St Andrews – eine alte Universitätsstadt

 

01. August 2017
Bevor es übermorgen wieder nach Hause geht, wollen wir unbedingt St Andrews, einer Kleinstadt von etwa 16.000 Einwohnern, noch einen Besuch abstatten. Warum gerade diese kleine Stadt ziemlich abseits an der Ostküste Schottlands gelegen?

Wir haben uns belesen: St Andrews hat eine bemerkenswerte Historie. Die Stadt war vor der schottischen Reformation Bischofssitz mit einer Kathedrale und einer Burg direkt an der Nordseeküste. Das klingt interessant, zumal die kleine Stadt auch noch über eine bedeutende Universität verfügt. Die Universität St Andrews, gegründet 1410, ist die älteste Universität Schottlands.

Der Name der Stadt leitet sich von Andreas, einem der zwölf Apostel von Jesus und Bruder von Petrus ab. Andreas starb durch die Römer als Märtyrer an einem Schrägkreuz. Dieses Kreuz in Form von zwei sich kreuzenden Diagonalen oder auch vergleichbar mit einer römischen Zehn X wird als Andreaskreuz bezeichnet. Es bildet die Grundstruktur der schottischen Nationalfahne, ein weißes Andreaskreuz auf blauem Grund.
Nach dem Frühstück machen wir uns mit einem Lothian Stadtbus auf den Weg zur Central Bus Station. Von dort fährt 11:05 Uhr der Bus nach St Andrews. Klappt alles wunderbar. Ein Rückfahrticket kostet £10,70. Nach einer kurzen Wartezeit öffnet sich die automatische Tür zum Bussteig und wir steigen ein. Pünktlich rollt der Bus aus dem Busbahnhof in das nördliche Edinburgh. Wir überqueren den Forth auf der Forth Road Bridge. Ab und zu hält der Bus, so in Glenrothes, Cupar und Guardbridge. Aber die meiste Zeit fahren wir über flaches Land. Nach gut zwei Stunden erreichen wir St Andrews.

Es ist wirklich eine kleine, überschaubare Stadt. Vom Busbahnhof sind es nur wenige Schritte bis zum historischen West Tor (West Port). Hier betreten wir das Altstadtzentrum und schlendern die South Street entlang. Auf der rechten Seite entdecken wir eine Ruine, die Blackfriar Chapel. Wir machen uns schlau, was der Name bedeutet.

 

 

 

 

 

South Street

Blackfriars = Dominikaner Mönche;
Greyfriars = Franziskaner Mönche

Ein paar Meter weiter befindet sich auf der linken Seite die Holy Trinity Church. Schräg gegenüber ist das Rathaus, ein unscheinbares Haus, dahinter das St Mary’s College. Links und rechts der Straße laden Geschäfte zum Shoppen ein. Wer das möchte, kommt hier bestimmt auf seine Kosten. Und das ganz gemütlich.

 

Holy Trinity Church

Die South Street endet direkt vor dem Areal der ehemaligen katholischen Kathedrale, die während der Reformationskriege von John Knox‘ Anhängern 1559 ausgeraubt und zu großen Teilen zerstört wurde. Es ist nicht mehr viel erhalten. Wir sehen die Ruine des Hauptschiffes, Ruinen verschiedener anderer Gebäude, einen Turm. Die Grundrisse der Gebäude sind im Rasen des Domgeländes markiert und zeugen von einer großzügigen Anlage und einem mächtigen Kirchenschiff. Wir spazieren über den kurzgehaltenen, wunderbar weichen Rasen vorbei an Grabsteinen und Grabmalen. Nach der Zerstörung der Gebäude wurde das Gelände auch als Friedhof genutzt. Aufgestellte Tafeln mit Zeichnungen veranschaulichen Form und Größe der Kathedrale. Der Turm St Rule, den wir schon von weitem gesichtet hatten, liegt zwar auch auf dem Domgelände, gehörte aber zu der noch älteren Kirche St Rule. 
 

