Edinburgh Castle

 

24. Juli 2017
Ein herrlicher Sonnentag. Heute steht die Burg, hoch oben auf einer Bergkuppe gelegen und Namensgeber der Stadt, auf unserem Besichtigungsprogramm. Doch zuvor will Lotti unbedingt in die

Eingangshalle der schottischen Nationalbank


Schottische Nationalbank am St. Andrew Square, um alte 5-Noten-Scheine in neue umzutauschen. Auch bei den £1-Münzen läuft eine große Umtauschaktion. Wir haben uns schon über die Menge an neuen £1-Münzen gewundert und vermuteten, diese Aktion hängt mit dem Brexit zusammen, was der Schalterbeamte aber vehement verneint. Die Bank gleicht einem Palast. Eine überaus beeindruckende Architektur. Alles vom Feinsten, wie man so schön sagt. Der Umtausch ist schnell erledigt. Wir machen ein paar Fotos und weiter geht’s schnurstracks zur Burg hinauf.  
Wie gesagt, Edinburgh ist eine hügelige Stadt. Jetzt geht es bergauf. Und das nicht zu knapp. Ab und zu gönnen wir uns eine kurze Pause zum Durchatmen.

Warteschlange vor der Burg


Kurz vor Elf erreichen wir den Eingangsbereich von Edinburgh Castle und treffen auf eine lange Schlange Wartender. Du meine Güte. Wie lange soll denn das dauern? Bevor wir uns einreihen, müssen wir zur Rucksackkontrolle, was wir auch brav erledigen. Allerdings, wenn einer sich dieser Kontrolle entziehen möchte, wäre das keine große Herausforderung. Es geht ganz gut voran. Gegen zwölf Uhr durchschreiten wir das Burgtor. Hier gibt es eine Toilette. Das ist inzwischen auch dringend nötig. Vor den Kassen heißt es wieder anstehen und Geduld haben. Schließlich haben wir unsere Eintrittstickets und einen Burgplan. Die Sehenswürdigkeiten sind bis 25 durchnummeriert.  Na dann los!

Auf der Edinburgh


Wir passieren den Argyle-Turm und befinden uns nach ein paar Schritten im westlichen Teil der Verteidigungsanlage. Hier ist ein kleines Selbstbedienungsrestaurant, das Redcoat Café. Zuerst einmal hinsetzen und etwas trinken. Ja womit anfangen? Wir klettern noch höher hinauf zu Mons Meg, dem Riesengeschütz, das im 15. Jahrhundert im Belagerungskrieg eingesetzt wurde. Lotti macht einen Abstecher in die Margaret’s Chapel (Margareten-Kapelle), die als das älteste Gebäude von Edinburgh gilt. Ich genieße das Stadtpanorama. Inzwischen hat sich eine Menschenmenge versammelt, die von Minute zu Minute größer wird. Es dauert eine Weile bis wir mitbekommen, worum es

One o’Clock Gun


geht. Alle warten auf die One o’Clock Gun (Ein-Uhr-Kanone). Und tatsächlich. Da tut sich was. Der Hauptkanonier in historischer Uniform feuert pünktlich um Eins die Kanone ab. Bumm! Ein Knall und viel Rauch. Ein Spektakel, das sich seit 1861 täglich – außer sonntags – wiederholt.

Blick auf Edinburgh

Wir  erklimmen die Forewall- und die Half Moon- Batterie. Von hier hat man eine herrliche Aussicht auf die Stadt.

Bevor wir unseren Fuß in den Königspalast setzen können, um die Kronjuwelen und den großen Saal (Great Hall) bewundern zu können, heißt es wieder anstehen. Schritt für Schritt geht es durch enge Gänge bis zum „Crown Room“, wo die Honours of Scottland (Kronjuwelen), die Ehrenzeichen Schottlands, aufbewahrt werden: Krone, Amtsschwert und Zepter. Der Stone of Destiny (Stein der Vorsehung bzw. Stein des Schicksals) diente wohl als Sitz bei  Krönungszeremonien. In der prächtigen Great Hall (großer Saal) mit einer architektonisch interessanten Hammerbalken-Decke sind Waffen und Rüstungen ausgestellt.

