veränderte.

Wir sehen uns im Schloss um und spazieren durch die prächtigen Räume. Im Festsaal treffen wir auf eine Tanzveranstaltung, der wir eine Weile zusehen.
Im Ekhof-Theater bietet sich die Gelegenheit ein kleines Theaterstück zu verfolgen: „Man muss vernünftig sein!“ oder „Drei Herzoginnen im Elysium“. Vom Rang aus haben wir eine vorzügliche Sicht. Worum geht es? Drei adlige Frauen aus unterschiedlichen historischen Epochen sind im Himmel und tauschen sich in amüsanter Weise über ihre Lebenseinstellungen und Werte aus. 
  

Im Schlosshof ist auch der Startpunkt für Kutschfahren durch das Parkgelände. Agi fühlt sich magisch angezogen und möchte liebend gern mit solch einer Kutsche fahren. Aber die Schlange der Wartenden ist lang. Das kann dauern. Am östlichen Wallgraben beobachten wir eine illustre Gesellschaft beim Picknick. Ja, wir haben auch Hunger. Deshalb machen wir uns auf den Weg in die Stadt und suchen uns eine gemütliche Gaststätte. Im Restaurant „Zur goldenen Schelle“ am Marktplatz werden wir fündig. Sehr schmackhaftes Essen – empfehlenswert.

 


Thüringer Waldbahn

Kurz vor 18 Uhr fahren wir mit der Thüringer Waldbahn nach Friedrichroda zurück. Wir wollten uns Gotha und sein Schloss ansehen und sind überraschend auf das Barockfest gestoßen. Ein echter Höhepunkt für unseren letzten Tag in Thüringen. Morgen treten wir die Heimreise an. Es gibt viel zu erzählen.

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