Arnstadt – Bachkirche und Schlossmuseum

 

  10. Juni 2016

Nach einem guten Frühstück machen wir uns auf, Arnstadt zu erkunden. Arnstadt ist als Bachstadt bekannt. Sie ist zudem mit über 1300 Jahren die älteste Stadt Thüringens. Auch hier sind viele Häuser restauriert und ihre frischen Farben glänzen in der Sonne.

10-Arnstadt Rathaus-2Auf dem großzügig angelegten Marktplatz fallen sofort das Bach-Denkmal und das Rathaus ins Auge. Das Rathaus wurde Ende des 16.Jahrhunderts im Stil der Renaissance erbaut. Das sieht man auch an den reichen Verzierungen, die die Fassade schmücken.  Hier befindet sich die Touristeninformation.

Das mitten auf dem Marktplatz stehende Bach-Denkmal wurde von Bernd Göbel geschaffen und 1985 anlässlich des 300. Geburtstages des Komponisten eingeweiht. Es zeigt den jungen Bach in einer lässigen Pose auf einem Meilenstein sitzend.

10-Arnstadt Bachkirche-5Die heute als Bachkirche bekannte Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als Neue Kirche erbaut. Die Orgel schuf der  Orgelbaumeister Johann Friedrich Wender. Die Wender-Orgel wurde, wie die Hildebrand-Orgel der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel, von Johann Sebastian Bach geprüft und abgenommen. Noch im gleichen Jahr, 1703, wurde der erst 18jährige Bach an die Neue Kirche als Organist berufen. Diese Tätigkeit  und blieb bis 1707 in Arnstadt als Organist tätig.

Unterhalb der Bachkirche zieht der reich verzierte Hopfenbrunnen die Blicke auf sich. Oben auf dem Brunnen steht ein Ritter im Harnisch mit Schild und Lanze.

Wir durchqueren den langgestreckten Marktplatz, um die Liebfrauenkirche zu besichtigen. Es handelt sich um einen romanisch-gotischen Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert, der baugeschichtliche Parallelen zum Naumburger Dom erlaubt. Uns beeindruckt die reiche Innenausstattung.

 

Auf dem Rückweg kommen wir an dem Bach-Haus, einer Wohnstätte der Familie Bach, vorbei. Natürlich wollen wir einen Blick hineinwerfen. Es ist aber leider geschlossen. Schade.

10-Arnstadt Neidecksturm-2Wir bummeln weiter durch die Stadt und entdecken einen hohen Turm. Türme gibt es hier viele, aber es scheint der höchste von allen zu sein. Es ist der Neidecksturm. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Wasserschloss Neideck im Renaissancestil erbaut. Es soll ein sehr prächtiges Schloss gewesen sein. Im Laufe der Zeit ist es verfallen. Heute steht nur noch ein Turm, 65 Meter hoch, ermöglich er einen herrlichen Rundblick über das Arnstädter Land.

Schräg gegenüber befindet sich das Neue Palais, das heutige Schlossmuseum, das eine Vielfalt an Ausstellungen aufzuweisen hat. Hervorzuheben ist – neben antiken Möbeln, Gold-, Silber- und Glasarbeiten, Porzellanen, Bildteppichen – die barocke Puppenstadt „Mon plaisir“. 10-Arnstadt Schlossmuseum-3Diese thematische in 82 Szenen mit 391 Puppen gestaltete Sammlung ist einmalig. Die einzelnen Szenarien lassen einen Einblick in die Sozialverhältnisse der damaligen Zeit zu. Der Betrachter sieht Szenen aus dem höfischen Leben, aber auch aus dem Alltag von Bürgern und Handwerkern.

In der oberen Etage ist eine Ausstellung Johann Sebastian Bach gewidmet. Hier finden wir ausführliche und systematische Informationen über sein Leben und sein musikalisches Werk.