Direkt hinter dem ehemaligen Kirchenareal öffnet sich der Blick auf die Nordsee. Eine ganz leichte warme Brise weht landeinwärts. Angenehm. Aber nun meldet sich der Magen. Er braucht unbedingt eine Stärkung. Wir begeben uns auf die Strandstraße, The Scores, und halten nach einer Gaststätte Ausschau. Ein kleines Café sieht sehr einladend aus, aber es scheint voll zu sein. Doch wir haben Glück. Gerade wird ein Tisch frei. Na dann guten Appetit bei Pancakes, Scones und Tee. 
Nach dieser Pause geht es weiter nahe am Strand entlang. Hier befindet sich auf einer felsigen, in die Nordsee reichenden Landzunge die Burgruine St Andrews Castle. Eine Besichtigung wäre möglich. Der ermäßigte Eintritt würde £4,80 kosten. Die Besichtigung der Kathedralenanlage war übrigens entgegen der Ankündigung kostenlos. Aber wir haben heute schon genug Ruinen gesehen. So entscheiden wir uns nach einigem Hin und Her für die Fortsetzung des Spazierganges. Das Wetter ist einfach zu verlockend, die Zeit im Freien zu verbringen. 
Das Meer hat sich noch zurückgezogen. Es ist Ebbe. Und wir turnen, wie viele andere große und kleine Menschen auch, auf großen Felsenbrocken herum, die bei Flut wohl gar nicht sichtbar sind. 
An einer Bucht mit dem vieldeutigen Namen Witch Lake befindet sich das St Andrews Aquarium. Ein paar Schritte weiter sind wir im „Golfland“ von St Andrews angelangt. Neben dem British Golf Museum befindet sich hier der Royal & Ancient Golf Club mit dem ältesten Golfkurs der Welt, dem Old Course St Andrews Links. Soweit das Auge reicht sehen wir weitere Golfplätze. Insgesamt sind es sieben Anlagen, sechs 18-Loch- und eine 9-Loch-Anlage. Das haben wir gelesen. Um ehrlich zu sein, von Golf haben wir beide keine Ahnung.

Links sind besondere Golfplätze, die vor allem an Flussmündungen auf kargem, sandigem Dünenland eingerichtet worden sind.

Old Course St Andrews Links

Modelle der Kelpies

Auf dem Hügel Bruce Embankment am Ende der The Scores entdecken wir zwei große Pferdeköpfe. Das müssen Kopien der Kelpies von Falkirk sein, so unser erster Gedanke. Die 30 Meter hohen stählernen Originale stehen am Forth- und Clyde-Kanal in Falkirk. Sie sind ein Denkmal für die Arbeitspferde, die in der Zeit der industriellen Revolution Lastkähne auf den Kanälen gezogen haben. Da wir uns die Kelpies in Falkirk ansehen wollten, aber aus Zeitgründen nun nicht mehr dazu kommen, schauen wir uns die 3 Meter hohen Mini-Ausgaben näher an. Es sind keine Kopien, wie erst angenommen, sondern es handelt sich um die Modelle des Bildhauers Andy Scott, der die Skulpturen geschaffen hat. Sie sind erst seit einer Woche für eine bestimmte Zeit auf dem Bruce Embankment neben dem britischen Golfmuseum ausgestellt. So ein Zufall. Nun sehen wir doch noch diese imposanten Pferdekopfskulpturen, nur eben die kleinere Modellversion. 

Wir laufen noch vor bis West Sands, einem weitläufigen Sandstrand. Auf einer Bank sitzend können wir die Bucht überschauen. Langsam kommt die Flut. Hier kann je nach Jahreszeitzeit der Tidenhub über fünf Meter betragen. Wenn dem so ist, dann sind die viele Felsen, von denen ich oben gesprochen habe, bei Flut tatsächlich unter der Wasseroberfläche.

Es wird Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Wir kehren zum alten Golfplatz zurück und von dort vorbei an einer Reihe von Golfläden zur City Road. Die führt direkt zum West Tor. Unweit davon befindet sich die Central Bus Station. Die Rücktour startet um 17:50 Uhr. Gut zwei Stunden später erreichen wir Edinburgh. Hier wählen wir für unser Abendessen wieder einen Italiener, aber einen anderen, etwas ruhigeren. Und das passt. Wir können eine schmackhafte Pasta genießen.

 

 

West Port

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