Schottisches Nationalmuseum

 

26. Juli 2017

Heute wollen wir es ruhig angehen lassen – zwangsläufig. Der Tag beginnt auch sehr verhalten. Ausschlafen, lange frühstücken. Ein leichter Nieselregen benetzt die Fenster. Was also machen?
Das schottische Nationalmuseum, ein Museum für schottische Geschichte und Kultur (Museum of Scotland), ist unter diesen Umständen und bei diesem Wetter  sicher ein lohnenswertes Besichtigungsziel.

Wir kaufen ein Tagesticket für den Lothian Bus. Nach ein paar Stationen haben wir das Ziel erreicht. Aber wo ist der Eingang? Wir stehen im Rücken des Gebäudes und brauchen etwas Zeit zur Orientierung. Nach einer halben Umrundung in die Chambers Street sehen wir den imposanten Bau. 1998, so lesen wir etwas später, wurde das Royal Museum durch einen Neubau erweitert. 2001 kam es zur Zusammenlegung beider Museumskomplexe. 

Ganz im Gegensatz zu der dunklen, wuchtigen Außenfassade präsentiert sich die im viktorianischen Stil erbaute Eingangshalle. Leicht, hell, fast grazil.
In der „Grand Gallery“ sind einige besondere Exponate ausgestellt, die  Neugier wecken und Lust auf die Erkundung der verschiedenen Abteilungen des Museums machen. Mittendrin der grüne gusseiserne Brunnen von Walter MacFarlane.

Das Museum ist gut besucht, darunter viele Familien mit Kindern. Der Eintritt ist frei.

Uns verschlägt es zuerst in die naturkundliche Abteilung, in der auf zwei Etagen verschiedene Tierpräparate aus allen Teilen der Welt gezeigt werden: Elefant, Kamel, Panda, Eisbär, Hai, Mondfisch usw. Ich staune über den Mondfisch, über seine Form, aber auch über seine Größe. So groß hatte ich ihn mir nicht vorgestellt. Später bekomme ich mit, es gibt noch viel größere Exemplare.

Die Anordnung der einzelnen Exponate erscheint ziemlich willkürlich zu sein. Ich konnte jedenfalls kein System entdecken.

Der Mondfisch (Mola Mola), ein Knochenfisch, fällt durch seine ungewöhnliche Form und Größe auf. Er kann eine Größe von über drei Meter erreichen und über zwei Tonnen wiegen. Um nicht zu dehydrieren, ist er auf stark salzhaltiges Wasser angewiesen. Seine dicke, mit Schleim überzogene raue Haut wird durch Putzerfische von Parasiten befreit.

Mondfische ernähren sich hauptsächlich von Quallen, darunter sind auch für Menschen sehr giftige Exemplare. Da er ein unbewegliches, immer geöffnetes Maul besitzt, erfolgt die Nahrungsaufnahme durch Ansaugen. Er selbst steht auf dem Speiseplan von Seelöwen, Orcas und Haien.

  

In der Wissenschaft- und Technikabteilung findet man viele interessante Exponate und Informationen über die Entwicklung von Eisenbahnen, Automobilen, Flugzeugen, Brückenkonstruktionen usw. Uns ziehen zwei Ausstellungsstücke besonders an. Und nicht nur uns. Da ist zunächst ein kleiner Roboter, der in der Lage ist, ein eingegebenes Wort oder einen vorgegebenen Namen aus einer Vielzahl mit jeweils sechs Buchstaben beschrifteten Würfeln zusammenzusetzen. Hier ist der Andrang groß. Jeder möchte das einmal ausprobieren.
  

Dann stoßen wir auf Dolly, dem ersten geklonten Säugetier der Welt.

Dolly wurde aus einer Euterzelle eines Finn Dorset Mutterschafs geklont. Ihre Leihmutter war ein schottisches Blackface Mutterschaf. Aus einer ihr entnommenen Eizelle wurde die DNA entfernt und durch die DNA des Finn Dorset Mutterschafs ersetzt. Ein kleiner elektrischer Puls setzte die Entwicklung in Gang. Sechs Tage später wurde die Eizelle dem Leihmutterschaf implantiert. Nach 148 Tagen kam Dolly zur Welt. Ein Wunder? Unglaublich.

Wir machen eine Pause im Museumsrestaurant ehe es in den Kunst- und Designbereich geht. Hier fallen uns Ausstellungstücke der „Arts and Crafts Movement“ (Kunstgewerbe-Bewegung) ins Auge. Das war in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1920 eine typisch britische Bewegung in der Kunst und dem Produktionsdesign – ähnlich dem Jugendstil bzw. Art Déco. Ein über die Grenzen hinaus bekannter Vertreter war Charles Rennie Mackintosh aus Glasgow, der insbesondere Innendesign und Schmuckkollektionen auf eine sehr spezielle Art prägte.
Langsam werden die Beine schwer. Aber eine Sache wollen wir unbedingt noch ausprobieren: Einen Ausflug auf die Dachterrasse. Wenn man Geduld hat und lange genug auf den Fahrstuhl wartet, ist das auch keine große Herausforderung. Oben über den Dächern Edinburghs werden wir mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Trotz des strammen Windes, der gnadenlos die Haare zaust, ein Ort der Entspannung, zumal sich inzwischen wärmende Sonnenstrahlen durch die Wolken gekämpft haben.
Zurück in die Straßen von Edinburgh. Als wir in Richtung Südbrücke spazieren, entschließen wir uns spontan mit dem Bus zu fahren. Hier fahren viele Busse. Aber warum überlegen? Fahren sie nicht alle ins Zentrum? Der nächste Bus ist unser und ab geht die Fahrt. Allerdings in eine gänzlich andere Richtung als wir vorhatten. Oh je und keine Haltestelle in Sicht. Der Bus fährt und fährt. Als er schließlich stoppt, befinden wir uns im Rücken des Calton Hügels. Was nun? Aussteigen und mit einem anderen Bus zurück in die Prince Street. Ja, man macht so eine seine Erfahrungen. Aber wir haben ja unser Tagesticket.

Am der Waverley Station, dem tief im Tal gelegenen Hauptbahnhof von Edinburgh, kaufen wir Fahrkarten für einen Bahnausflug nach Lanark, den wir am kommenden Tag unternehmen wollen. Die Rückfahrkarten für uns beide kosten £21. Noch ein Blick auf die Abfahrzeiten. Wir sind für morgen gut gerüstet.

Jetzt nehmen wir einen Bus bis West End und gehen dort am Charlotte Squere in ein Restaurant. Es ist Zeit für das Abendessen.

Woher kommt der Name Waverley? „Waverley oder ’s ist sechzig Jahre her“ (Waverley, or, ’Tis Sixty Years Since) ist der erste Roman des schottischen Schriftstellers Sir Walter Scott. Er erschien 1814 und gilt als der erste britische historische Roman, in dessen Mittelpunkt der britische Offizier Edward Waverley steht.

 

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