Wir haben viel gesehen. Eine gewisse Erschöpfung stellt sich ein. Auch der Magen meldet sich, sein gutes Recht. Das heiß, erst einmal ist Mittagspause angesagt. Café Marlitt ist dafür der echte Ort. Unter den Arkaden, auf dem Weg dorthin, entdecken wir eine kleine Informationstafel: In diesem Haus hat Ludwig Bechstein 13 Jahre als Lehrling und Gehilfe in der Apotheke gearbeitet. Wer ist Ludwig Bechstein? Ich erinnere mich an folgende Begebenheit: Als Kind lag ich mit Masern im Bett. Es war furchtbar langweilig. So habe ich mir ein Märchenbuch gewünscht, das ich auch bekam. Ludwig Bechsteins „Deutsche Märchen“. Bei Märchen hatte ich an die Gebrüder Grimm gedacht. Nun kamen meine Eltern mit Ludwig Bechstein, ebenfalls Märchen- und Sagensammler und Geschichtenschreiber. Eine Horizonterweiterung.

Am späten Nachmittag zieht es uns in die mit knapp 6000 Einwohnern kleinste Bachstadt. Das ist Ohrdruf, gelegen an der Ohra. Hier lebte Johann Christoph Bach, der ältere Bruder von Johann Sebastian Bach und Organist der Stadtkirche von Ohrdruf. Nach dem Tod der Eltern nahm er den jüngeren Bruder zu sich und war sein erster Klavier- und Orgellehrer.

Wir entscheiden uns aber für eine andere Sehenswürdigkeit, die Ohrdruf zu bieten hat. Etwas außerhalb liegt eine mit Wasserkraft betriebene Schmiede, heute ein Industriedenkmal, der Tobias Hammer. Unglaublich diese Anlage, die Technik und die produzierten Güter. Fünf Fallhämmer sind heute noch bei Vorführungen in Aktion zu sehen. Wir sind spät dran und auch nur drei Personen. Zunächst sollten wir nur in Eigenregie uns alles angucken können. Aber dann hat es sich der „Chef“ anders überlegt und wir bekamen auch eine kleine Vorführung. Darüber waren wir natürlich sehr erfreut. Die Wasserräder wurden in Betrieb gesetzt und ein Fallhammer fing an zu schlagen. Wau! Was für eine Kraft. Und es war nicht einmal der stärkste der Hämmer. Für alle Technikfans des Schwermaschinenbaus ist das ein lohnenswerter Ausflug.

Neben der Hammeranlage sind auch riesige Dampfmaschinen ausgestellt. 

Künstler kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Vor allem Künstler, die mit metallischen Materialen arbeiten. Eine nicht unerhebliche Anzahl derartiger Werke ist auf dem Museumsgelände ausgestellt.

Der Ausflug hat sich gelohnt. In guter Stimmung geht es zurück nach Arnstadt.

Abendessen im Altstadtrestaurant Schnitzelhaus „Zum Schwan“: Zweimal vegetarisch, einmal Thüringer Rostbrätl. Guten Appetit!

 Rathaus von Arnstadt

10-Arnstadt Rathaus-1

Adresse: Markt 1
99310 Arnstadt

 

 

Bach-Denkmal

10-Arnstadt Bachdenkmal-2

Marktplatz von Arnstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

Bach-Haus

10-Arnstadt Bachhaus

Adresse: Kohlgasse7, 99310 Arnstadt

 

 

 

 

 

Schlossmuseum

10-Arnstadt Schlossmuseum-1

Adresse: Schlossplatz 1, 99319 Arnstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marlitt,
(1825-1887)

geborene Eugenie John, schrieb unter dem Pseudonym Marlitt (= Meine Arnstädter Literatur?) Novellen und Romane und avancierte zur Starautorin der „Gartenlaube“,  der ersten Familienzeitschrift in Deutschland.

 

Ludwig Bechstein
(1801-1860) 

  • Ludwig Bechstein – Sämtliche Märchen
  • Deutsches Sagenbuch

 

Rathaus von Ohrdruf

10-Ohrdruff-Rathaus-1

Adresse: Marktplatz 1, 99885 Ohrdruf

 

 

 

Tobias-Hammer

10-Ohrdruff-Tobias Hammer-Eingang

 Adresse: Suhler Straße 34B, 99885 Ohrdruf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnitzelhaus
„Zum Schwan“

10-Arnstadt Gaststätte Schnitzelhaus

Adresse: Rankestraße 2, 99310 Arnstadt

 

 

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