Brücken über den Forth

30. Juli 2017
Als wir heu­te beim gemüt­li­chen Früh­stück sit­zen, ahnen wir noch nicht, was für ein akti­ons­rei­cher Tag vor uns liegt. Von Edin­burgh aus sind in der Fer­ne impo­san­te Brü­cken zu ent­de­cken. Auch in jedem Tou­ris­ten­pro­spekt sind sie abge­bil­det, die Brü­cken über den River Forth. Was hat es damit auf sich? Heu­te wol­len wir uns selbst ein Bild machen. Wir sind neu­gie­rig. Ges­tern erhiel­ten wir den Tipp, dass eine Fahrt mit dem Zug nach North Queens­fer­ry über die legen­dä­re den Fjord über­span­nen­de Forth Rail­way Bridge, ein unver­gess­li­ches Erleb­nis ist. Die­sem Hin­weis fol­gen wir und star­ten von der uns inzwi­schen gut ver­trau­ten Sta­ti­on Hay­mar­ket in einem Vor­ort­zug nach North Queens­fer­ry. Die Fahrt über die Bucht, einem ein Mee­res­arm der Nord­see, ist zwei­fel­los beein­dru­ckend, aber auch schnell vor­bei.

Die zwei­glei­si­ge Forth Rail­way Bridge zwi­schen den Orten North und South Queens­fer­ry ist eine, wie der Name schon betont, Eisen­bahn­brü­cke. Die Aus­le­ger­brü­cke mit einer Län­ge von 2,5 Kilo­me­ter wur­de 1890 für den Ver­kehr frei­ge­ge­ben. Sie gehört seit 2015 zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be.

 

 

Forth Rail­way Bridge

Schon ste­hen wir auf dem Bahn­hof “North Queens­fer­ry” und schau­en hin­ab in das brei­te Tal, in dem der Fluss Forth in den Mee­res­arm über­geht und schließ­lich in die Nord­see mün­det. Wir stei­gen ins Tal hin­ab und hal­ten nach einem Schiff Aus­schau, das eine Rund­fahrt auf dem Fluss ermög­licht. Von so einem Ange­bot haben wir gele­sen. Aber weit und breit ist davon nichts zu sehen, nicht ein­mal ein Hin­weis­schild. Es sind auch kaum Leu­te unter­wegs. Eine himm­li­sche Ruhe, ein herr­li­cher Aus­blick. Eine Wei­le strei­fen wir am Ufer ent­lang, dann machen wir uns wie­der an den Auf­stieg. Ich hat­te es geahnt, dass das kom­men muss. Also los. Unter dem star­ken Brü­cken­pfei­ler der Forth Road Bridge, einer Fach­werk­trä­ger-Stra­ßen­hän­ge­brü­cke und die mitt­le­re der drei Brü­cken, erklim­men wir Schritt für Schritt die Anhö­he, klet­tern noch über einen Zaum und stei­gen eine Trep­pe hoch. Hier tref­fen wir ein schwe­di­sches Ehe­paar, das uns end­gül­tig von der Illu­si­on befreit, dass irgend­et­was Attrak­ti­ves auf der Nord­sei­te zu ent­de­cken wäre. All die­se Din­ge wären am Süd­ufer ange­sie­delt. Tja, was sagt man dazu. Der wohl­ge­mein­te Tipp war für uns eher ein Fehl­schlag.

In einer Ent­fer­nung von einem Kilo­me­ter wird die Forth-Mün­dung von der 1964 eröff­ne­ten Forth Road Bridge, einer vier­spu­ri­gen Hän­ge­brü­cke für den Stra­ßen­ver­kehr, über­quert. Über die­se Brü­cke füh­ren die Natio­nal­stra­ße A90 sowie Fuß­gän­ger- und Rad­we­ge. Sie hat in etwa die glei­che Län­ge wie die par­al­lel lau­fen­de Eisen­bahn­brü­cke. Seit 2001 steht die Brü­cke unter Denk­mals­schutz.

  

