Vorfreude auf das Festival Fringe

 

02. August 2017
Lotti möchte unbedingt noch eine Sightseeing-Tour mit dem Bus durch die schottische Hauptstadt unternehmen, so wie wir das auch in Glasgow praktiziert haben: Hop On-Hop Off. Für mich ist das nicht so reizvoll, da ich von einem vorherigen Besuch viele Seiten der Stadt schon zu kennen glaube. Aus diesen Gründen trennen wir heute unsere Aktivitäten.

Lotti begibt sich auf eine Stadtbesichtigungstour und ich fahre mit einem Lothian Stadtbus in die Altstadt. Na hier ist etwas los! Die Stadt ist eindeutig in Feierlaune und lässt ihrer Vorfreude auf das Festival Fringe freien Lauf. Die dreiwöchigen Festspiele finden seit 70 Jahren jedes Jahr im August in Edinburgh statt; dieses Jahr vom 4. bis zum 27. August.
Der Name des Festivals ist Programm: Die ganze Stadt wird zur Bühne. An 300 Orten finden Aufführungen und Präsentationen statt.
Es geht bunt und fröhlich zu. Später zu Hause in Berlin lese ich es waren 53.232 Aufführungen von 3.398 Shows in 300 Orten in Edinburgh. Die diesjährige Fringe beinhaltete Auftritte in der Altstadt, auf Plätzen, in einem Schwimmbad, einem Boot, einem Bad, einem Fußballplatz, einem Tunnel und einer Rennbahn. Künstler aus aller Welt widmeten sich den unterschiedlichsten Themen wie und Zugehörigkeit, Identität, Trauer, Brexit, Trump, Fake News, der syrische Konflikt, Geschlecht und Aktivismus.

Fringe heißt so viel wie Rand, Fransen, Saum oder unkonventionell, außenstehend, extrem, anders sein.

 

Das Zentrum der Altstadt in der High Street ist für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Überall sind Ordner am Werke, alles junge Leute, die dafür sorgen, dass alles reibungslos ablaufen kann. Übermorgen beginnt das Festival. Ich bekomme einen Vorgeschmack. Mitten auf der Straße: Zauberkünstler, Clowns, Musiker, Tänzer, Tanzgruppen, Mann ohne Kopf, Wahrsager, Jongliere, … 
 

 

Als es anfängt leicht zu nieselt und ich auch schon meine Beine spüre, kehre ich ins Hotel zurück. Hier nutze ich die Zeit, um Karten an die Familie und Freunde zu schreiben. Das dauert länger als gedacht: Einigermaßen sinnvoller Text und lesbare Schrift. Letztes ist gar nicht so einfach im Zeitalter des Tippens auf PC, Tablet oder Smartphone. Aber dann ist die letzte Karte verfasst. 
Ein Blick aus dem Fenster verheißt immer noch keine entscheidende Wetterbesserung, Nieselregen mit Trockenperioden, so könnte man die Situation beschreiben. Typisch schottisch, aber kein Grund Trübsal zu blasen. Wetterfest angezogen werde ich den letzten Nachmittag in Edinburgh nicht tatenlos verstreichen lassen. An der Hotelrezeption gebe ich meinen Kartenstapel ab und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Mit dem 31er Bus fahre ich zum Bergzoo von Edinburgh. Die Fahrt dauert eine Weile. Der Zoo liegt im Corstorphine-Bezirk unweit des Murrayfield Stadions. Direkt gegenüber der Haltestelle befindet sich der Haupteingang. 
Nach Edinburgh Castle ist der Zoo die zweitmeist besuchte Attraktion der Stadt. Wer hätte das gedacht. Schnell wird klar, dass es sich um einen Bergzoo handelt. Immer schön bergauf. Eine willkommene Verschnaufpause im Affenhaus, wohin auch die Schimpansen vor dem feuchten Wetter aus ihrem Außengehege geflüchtet sind. Mit ihren tollkühnen Schwüngen und lustigen Eskapaden begeistern sie nicht nur die kleinen Besucher. Weiter geht es den Berg hinauf. Ich staune wie viele Menschen trotz des unfreundlichen Wetters im Zoo unterwegs sind.
Und ich staune auch über die Größe des Areals. Der Weg nach oben scheint kein Ende zu nehmen. Dann öffnet sich ein weites Feld in das eine Besucherbrücke führt. Von hier aus lassen sich wunderbar eine Zebraherde und eine Gruppe südafrikanischer Antilopen, die Nyalas, beobachten. Es geht weiter bergauf bis zum höchstgelegenen Punkt des Zoos, dem Hotspot. Von hier aus hätte man eine schönen Blick auf die Stadt, wenn, ja wenn … Dafür scheint dieses feuchte, nicht allzu kalte Wetter den Pflanzen gut zu bekommen. Ihre Blätter präsentieren sich noch im satten Grün. Hier oben haben die Vicunjas ihr Revier. Das ist eine kleine, schlanke und höckerlose Kamelart, die im südamerikanischen Hochgebirge, den Anden, lebt. Das Besondere an Vicunjas ist deren Wolle.

 

Hotspot im Zoo

Vicunjawolle ist die feinste und edelste Wollsorte weltweit. Sie absorbiert Luftfeuchtigkeit, ohne sich optisch zu verändern. Sie hält eine konstante Körpertemperatur und ist somit für Kleidungsstücke sowohl für die warme als auch die kalte Jahreszeit ideal. Peru ist weltgrößter Erzeuger von Vicunja-Wolle mit 2.500 bis 3.000 Kilogramm pro Jahr. Ein Umhang aus Vicunjawolle kostet bis zu 1.700 Dollar.

 

Es geht zurück, das heißt abwärts vorbei an einem Löwen, besser gesagt einer Löwin, die mit stoischer Ruhe auf einem Fleck sitzt und alles im Blick zu haben scheint, vorbei an einem Tiger, der ununterbrochen seine Runden durch die Anlage dreht. Ich stoße auf eine ausgedehnte Anlage für Pinguine.

Pandabärin Tian Tian

Und kurz dahinter entdecke ich das Haus des Großen Pandas. Normalerweise braucht man ein Zeitticket für den Besuch, um den Andrang zu regeln. Aber bei dem heutigen Wetter ist der Besucherstrom überschaubar. Ich komme auch ohne Ticket hinein. Eine Tierpflegerin erzählt einer Schulklasse gerade etwas über die Pandabärin mit dem Namen Tian Tian, was so viel wie die Süße heißt. Die Kinder sind sehr aufmerksam und interessiert. Als der Panda plötzlich aus dem Dickicht auftaucht, erschallt ein Ah und Oh. Die Bärin dreht gelassen eine Runde und verschwindet wieder hinter Sträuchern und Bambusstangen. 

Nach dem Verlassen des Panda-Hauses begebe ich mich auf direktem Weg zum Ausgang. Es regnet. Die Leute drängeln sich alle unter das Dach der Bushaltestelle. Zum Glück müssen wir nicht lange warten. Mit dem 26er Bus geht es zurück zum Haymarket. Gegen halb sechs bin ich wieder im Hotel. Kurz danach trudelt auch Lotti ein.

Wir packen unsere Koffer. Das ist relativ schnell erledigt. Nach dem Begleichen der Hotelrechnung suchen wir einen nahegelegenen Pub zum Abendbrotessen auf. Unsere Entscheidung fällt auf „Haymarket“ direkt an der Ecke Maitland Street und Morison Street gelegen. Wir sind zufrieden.

 

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