Wieder auf dem Burghof brauchen wir erst einmal eine Pause. Die nächste freie Sitzgelegenheit ist unsere. Trinken nicht vergessen. Wie sich später herausstellen sollte, trinke ich wohl zu wenig. Alles kann man an einem Tag wohl nicht ansehen. Wir werfen noch einen Blick in die Ausstellung „Prisons of War“, die den Alltag früherer Kriegsgefangener veranschaulicht.

 

Gefangenenunterkünfte

Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir die Burg. An der Auffahrt zur Burg ist eine Bushaltestelle. Hier verkehrt der 27er Bus, der u.a. zum Botanischen Garten fährt. Das ist unser nächstes Ziel. Von der Burghöhe konnte man auch den Botanischen Garten erspähen. Als ich meinte, da könnte man ja zu Fuß hinlaufen, hat Lotti nur gelacht. Und in der Tat, was für eine Schnapsidee. Die Fahrt mit dem Bus dauert fast eine halbe Stunde. Der Botanische Garten ist eine sehr gepflegte Anlage, wie überhaupt alles Gärtnerische in Edinburgh von höchster Präzision ist. Bei allen anderen Dingen sieht man das bedeutend entspannter. Im Gartencafé essen wir zu Mittag. Es ist viel ruhiger als auf der Burg. Hier kann man im wahrsten Sinne des Wortes die Seele baumeln lassen. Wir verbringen zwei Stunden in dieser Idylle.  
 

Danach fahren wir mit einem Linienbus zum Westhafen, um von weitem einen Blick auf die königliche Britannia – heute ein Museumsschiff – zu werfen, die am Ocean Terminal gut abgeschirmt vor Anker liegt. Man will zahlende und nicht gaffende Besucher. Der Ausblick? Na ja, geht so. Das ist kein Volltreffer. Zurück in der Altstadt, es ist inzwischen halb acht. Wir entscheiden uns, in der Gaststätte „Element“ in der Rose Street zu Abend zu essen. Super!  

Lothian Bus

Gegen zweiundzwanzig Uhr sind wir zurück im Hotel und legen uns auch gleich hin (viel könnte man in dem kleinen Zimmer ohnehin nicht machen) und reden noch ein bisschen über den morgigen Tag. Dann passiert es: Kurz vor dem Einschlafen wird mir plötzlich übel und schwindlig. Schmerzen in der linken Brust. Ich richte mich auf. Das Zurückfallen ins Bett bekomme ich nicht mehr mit. Lotti rennt im Nachthemd raus auf den Flur, klopft an verschiedene Türen und bittet um Hilfe. Dann rennt sie zur Rezeption, um einen Notarzt zu rufen. Ich komme inzwischen wieder zu mir und sehe vier fremde Menschen, zwei Frauen und zwei Männer, um mich herum. Die Frauen halten meine Hände, fühlen wohl den Puls, eine sagt etwas zu mir, was ich nicht verstehe. Die Männer halten meine Beine hoch. Was für ein Bild. Aber in diesem Augenblick wird mir das nicht bewusst. Lotti stürmt ins Zimmer und ruft: Der Notarzt kommt! Das dauert aber noch eine gute halbe Stunde. Ich bekomme mit, wer die hilfsbereiten Fremden sind: Ein Ehepaar aus Barcelona und ein Ehepaar aus Bilbao. Es klopft. Die Notärztin ist eingetroffen. Sie macht ein EKG und entscheidet, ich müsse mit ins Krankenhaus. Ich ziehe mich an, Lotti schlüpft ebenfalls in ihre Sachen. Sie begleitet mich ins Krankenhaus. Es ist nach Mitternacht. Der Krankenwagen rumpelt durch die nächtliche Stadt zum Royal Infirmary.

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