Stirling Castle – das Tor zu den Highlands

 

31. Juli 2017
Heute teilen sich unsere Wege. Lotti möchte unbedingt wenigsten einmal in den Norden Schottlands fahren und hat eine Tagesbusreise in die Highlands gebucht. Ich traue mir eine so lange Fahrt im Bus nicht zu. Wer weiß …

Als Alternative habe ich mir Stirling Castle ausgesucht. Von Edinburgh gibt es eine bequeme Busverbindung nach Stirling. Und diese Fahrt ist bei weitem nicht so lang.

Stirling ist eine Stadt am Fluss Forth mit etwa 40.000 Einwohnern, die auf eine bedeutende Geschichte zurückblicken kann. Sie liegt am Fuße einer Burg, Stirling Castle, die auf einem Hügel über der Altstadt thront.
Lotti ist schon vor 8 Uhr aufgebrochen. Ich habe Zeit, in Ruhe zu frühstücken, ein paar Sachen zu sortieren, Notizen zu machen, die technischen Geräte aufzuladen, Emails zu beantworten. Meine Güte, was da alles zusammenkommt.

Um elf Uhr laufe ich vor zur Haymarket Station. Eine viertel Stunde später kommt pünktlich der Bus nach Stirling. Klappt alles wie am Schnürchen. Viertel vor Eins rollt der Bus in den Busbahnhof von Stirling ein.

Zunächst einmal muss ich mich orientieren: Wie komme ich zur Burg? Die Altstadt ist überschaubar und die Burg kann man zu Fuß erreichen, aber immer schön bergauf, sie liegt auf einem Hügel. Von der Central Bus Station fahre ich direkt mit einer Rolltreppe in ein weitläufiges Shopping Center. Hier suche ich den Ausgang in die King Street. Dieser folge ich in die Baker Street, Bow Street, Broad Street und Castle Wynd. Nach einer guten halben Stunde stehe ich auf der Castle Esplanade vor der Burg. Im Burghof befinden sich mehrere Ticketschalter, sodass ich recht schnell zu meiner Eintrittskarte und einem Besichtigungsplan komme. £15 kostet ein Ticket, ermäßigt £12.

 

Park an der Baker Street

 

 

 

Stirling Castle ist eine sehr gut erhaltene Burganlage, in der man viele Details der schottischen Geschichte erfahren kann. Ich beginne meinen Rundgang in der Castle Exhibition. Hier ist die Ahnenreihe der schottischen Könige und Königinnen beschrieben und mit Bildern veranschaulicht. Die meisten Namen sagen mir nichts, aber der von Maria Stuart schon. Nicht nur das gleichnamige Drama von Friedrich Schiller, auch diverse Historienfilme und Romane erzählen deren Geschichte. Maria Stuart (1542-1587) wurde mit nur neun Monaten in der Kapelle von Stirling Castle zur Königin der Schotten gekrönt. Der Kampf um den Thron endete für sie tödlich. Ihr wurde Hochverrat vorgeworfen. Das Todesurteil unterzeichnete die englische Königin Elisabeth. 1587 wurde es vollstreckt.

Ich lese weiter: Maria Stuart hatte einen Sohn James (Jacob) (1566-1625), der 1567 König von Schottland und 1603 auch König von England und Irland wurde.

Stirling Castle war im Mittelalter immer wieder heiß umkämpft. Hier lieferten sich Schotten und Engländer blutige Schlachten. Nur ein Beispiel. So siegten 1297 die von dem schottischen Freiheitskämpfer William Wallace angeführten Schotten in der Schlacht von Stirling Bridge und eroberten die Burg zurück. Nach der Schlacht von Falkirk ging die Burg wieder an die Engländer verloren. 1299 wurde sie durch die aufständischen schottischen Truppen unter der Führung des späteren schottischen Königs Robert the Bruce erneut eingenommen.

 

 

 

 

 

Das nächste Besichtigungsziel ist der neue königliche Palast mit dem Audienzsaal und den königlichen Gemächern. An diesen Palast schließt sich der alte königliche Palast an, in dem heute das Museum des Argyll and Sutherland Highlanders-Regiments untergebracht ist. Der Ausgang führt mich auf den oberen Innenhof. Gegenüber liegt die Schlosskapelle, aus der eine sehr ergreifende Chormusik erklingt. Mit zur Linken erstreckt sich die im Renaissance-Stil erbaute Große Halle (Great Hall), die ich mir gern angesehen hätte. Das ist aber wegen einer geschlossenen Veranstaltung nicht möglich. In drei Gift Shops kann man sich mit Andenken oder Mitbringsel versorgen, das Café Unicorn hält kleine Erfrischungen bereit und auch Toiletten fehlen nicht.

 

 

Great Hall

 

Stirling, übrigens lange Zeit die Hauptstadt Schottlands, trägt nicht umsonst den Namen, das Tor zu den Highlands zu sein. Von der Burg aus hat man einen herrlichen Ausblick auf den Gebirgszug, der sich am Horizont erstreckt. Ein wundervoll beruhigendes Panorama.
Ich verlasse die Burg und schlendere die Castle Wynd bis zur Church of the Holy Rude hinunter. Das ist eine sehr alte Kirche. Sie wurde 1129 erbaut und ist somit nach der Burg das zweitälteste Gebäude der Stadt. Auffällig sind die außerordentlich farbenprächtigen Glasmalereien der Fenster und die große, alte Orgel.

The Holy Rude ist die mittelalterliche Bezeichnung für das Kreuz bei Jesus‘ Kreuzigung.

Königin Maria Stuart saß bereits im Gefängnis als 1567 ihr Sohn als Jakob VI. nach einer Rede von John Knox hier zum König von Schottland gekrönt wurde.

In Stirling und Umgebung gäbe es noch Einiges zu sehen. So könnte man an einer Hop On-Hop Off Tour teilnehmen, die unter anderem zu Wallace-Denkmal führt, das man bereits von der Burg gut ausmachen konnte. Aber dafür reicht die Zeit nicht. Auf dem Rückweg in die Altstadt kehre ich in ein kleines, sehr anheimelndes Restaurant ein. Hinsetzen. Das tut gut. Beine ausstrecken. Noch besser. Ich bestelle einen großen Kaffee und ein Omelett. Alles sehr lecker.

 

William Wallace Monument

Bis zum Busbahnhof sind es nur ein paar Schritte. Ein schöner Spätsommertag. Ich habe keine Eile und sehe mich noch ein bisschen in der Altstadt um. Um 17.50 startet der Bus zurück nach Edinburgh.

 

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