Forth Road Bridge

Oben an der Nord­sei­te der Forth Road Bridge sto­ßen wir auf eine Bus-
Hal­te­stel­le. Pri­ma, erst ein­mal hin­set­zen und durch­schnau­fen. Kaum kom­men die Kräf­te wie­der, kehrt auch der Über­mut zurück. 
Ich mache den Vor­schlag, über die Brü­cke zur Süd­sei­te zu lau­fen. Für die­se Idee ist Lot­ti über­haupt nicht zu begeis­tern. Die Brü­cke ist gut 2,5 Kilo­me­ter lang – um Got­tes Wil­len. Lass uns auf einen Bus war­ten. Irgend­wann muss ja einer kom­men. Ich fin­de mei­ne Idee zwar immer noch pri­ckelnd, füge mich aber. Wer weiß, viel­leicht doch bes­ser so von wegen Kräf­te­ein­tei­lung. Sehr lan­ge müs­sen wir auch nicht war­ten und schon sit­zen wir im Bus und über­que­ren aber­mals den Fjord. Die­ses Mal in einem Bus.
Am Süd­ufer ent­de­cken wir schon von wei­tem die Abfahrts­stel­le des Sight­see­ing-Schiffs, der Maid of the Forth. Die­se befin­det sich am Fuße der Eisen­bahn­brü­cke, das heißt bis dahin zurück­zu­lau­fen. Der Weg zieht sich. Wir brau­chen fast eine hal­be Stun­de. Als wir end­lich den Kai errei­chen, bekom­men wir mit, gleich wird das Schiff zu sei­nem letz­ten Tages­aus­flug able­gen. Schnell kau­fen wir die Tickets. So ein Glück, dass Lot­ti nicht lau­fen woll­te. Dann hät­ten wir dem Schiff nur noch hin­ter­her­win­ken kön­nen.
  

Die Rund­fahrt dau­ert 1,5 Stun­den. Sie führt zum Incholm Island, einer 700 Meter lan­gen und 200 Meter brei­ten Insel im Forth. Wenn man möch­te (und natür­lich wenigs­ten eine Tour eher gestar­tet ist), kann man an Land gehen und sich die Klos­ter­rui­ne aus dem 12. Jahr­hun­dert und eini­ge mili­tä­ri­sche Ver­schan­zun­gen anse­hen – neben all dem, was die Natur zu bie­ten hat.

Die letz­ten Tages­be­su­cher kom­men an Bord und wei­ter geht die Fahrt vor­bei an einem Leucht­turm, vor­bei an Bojen, auf denen es sich Rob­ben geht gehen las­sen, vor­bei an Öltank­sta­tio­nen. Der Wind frischt auf. Wer auf dem Deck ist, sucht sich einen Platz im Wind­schat­ten. Jetzt fah­ren wir direkt auf die drei Brü­cken zu. Zuerst unter­que­ren wir die Eisen­bahn­brü­cke, dann die Auto­brü­cke und schließ­lich die nigel­na­gel­neue Auto­bahn­brü­cke, die Queens­fer­ry Crossing. Sie wird in zwei Wochen eröff­net wer­den.

 

Abtei auf Incholm Island


Die fili­gra­ne Queens­fer­ry Crossing, auf der die Auto­bahn M90 über die Forth-Mün­dung geführt wird, wur­de erst im Sep­tem­ber 2017 ein­ge­weiht. Sie ist mit 2,7 Kilo­me­ter die längs­te Schräg­seil-Auto­bahn­brü­cke der Welt.

 

 

Queens­fer­ry Crossing

Eine aus­ge­zeich­ne­te Gele­gen­heit, das Brü­cken­pan­ora­ma zu foto­gra­fie­ren, gar nicht so ein­fach bei der Län­ge die­ser Bau­wer­ke und den Bewe­gun­gen des Schif­fes. Wet­ter und Wol­ken wech­seln fast im Minu­ten­takt. Was für ein Schau­spiel.

Um halb sechs legt das Schiff an. Wie­der fes­ten Boden unter den Füßen. Noch ein paar Fotos vom Land aus. Nach einer län­ge­ren War­te­zeit geht es mit dem Lini­en­bus zurück nach Edin­burgh. Ja, so ein­fach kann es sein, wenn man weiß wie. 30 Minu­ten spä­ter errei­chen wir den St Andrew Squa­re. Inzwi­schen ist es fast wind­still. Über uns ein blau­er Him­mel. Kein Wölk­chen ist zu sehen. Wir spa­zie­ren die Rose Street zurück in Rich­tung unse­res Hotels und hal­ten Aus­schau nach einer geneh­men Gast­stät­te. Lot­ti hat Appe­tit auf Ita­lie­nisch. War­um nicht? Das lässt sich leicht rea­li­sie­ren. „Unser“ Ita­lie­ner“ ist groß, laut und etwas hek­tisch, aber das Essen ist in Ord­nung. 

 

Ein Kommentar zu “Brücken über den Forth

  1. Martina Lembcke

    Lie­be Ilo­na,

    Man­dy und ich lesen gera­de bei einem Schluck Kaf­fee dei­ne Rei­se­be­rich­te und sind sehr amü­siert und ange­regt mehr zu erfah­ren!!!
    Beim Lesen dei­ner Berich­te, mer­ken wir, wie sehr Du uns fehlst!
    Wir hof­fen, dass wir uns die­ses Jahr noch SEHEN wer­den!!!
    Hier in der Möll­ner Stra­ße hat sich viel getan 🙂 Daher, ein Info-Besuch wür­de sich loh­nen…

    Ganz herz­li­che Grü­ße und Dir noch eine wun­der­ba­re Rei­se­zeit von Man­dy und Tina

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